23.07.2012

Martin Kree, der Mann mit dem härtesten Schuss der Liga

»Mein Image hat mich genervt«

Martin Kree wurde als Spieler mitunter unterschätzt, war aber enorm erfolgreich. Und als einer der wenigen Ex-Profis hat er auch außerhalb des Fußballs Karriere gemacht. Wir unterhielten uns mit dem neuen Aufsichtsratsmitglied des VfL Bochum über Parallelen zu Felipe Santana, die Herausforderung Dragoslav Stepanovic und den härtesten Schuss der Bundesliga.

Interview: Kai Griepenkerl Bild: Imago

Martin Kree, wie fühlt man sich als der Mann mit der härtesten Klebe der Bundesliga-Geschichte?
Das ist bis heute noch mein Steckenpferd. Wenn ich irgendwo hinkomme, werde ich meistens darauf und auf den Champions-League-Sieg angesprochen. Eine zeitlang hat es mich ein bisschen genervt, dass ich nur darauf reduziert wurde.

Warum genau?
Ich hatte auch ein gutes Zweikampfverhalten, habe sehr viele Spiele gemacht und nie eine Rote Karte gesehen. Damals war es mir ein bisschen wenig, heute ist das mein Markenzeichen. So etwas würden sich viele ehemalige Spieler wünschen.

Wie wurden Sie zum Mann mit dem härtesten Schuss?
Die »Bild«-Zeitung hatte mich gebeten, ob wir nicht mal an der Deutschen Sporthochschule in Köln meine Schussgeschwindigkeit messen könnten. Wenig später hat die RTL-Sendung »Anpfiff« dann die Werte von allen Bundesligaspielern gemessen. Ich hatte mit großem Abstand den härtesten Schuss. Damals ist nicht so viel daraus gemacht worden. Heute würde man wahrscheinlich fünf Sponsoring-Verträge bekommen.

Sie wechselten stattdessen wenig später von Bochum nach Leverkusen.
Ich bin dem VfL heute noch dankbar, dass ich dort die ersten Schritte in der Bundesliga machen durfte. Aber 15 Jahre unabsteigbar zu sein wären mir nicht genug gewesen. Ich wollte diese Sportart betreiben, um am Ende auch wirklich etwas Zählbares zu haben. Darum bin ich nach Leverkusen gegangen, um zumindest mal im Europapokal spielen zu können.

Wie sind Sie später mit 29 Jahren noch bei Borussia Dortmund gelandet?
Es war eine glückliche Fügung, dass ich mit Leverkusens Trainer Dragoslav Stepanovic eine private Herausforderung hatte. Er war bekannt dafür, dass er sich bei seinen neuen Vereinen ein, zwei Spieler herausgepickt hat, um Exempel zu statuieren. Damit wollte er zeigen, dass er hart durchgreift. Also hat er sich überlegt, dass es nicht gehen würde, dass ich in Bochum wohne. Dabei bin ich in den vier Jahren zuvor nie zu spät gekommen. Heute fliegen die Spieler ja sogar mit dem Hubschrauber zum Training.

Wie ging es weiter?
Ich hatte keine Lust, mit jemandem zu arbeiten, der mich nicht mag. Ich wollte weg und bin zum besten Zeitpunkt zum BVB gekommen, den man sich vorstellen kann. Direkt im ersten Jahr bin ich Deutscher Meister geworden, im zweiten wieder und im dritten Champions-League-Sieger. Jedes Jahr vor 500.000 Menschen durch die Stadt zu fahren, ist schon ein Highlight.

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