Martin Hiden im Interview

»Ein kleiner Beitrag, der lohnt«

Martin Hiden ist der erste Fußballprofi, der aktiv zum Freiwilligen Klimaschutz beiträgt. Der österreichische Nationalspieler wird in Zukunft die CO2-Emissionen seines täglichen Lebens durch Spenden in Klimaschutzprojekte ausgleichen. Martin Hiden im InterviewImago

Herr Hiden, Sie sind der erste klimaneutrale Profi-Fußballer der Welt. Wie sind zu der Ehre gekommen?

Die Klimaschutz-Agentur »Climate Partner« ist an mich herangetreten, und hat mich über die Aktion informiert. Klimaschutz und -wandel sind Themen, mit denen man heutzutage fast täglich konfrontiert wird. Ich habe den Entschluss gefasst, mich dafür einzusetzen. Es ist nur ein kleiner Beitrag. Aber wenn ich den ein oder anderen zum Mitmachen animieren kann, hat sich die Sache schon gelohnt.

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Können Sie die Aktion mal erklären?

Zunächst wurde mein persönlicher »CO2-Fußabdruck« ermittelt, indem meine komplette CO2-Emission berechnet wurde. Das umfasst Haushalt, Autofahrten, Flüge et cetera. In einem bestimmten Verfahren wird mein Fußabdruck umgerechnet. Ich bezahle dann den Gegenwert aus meiner eigenen Tasche. Das Geld fließt in österreichische und internationale Projekte, die sich mit Klimaschutz befassen. Ich selber habe so auch die Möglichkeit zu privaten Einsparmöglichkeiten, etwa Umstellung auf Ökostrom oder bei kleineren Strecken Verzicht auf das Auto. Das sind alles kleine Sachen, die dennoch ihre Wirkung haben.

Wie hoch ist denn Ihr »Fußabdruck«?

Der liegt bei 25 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist schon eine ganze Menge. Aber als Fußballer ist man eben viel unterwegs.

Und warum wurden ausgerechnet Sie angesprochen?

Ich denke, wir Fußballer haben eine gewisse Vorbildfunktion. Gerade auch für jüngere Spieler. Und vielleicht schaffe ich so nicht nur den ein oder anderen Mitspieler für die Aktion zu begeistern, sondern durch meine Präsenz in der Öffentlichkeit auch normale Bürger zu mehr Engagement anzuregen. Jeder einzelne sollte sich Gedanken machen, was er für den Klimaschutz machen kann.

Wie haben die Mannschaftskameraden reagiert?

Im Kreis der Spieler war es kein großes Thema. Aber registriert wurde es schon. Mit dem ein oder anderen habe ich mich darüber ausgetauscht. Ich hoffe, dass es bei der EURO noch mehr zur Sprache kommen wird. Wichtig ist, dass ich hinter der Sache stehe.

Sie haben von Umweltminister Josef Pröll den »Grünen Ball« (Anm.: Der grüne Ball wird für besondere Leistungen im Umweltbereich im Zusammenhang mit der Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes zur EURO 2008 vergeben) für ihr Engagement überreicht bekommen. Gab es schon weitere Reaktionen?

Die Aktion wurde natürlich von der Presse begleitet. Die Sache steckt aber noch in den Kinderschuhen. Da ist es als Einzelner immer schwer, von jetzt auf gleich große Aufmerksamkeit zu erregen. Von daher war das bis jetzt schon ganz ordentlich. Ich hoffe, wie gesagt, dass es bei der EURO, auch durch weitere Aktionen von Climate Partner, noch mehr Aufmerksamkeit erregen wird.

Das Ziel von Pröll ist es 40.000 Tonnen CO2-Emission, die während der EM anfallen, zu kompensieren und damit ein klimaneutrales Turnier zu schaffen. Populismus oder ein realisierbares Vorhaben?

Als Laie habe ich wenig Einblick in dieses Projekt. Keine Ahnung, mit welchen Verfahren dort gearbeitet wird. Aber wenn das Vorhaben gelingen würde, wäre das doch eine super Sache.

Was können Fußballer unternehmen, um die Umwelt zu schonen?

Da ist die Allgemeinheit gefragt, nicht nur wir Fußballer. Gerade im privaten Bereich gibt es viele Einsparmöglichkeiten. Als Fußballprofi ist man viel unterwegs, auch über größere Distanzen. Da kann man nur schwer einsparen. Im privaten Bereich sieht es anders aus.

Glauben Sie, dass Fußball-Profis mit ihrer Popularität mehr Engagement bei gesellschaftlichen Problemen zeigen sollten?

