14.04.2008

Massimilian Porcello im Interview

»Wir schauen von unten hoch«

Nach sensationellem Beginn ist der KSC zuletzt etwas aus dem Tritt gekommen. Wir sprachen mit dem Mittelfeldstrategen Massimilian Porcello über die Ursachen, Freundschaft in Krisenzeiten und die Bundesliga aus der Froschperspektive.

Interview: Fabian Jonas Bild: Imago
Spielt dieser Zusammenhalt auch eine Rolle, wenn man versucht, Abwanderungswillige zum Bleiben zu überreden? Kurzzeitig sah es ja so aus, als würde dem KSC der Ausverkauf drohen. Hajnal und Eggimann verlassen den Verein. Andere Stammspieler, darunter auch Sie, haben dagegen gerade verlängert.

Grundsätzlich sind wir alle in erster Linie einmal Profis, die nur eine gewisse Zeit spielen können. Da macht man sich zunächst einmal Gedanken über die eigene Entwicklung, Ziele, Vorstellungen und sicher auch über das Finanzielle. Danach schaut man aber schon, was der Verein macht, ob er die Truppe zusammenhalten und auch im nächsten Jahr einen guten Kader stellen kann. Man beobachtet schon, was die anderen machen, aber das ist nicht das erste. Zunächst schaut jeder auf sich.

Hatten Sie auch Angebote von anderen Clubs?

Ja, es gab einige Optionen, worüber ich mir auch lange Gedanken gemacht habe, weshalb sich meine Vertragsverlängerung etwas länger hingezogen hat. Dann habe ich mich aber bewusst für den KSC entschieden, weil es sehr gut läuft, ich mich wohl fühle und wir eine gute Mannschaft haben. Ich finde auch, dass außer den Topklubs, die ich mal ausklammere, zur Zeit nur wenige Mannschaften vor uns stehen. Der Kader bleibt zum größten Teil zusammen, und wenn es gelingt, Görlitz zu halten, müssen wir vom Kerngerüst nur zwei Spieler ersetzen. Das ist absolut möglich.

Welche Vereine das sind, wollen Sie nicht sagen?


Nein. Das ist jetzt auch egal, ich habe mich für den KSC entschieden, und da muss man jetzt nicht hier oder bei anderen Vereinen für Unruhe sorgen. Vielleicht erzähle ich es später irgendwann mal.

Der Abgang von Tamas Hajnal könnte für Sie die Auswirkung haben, dass Sie wieder im offensiven Mittelfeld und nicht mehr auf der Sechser-Position spielen können. Welche Position ist Ihnen denn lieber?


Generell ist es für mich wichtig, dass ich im zentralen Mittelfeld spiele, da sehe ich mich. Ich denke, ich komme mit der defensiven Position sehr gut zurecht. Sicherlich macht die offensivere Rolle mehr Spaß, weil man einfach näher am Tor und damit torgefährlicher ist. Allerdings geht das auch aus dem defensiven Mittelfeld. Die Sechser-Position ist für mich schon in Ordnung, mir ist nur wichtig, dass ich auch meine Schussstärke anwenden kann und mich jemand absichert, wenn ich in die Offensive gehe. Wenn man das mit Hilfe der Mitspieler umsetzen kann, kann man auch genauso torgefährlich sein wie ein offensiver Mittelfeldspieler. Ein Vorteil der defensiveren Variante liegt für mich auch darin, dass ich das Spiel vor mir habe, weil ich, denke ich, schon gut organisieren kann und eine gute Übersicht habe. Es haben also beide Positionen ihre Vorteile.

Hatte die zukünftige Position auch etwas mit Ihrem Entschluss zu bleiben zu tun? Es hieß, Sie hätten vor der Vertragsverlängerung intensive Gespräche mit Edmund Becker geführt.

Nein, das hat keine so starke Rolle gespielt. Der Trainer kennt mich, er kennt meine Stärken, er weiß, dass ich über Standards gefährlich bin, einen guten Abschluss habe. Im Grunde haben wir uns da nur bestätigt, dass es für mich eben wichtig ist, dass ich die Freistöße schießen kann, meine Stärken zeigen kann und damit die Mannschaft auch weiterbringe. Aber das sind Sachen, die mussten wir gar nicht groß ansprechen, weil Ede Becker das genauso sieht. Von daher war die Position kein großes Thema

Eigentlich hatte man im Fall des KSC eher einen spannenden Abstiegskampf erwartet. Und jetzt das: Der KSC im gesicherten Mittelfeld. Ganz schön langweilig, oder?

Nein, langweilig ist es nie. Bundesliga spielen, das kann nicht jeder, das macht immer Spaß. Deutschland hat eine Liga mit sehr vielen Zuschauern, wir spielen immer in vollen Stadien, schon alleine deswegen kann es nie langweilig werden. Gut, wir können nicht mehr absteigen, aber es sind noch genug Spiele, und ich bin der Meinung, dass man sich immer nach oben orientieren muss und das werden wir. Wir wollen gewinnen und deshalb haben wir auch noch schöne Spiele vor uns. Wir spielen sehr unbekümmert, mit Spaß und Freude, und wenn wir das beibehalten, dann werden wir noch viele Punkte holen. Und dann schauen wir mal, wo wir am Ende stehen.

Ist die Bundesliga gar nicht so schwer, wie Sie vor der Saison gedacht hatten?

Doch, man darf nie leichtsinnig sein. Ich finde aber, dass die Mannschaften in der Bundesliga gar nicht so weit auseinander sind, da gibt’s keine großen Unterschiede. Sicherlich gibt es ein paar Topklubs, Bayern München und dann drei, vier, fünf, die dahinter kommen, aber der Rest ist sehr ausgeglichen. Da muss man sich einfach auf jedes einzelne Spiel konzentrieren. Wenn, wie bei uns in Bielefeld, ein paar Prozent fehlen, dann verlierst du die Partie. Das Niveau der Bundesliga ist gut, aber ausgeglichen.

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