10.05.2008

Martin Hiden im Interview

»Ein kleiner Beitrag, der lohnt«

Martin Hiden ist der erste Fußballprofi, der aktiv zum Freiwilligen Klimaschutz beiträgt. Der österreichische Nationalspieler wird in Zukunft die CO2-Emissionen seines täglichen Lebens durch Spenden in Klimaschutzprojekte ausgleichen.

Interview: Gereon Detmer Bild: Imago
Martin Hiden im Interview
Herr Hiden, Sie sind der erste klimaneutrale Profi-Fußballer der Welt. Wie sind zu der Ehre gekommen?

Die Klimaschutz-Agentur »Climate Partner« ist an mich herangetreten, und hat mich über die Aktion informiert. Klimaschutz und -wandel sind Themen, mit denen man heutzutage fast täglich konfrontiert wird. Ich habe den Entschluss gefasst, mich dafür einzusetzen. Es ist nur ein kleiner Beitrag. Aber wenn ich den ein oder anderen zum Mitmachen animieren kann, hat sich die Sache schon gelohnt.



Können Sie die Aktion mal erklären?

Zunächst wurde mein persönlicher »CO2-Fußabdruck« ermittelt, indem meine komplette CO2-Emission berechnet wurde. Das umfasst Haushalt, Autofahrten, Flüge et cetera. In einem bestimmten Verfahren wird mein Fußabdruck umgerechnet. Ich bezahle dann den Gegenwert aus meiner eigenen Tasche. Das Geld fließt in österreichische und internationale Projekte, die sich mit Klimaschutz befassen. Ich selber habe so auch die Möglichkeit zu privaten Einsparmöglichkeiten, etwa Umstellung auf Ökostrom oder bei kleineren Strecken Verzicht auf das Auto. Das sind alles kleine Sachen, die dennoch ihre Wirkung haben.

Wie hoch ist denn Ihr »Fußabdruck«?

Der liegt bei 25 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist schon eine ganze Menge. Aber als Fußballer ist man eben viel unterwegs.

Und warum wurden ausgerechnet Sie angesprochen?

Ich denke, wir Fußballer haben eine gewisse Vorbildfunktion. Gerade auch für jüngere Spieler. Und vielleicht schaffe ich so nicht nur den ein oder anderen Mitspieler für die Aktion zu begeistern, sondern durch meine Präsenz in der Öffentlichkeit auch normale Bürger zu mehr Engagement anzuregen. Jeder einzelne sollte sich Gedanken machen, was er für den Klimaschutz machen kann.

Wie haben die Mannschaftskameraden reagiert?

Im Kreis der Spieler war es kein großes Thema. Aber registriert wurde es schon. Mit dem ein oder anderen habe ich mich darüber ausgetauscht. Ich hoffe, dass es bei der EURO noch mehr zur Sprache kommen wird. Wichtig ist, dass ich hinter der Sache stehe.

Sie haben von Umweltminister Josef Pröll den »Grünen Ball« (Anm.: Der grüne Ball wird für besondere Leistungen im Umweltbereich im Zusammenhang mit der Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes zur EURO 2008 vergeben) für ihr Engagement überreicht bekommen. Gab es schon weitere Reaktionen?

Die Aktion wurde natürlich von der Presse begleitet. Die Sache steckt aber noch in den Kinderschuhen. Da ist es als Einzelner immer schwer, von jetzt auf gleich große Aufmerksamkeit zu erregen. Von daher war das bis jetzt schon ganz ordentlich. Ich hoffe, wie gesagt, dass es bei der EURO, auch durch weitere Aktionen von Climate Partner, noch mehr Aufmerksamkeit erregen wird.

Das Ziel von Pröll ist es 40.000 Tonnen CO2-Emission, die während der EM anfallen, zu kompensieren und damit ein klimaneutrales Turnier zu schaffen. Populismus oder ein realisierbares Vorhaben?

Als Laie habe ich wenig Einblick in dieses Projekt. Keine Ahnung, mit welchen Verfahren dort gearbeitet wird. Aber wenn das Vorhaben gelingen würde, wäre das doch eine super Sache.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden