Massimilian Porcello im Interview

„Der Ball flooooooooog“

Massimilian Porcello vom KSC erzielte mit einem 45-Meter-Hammer gegen Hansa Rostock eines der schönsten Tore des vergangenen Jahres. Hier verrät er, wie es sich anfühlte, als der Ball ins Netz klatschte. Imago
Heft #62 01 / 2007
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Herr Porcello, sind Sie ein Pferd?

(lacht) Ich glaube schon! Mein ehemaliger Trainer Hermann Gerland hat gesagt: „Du hast einen Schuss wie ein Pferd.“ Mir wurde immer gesagt, ich solle aus allen Lagen schießen, voll draufhauen. Und momentan klappt es auch sehr gut.

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Der Kommentator des Spiels gegen Rostock rief: „Er nimmt ihn einfach. Und wie! Und wie! Und wie!“ Ja, wie denn eigentlich?

Ich variiere meine Technik. Mein Vorteil ist, dass ich beidfüssig bin. Ich habe jetzt fünf Weitschusstore in dieser Saison gemacht – mal rechts, mal links, mal geschlenzt, mal hart geschlenzt oder mit absolutem Risiko draufgehalten. Der Ball braucht ein gewisses Tempo. Sonst fängt er nicht an zu flattern. Aber das Entscheidende ist die Schusstechnik, die Fußhaltung. Wenn man den Ball nicht am richtigen Punkt trifft, geht er zur Eckfahne oder drei Meter übers Tor. Gegen Rostock habe ich ihn wirklich optimal getroffen. Das habe ich sofort gespürt.

Das muss ja ein herrliches Gefühl sein, wenn ein solcher Ball ins Netz klatscht.

Es war überragend! Ich hatte den Frontalblick, der Ball floooooog, behielt die Höhe, fing an zu flattern, und als ich sah, dass der Schober nicht mehr rankommt, dachte ich: „Das ist ja unglaublich! Der geht rein!“ Ich bin dann zu Bank gerannt und habe gerufen: „Habt ihr das gesehen? Habt ihr das gesehen?“ Es war... Es war... Also, es war unglaublich!

Das Tor des Jahres?

Ich möchte der Wahl nicht vorgreifen. Aber es war ein großartiger Schuss! Ich bin stolz auf das Tor. Niemand hat damit gerechnet, dass ich von dort schießen würde. Ich habe erst geschaut, es hat sich aber niemand angeboten. Ein Querpass war mir zu blöd. Ich hatte den nötigen Mut, habe Anlauf genommen. Die Rostocker haben keine Mauer gestellt und...

Ist das nicht fahrlässig? Ihre Schusskraft müsste doch inzwischen jedem bekannt sein.

Oliver Kahn hat mal gesagt, dass man auf diese Entfernung keine Mauer stellt, damit der Torwart eine freie Sicht hat. Na gut, Schober hatte eine freie Sicht, aber in dem Fall hatte er einfach keine Chance.

Klaus Augenthaler, der auch sehr schussgewaltig war, meint, dass es zunehmend schwieriger wird, Tore aus einer großen Distanz zu erzielen. Ein Spieler habe immer weniger Zeit, den Ball zu kontrollieren.

In diesem Fall war es ja ein ruhender Ball. Aber ansonsten hat der Klaus Augenthaler natürlich Recht. Man braucht Nervenstärke – und die Rückendeckung der Mannschaft und des Trainers. Edmund Becker sagt immer: „Du kannst es, dann versuch es auch! Wenn der Ball in die Wolken geht, probierst du es beim nächsten Mal wieder.“ Das gibt mir Selbstbewusstsein.

Der Kommentator mutmaßte, demnächst würden Sie es per Abstoß versuchen. Ab welcher Distanz winken Sie eigentlich ab?

Sicherlich kann man einen Torwart überraschen, wenn er zu weit vor seinem Kasten steht. Aber vom eigenen Fünfer ist es dann doch ein wenig zu weit, außerdem ist er bei einer Standardsituation ja vorbereitet. In der A-Jugend beim FC Gütersloh habe ich es trotzdem mal versucht. Der Torwart ist aber gerade noch drangekommen. Schade!

Ihre Eltern müssen ja einen riesigen Garten haben. Wie haben Sie als Kind Ihren Schuss trainiert?

Ich habe mir einen Kumpel gesucht und aus allen Lagen draufgehalten. Oft habe ich auch allein trainiert und versucht, den Ball einfach nur in den Winkel zu schießen. Ich trainiere auch heute noch exzessiv, schnappe mir unseren Ersatztorhüter und haue ihm die Bälle drauf. Manchmal übertreibe ich es aber und vergesse, mich zu regenerieren. Beim Spiel gegen Köln war das der Fall. Ich hatte vom vielen Schusstraining schwere Beine und kam nicht aus dem Quark. Dann sagt der Trainer schon mal: „Lass gut sein jetzt!“

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