Das hängt von jedem Spieler persönlich ab, wie sehr er sich engagieren will. Da kann ich mich jetzt nicht hinstellen, und sagen: Das ist ein Muss. Natürlich ist es vorteilhaft, wenn Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, ihre Popularität nutzen. Aber wie weit dieses Engagement geht, muss jeder selber wissen.

Haben Sie schon immer so umweltbewusst gelebt?

Ehrlich gesagt: Nein. Im Haushalt habe ich manchmal geschaut, wo ich sparen könnte. Aber wirklich bewusst danach gelebt habe ich nicht. Jetzt versuche ich aber einiges umzustellen.

Kommen wir zum Fußball. Die Europameisterschaft steht kurz bevor. Im Freundschaftsspiel gegen Deutschland waren sie nur auf Abruf dabei. Momentan stehen Sie im erweiterten 31er Kader, aus dem noch acht Spieler gestrichen werden. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, beim Turnier dabei zu sein?

Die EURO im eigenen Land ist nicht nur für uns Spieler ein absolutes Topereignis. Ich werde alles dafür tun, um zum 23-Köpfigen Kader zu gehören. In dieser Hinsicht bin ich zuversichtlich und gehe davon aus, dass ich bei der EURO mitwirken darf.

Wie sieht denn Ihr persönlicher Fahrplan bis zum ersten Spiel am 8. Juni gegen Kroatien aus?

Wir treffen uns heute (8.5.2008) mit der Nationalmannschaft und sind bis Turnierbeginn in diversen Camps untergebracht. Jetzt beginnt bei uns die intensive Vorbereitung auf das Turnier. Viele freie Tage wird es sicher nicht mehr geben bis Anfang Juni, aber für dieses Ereignis nimmt man das gerne in Kauf.

Was kann die österreichische Mannschaft bei der EM erreichen?

Wir wissen, dass wir krasser Außenseiter sind. Aber wir wissen auch, was wir können. Und man hat schon oft genug gesehen, dass der Außenseiter für positive Schlagzeilen gesorgt hat. Das ist auch unser Ziel.

Was in der Mannschaft steckt, hat man in der ersten Halbzeit gegen Deutschland gesehen.

Wie gesagt, wir wissen was wir können. Was dabei heraus kommt, wird sich in den drei Spielen herausstellen. Aber wir haben Potenzial, mit der Heimeuphorie und dem ganzen Drumherum. Man hat es vor zwei Jahren bei den Deutschen gesehen. Die standen vor der WM im eigenen Land sicher nicht so stark in der Kritik wie wir jetzt. Als Favoriten galten sie trotzdem nicht. Am Ende wurden sie Dritter und alle waren begeistert. Wir versuchen jetzt unser eigenes, kleineres Sommermärchen zu verwirklichen.

Ist das Spiel gegen den großen Nachbarn Deutschland das Highlight für Österreich?

Das Verhältnis zwischen Österreich und Deutschland macht das Spiel für beide Seiten zu einem kleinen Highlight. Die Rivalität ist da. Wenn wir dem großen Deutschland ein Bein stellen können, umso schöner. Rein rechnerisch sind die anderen beiden Spiele aber genauso wichtig.

Wenn es gelingen würde, wäre das ein zweites Cordoba.

Das wäre dann ein Vienna, kein Cordoba (lacht). Aber das muss man auch mal ad acta legen. Jetzt zählt die EURO, und nicht was einmal war.

Gibt es eine spezielle Taktik, mit der Österreich agieren wird?

Wenn wir eine haben, werde ich Sie Ihnen bestimmt nicht verraten (lacht).

Schade.

(lacht sich schlapp).

Was erwarten die Österreicher von ihrem Team?


Man spürt es förmlich, wie die Euphorie langsam steigt. Das ganze Land befasst sich intensiv mit der EURO. Unsere Fans wollen einfach eine Mannschaft sehen, die alles gibt, was in ihr steckt. Eine Mannschaft, die mit Herz dabei ist. Wenn wir das rüberbringen können, werden wir mit den Fans zusammen das erreichen, was wir uns vorstellen und eine super Euro spielen.

Wer wird denn Europameister?


Ich kann nur sagen, dass Österreich Europameister wird.

Davon sind Sie ernsthaft überzeugt?


Ich möchte dieses Turnier gewinnen. Auch wenn jetzt viele wieder sagen werden, der spinnt doch. Wenn ich bei einem solchen Ereignis dabei bin, will ich auch das Bestmögliche herausholen. Und das wäre, so schlimm das auch für andere klingen mag, der Titel für Österreich.

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