12.03.2010

Mathieu Delpierre über den VfB-Saisonverlauf

»Wir hatten Angst«

Seit Christian Gross Trainer beim VfB ist, geht es wieder bergauf. Oder sollte man sagen: Seit Mathieu Delpierre Kapitän ist? Wir sprachen mit ihm über die Trennung von Babbel, die Überwindung der Krise und das Match gegen Schalke. 

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Herr Delpierre, am Freitag geht es für den VfB nach Schalke. Hat sich die Mannschaft auf die Standardsituationen der Schalker eingestellt?

Wir wissen um diese Stärke der Schalker. Da ist Konzentration gefragt. Und wir müssen aufpassen, nicht zu viele Fouls in unserer Hälfte zu begehen, um Freistöße für die Schalker zu vermeiden.




Sie persönlich fehlen aufgrund der fünften gelben Karte. Ist das besonders ärgerlich, weil Sie in den letzten Spielen eine ansteigende Form zeigten?

Eine Sperre ist immer ärgerlich. Ich habe nach meiner Verletzung schnell wieder den Anschluss gefunden, nachdem ich zuvor sieben Wochen verletzungsbedingt außer Gefecht war. Das war eine schwierige Zeit für mich. Doch ich war immer sehr motiviert, wieder ins Team zu kommen.

In der nächsten Woche geht es für den VfB zum Rückspiel in der Champions League nach Barcelona. Was muss die Mannschaft tun, um weiterzukommen?

Ich erwarte ein von der Taktik geprägtes Spiel, in dem Disziplin und Laufbereitschaft gefragt sein werden. Wir werden nicht viele Chancen bekommen, deswegen müssen wir eiskalt vor dem Tor sein. Dann ist die Überraschung möglich.

Allgemein läuft es wieder gut für Stuttgart. Wie so oft in den vergangenen Jahren verschlief der VfB die Hinrunde und trumpfte dann in der Rückserie richtig auf. Wie kann man das erklären? Braucht das Team den besonderen Druck?

Im letzten Jahr haben einige Dinge bei uns nicht gepasst. Wir haben zu Beginn der Saison gedacht, dass wir wieder eine gute Rolle in der Bundesliga spielen können. Doch leider konnten wir das Niveau des Vorjahres nicht halten und kamen von Beginn an in eine Negativspirale.

Woran lag das denn genau? War es entscheidend, dass Markus Babbel oft nach Köln zur Trainerschulung musste?

Die Situation war nicht einfach, aber Markus hat versucht, so häufig wie möglich bei der Mannschaft zu sein. Dennoch hat es die tägliche Arbeit natürlich etwas behindert. Allein daran lag unsere Formkrise aber sicher nicht. Es gab auch einige personelle Veränderungen innerhalb der Mannschaft, die dazu geführt haben.

Welche Veränderungen meinen Sie?

Wir haben Mario Gomez abgegeben, und es kamen kurz vor dem Saisonstart neue Spieler dazu. Da braucht es Zeit, um diese Spieler zu integrieren. Die Erwartungshaltung war sehr groß und gleichzeitig haben die ersten Misserfolge den Druck auf die Mannschaft weiter erhöht. Wir befanden uns plötzlich in einer sehr schwierigen Situation.

Symbolisch für diesen enormen Druck von außen waren die massiven Fanproteste nach dem Spiel gegen den VfL Bochum. Wie gingen Sie als Spieler damit um?

Das war eine unschöne Erfahrung. Schon vor dem Spiel haben einige Fans den Bus angehalten. Wir konnten die Enttäuschung der Fans natürlich nachvollziehen. Doch letztendlich ist das alles Fußball, es bleibt ein Spiel. So weit wie damals darf es nicht kommen. Auch wenn ich natürlich weiß, dass die Stimmung bei Erfolg und Misserfolg schnell ins Extreme umschlagen kann.

War Ihnen zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass Markus Babbel nicht mehr zu halten war?

Das hat man schon gemerkt. Auch der Trainer wusste letztlich nicht mehr weiter. Nach dem Bochum-Spiel war es ein offenes Geheimnis, dass es Veränderungen geben würde.

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