14.11.2011

Martin Pieckenhagen über deutsch-holländische Rivalität

»Wir lernen voneinander«

Martin Pieckenhagen spielte fünf Jahre für Heracles Almelo in der holländischen Ehrendivision. Im Interview spricht der langjährige Bundesliga-Keeper über die Rivalität zwischen Deutschland und Holland und über seine Zeit im niedlichen Almelo.

Interview: Erik Peter Bild: Imago
Martin Pieckenhagen, Sie haben zwischen 2005 und 2010 fünf Jahre lang für Almelo in der holländischen Ehrendivison gespielt. Sie müssen es doch wissen: Welche Rolle spielt bei den Holländern die Rivalität mit den Deutschen?

Martin Pieckenhagen: Es hängt viel davon ab, wie weit westlich man im Land ist. Je weiter man von der deutschen Grenze weg ist, um so größer wird diese Rivalität und die Antipathie gegen die Deutschen. Almelo, der Verein bei dem ich gespielt habe, liegt im Osten und wenn wir beispielsweise nach Rotterdam fuhren, wurde das schon etwas extremer. Nicht, dass ich schlimme Erfahrungen gemacht hätte, aber es war ein anderes Gefühl.



Ist die Niederlage im WM-Finale 1974 immer noch ein Thema?

Martin Pieckenhagen: Bei der heutigen Spieler-Generation spielt das 74er-Endspiel keine Rolle mehr. Aber in den Fangruppen werden die alten Klischees gepflegt. Da wird die Spuck-Attacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler aus dem legendären Achtelfinale bei der WM 1990 immer wieder gerne gezeigt.

Auch Ronald Koeman, wie er sich nach dem Halbfinale bei der EM 1988 mit Olaf Thons Trikot demonstrativ den Hintern abwischte?

Martin Pieckenhagen: Das sind eben so kleine Neckereien, die den Fußball auch ausmachen. Da wird die Normalität eben mal durchbrochen, das ist doch das Schöne am Fußball.

Gehört das also dazu?

Martin Pieckenhagen: In einem gewissen Rahmen, ja. Anspucken geht natürlich nicht. Aber Koemans Aktion fand ich jetzt nicht so tragisch.

Welchen Klischees begegnet man noch?

Martin Pieckenhagen: Die Deutschen haben das Image, dass sie nie aufgeben und man gegen sie selbst nach 90 Minuten und einer 2:0-Führung noch nicht gewonnen hat, weil sie bis zum Schlusspfiff weiter kämpfen. Umgekehrt sagt man natürlich, dass die Holländer zwar schön spielen aber nie erfolgreich sind und gegen die Deutschen immer verlieren. Wir haben uns schon immer gerne gegenseitig auf die Schippe genommen.

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