Martin Sonneborn im Interview

Als Olaidotter auf die Fresse flog

Im aktuellen 11FREUNDE-Heft präsentieren wir die 100 größten Spiele aller Zeiten. Dem Satiriker Martin Sonneborn jedoch fehlt in der Liste jedoch so Einiges.
Heft #63 02 / 2007
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63

Martin Sonneborn, die Titanic-Redaktion sitzt in Frankfurt. Gibt es Ihrer Meinung nach ein schöneres Hassduell als die Eintracht gegen Offenbach?

Das kann ich nicht sagen, ich bin in 11 Jahren in Frankfurt nur einmal im Stadion gewesen. Eintracht Frankfurt ist wohl die Mannschaft, die am besten brutal langweilig aufspielen kann.

Was macht für Sie ein großartiges Spiel aus?

Eine ganz simple Rechnung: Spannung, Tore, Kopfstöße.

Sind Sie eher ein Vereinsanhänger oder Nationalhymnensänger?

Vereinsanhänger, ich singe nie. Sie werden es hassen, aber schon meine Oma war Bayern-Fan...

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Welches ist für Sie das größte Spiel aller Zeiten?

Alle Spiele des VfL Osnabrück, in denen das Sturmduo Horst Feilzer und Detlef Olaidotter mitgespielt hat. Feilzer war in den frühen 80er Jahren für Zweitligaverhältnisse ein brillanter Stürmer; und Olaidotter habe ich nie im Leben bewusst ein Tor schießen sehen. Aber er hat es immer wieder versucht und sich wirklich bemüht. Dann hat er eines Tages das Tor des Jahrhunderts geschossen: Bei einem miserabel getimten Flugkopfball flog er unter dem Ball her und beförderte ihn aus Versehen, parallel zum Boden schwebend, mit seinem angewinkelten linken Bein bzw. der Hacke ins Tor, bevor er staunend auf die Fresse flog. Leider war gerade keine Kamera auf ihn gerichtet, sonst wäre sein Leben wohl anders verlaufen.

Sie waren also leidenschaftlicher Stadiongänger an der Bremer Brücke.

Im Hexenkessel Bremer Brücke, der dann mehrfach peinlichst umgetauft wurde. Ich habe nach der zweiten Namensänderung nicht mehr mitgezogen. Ich gehe erst wieder hin, wenn man alle unsinnigen Varianten durch hat und das Stadion nach mir heißt. Oder zumindest nach Charles Dempsey.

Charles Dempsey war der FIFA-Abgesandte, der sich nach Ihrem Bestechungsfax im Jahr 2000 seiner Stimme für den Südafrikanischen Verband enthielt – der Zuschlag für die WM 2006 wurde Deutschland erteilt, der Rest ist Geschichte. Allerdings kann man befürchten, dass der DFB solch revolutionäre Aktionen nicht entsprechend honoriert.

Eins sage ich Ihnen ganz deutlich: Sobald wir mit der PARTEI an der Macht sind in Deutschland, kümmert sich der DFB um Curling oder so einen Scheiß.

Welches Fußballwunder, außer der Entmachtung des DFB, möchten Sie noch erleben?

Dass Bayern die Champions League gewinnt. Aber das werde ich nicht mehr erleben, ich bin schon 41. Was mir viel Freude bereitet ist übrigens, dass der Vatikan gerade eine eigene Fußball-Liga einführt. Stellen Sie sich mal vor: Demnächst machen randalierende Kardinals-Horden die Champions League-Städte unsicher...

...und an den Mauern des Vatikans steht: "An Gott kommt keiner vorbei – außer Kardinal 'Linksaußen' Lehmann"?

Nein, wenn man der nächsten "Titanic" Glauben schenken darf, steht da: "Jeder Gegner wird gefickt - von unserm Knipser Benedikt! (der Sechzehnte!)"

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Martin Sonneborn war von 2000 bis 2005 Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic" und ist heute mitverantwortlich für die Rubrik "SPAM" auf spiegel.de. Im Jahre 2000 brachte er mit Bestechungsfaxen an die FIFA die WM nach Deutschland, und bekannte: "Ich tat es für mein Land." 

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