Martin Fenin im Interview

»Hätte ich vorbei schießen sollen?«

Das muss ihm erst mal einer nachmachen: Mit drei Toren feierte Martin Fenin seinen Einstand in Frankfurt. Hier erzählt er uns vom Rummel danach, von seinen Hoffnungen auf die EM mit Tschechien – und Kopfballduellen mit Jan Koller. Imago

Herr Fenin, dieser Hattrick gegen Hertha – war das der Moment, von dem Sie früher in Ihrem Kinderzimmer geträumt haben?

Nein, da habe ich bestimmt nicht von einem 3:0-Sieg von Eintracht Frankfurt bei Hertha BSC Berlin geträumt. Aber mein Einstand in der Bundesliga war wirklich ein Traum. Leider haben wir nach unseren beiden Auftaktsiegen in Rostock verloren – und diese Niederlage war absolut unnötig.

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Glückwunsch zum tollen Einstand. Aber wäre eine etwas stillere Ankunft nicht besser gewesen, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen?

Hätte ich etwa absichtlich vorbeischießen sollen? Nein, das war schon in Ordnung. Was nach diesem Spiel auf mich hereingebrochen ist, hat mir ja auch dabei geholfen, mich schnell hier zurechtzufinden und zu sehen, welchen Stellenwert die Fußball-Bundesliga national wie international hat.

Sie gelten als Spaßvogel, täuschten einst mit Kunstblut eine Verletzung vor. Ist das ein Weg, um mit dem Druck umgehen zu können?

Ich verspüre keinen Druck, denn Fußball macht mir einfach nur Spaß. Aber ein wenig Spaß am Arbeitsplatz kann doch nie schaden – das passiert in Ihrer Redaktion bestimmt auch ab und zu, oder?

Was tut Friedhelm Funkel, damit Sie nicht abheben?

Das bleibt intern. Was wir untereinander besprechen dringt in Frankfurt nicht nach außen. Wir wissen genau, dass die Bäume für uns nicht in den Himmel wachsen, und sind in Rostock schnell auf den Boden der Realität gelandet. In unserer Mannschaft hebt bestimmt niemand ab. Ich nicht – und andere auch nicht.

Was sprach eigentlich für Frankfurt als Ihre erste Auslandsstation?

Der Verein hat Tradition, ist auf dem Weg nach oben, hat ein tolles Stadion, super Fans und ein sehr professionelles Management. Dazu kommt, dass Frankfurt in Deutschland schon eine der großen und wichtigsten Metropolen ist und international einen sehr guten Klang hat. Ich wollte immer in die Bundesliga und freue mich, dass es geklappt hat. Außerdem hat man sich bei der Eintracht sehr um mich bemüht.

Haben Sie zuvor bei Ihren Landsleuten, die in der Bundesliga spielen, Rat gesucht?

Miroslav Kadlec, mein Berater, hat mir sehr viel Gutes über Frankfurt und über die Bundesliga erzählt. Und da ich die Bundesliga auch in Tschechien regelmäßig verfolgen konnte, wusste ich, was hier bei Eintracht Frankfurt los ist.

Wo liegen in sportlicher Hinsicht die Unterschiede zwischen der tschechischen und der deutschen Liga?

Die modernen Stadien und die Zuschauerzahlen in der Bundesliga sind natürlich nicht vergleichbar mit meiner Heimat. Vom Fußballerischen her gibt es kaum Unterschiede.

Haben Sie sich die Eintracht als Sprungbrett zum nächst größeren Verein ausgesucht?

Ich habe hier für viereinhalb Jahre unterschrieben und konzentriere mich ausschließlich auf meine Aufgabe hier. Ich habe mich an Eintracht Frankfurt gebunden, um dabei mitzuhelfen, diesen Klub noch weiter nach oben zu bringen. Außerdem muss ich meine Leistungen in der Bundesliga erst mal bringen und beweisen, dass ich hier bestehen kann. Nach zwei guten Spielen kann man mit Sicherheit nicht von Konstanz reden.

Rein spekulativ: Was wäre denn Ihr Traumverein? Vielleicht an der Seite Ihres Landsmanns Tomas Rosicky beim FC Arsenal London?

Mein Traumverein ist die tschechische Nationalmannschaft. Ich hoffe sehr, dass ich bei der Euro dabei sein darf, und wünsche mir dann, dass wir ein starkes Turnier spielen.

Wie kommt es, dass das vergleichsweise kleine Tschechien immer wieder solche Klasse-Fußballer hervorbringt?


Gegenfrage: Wie kommt es, dass die Niederlande immer wieder hervorragende Fußballer hervorbringen? Ich weiß darauf keine Antwort – außer, dass der Fußball in Tschechien eine sehr beliebte Sportart ist und wir alle fußballverrückt sind.

Wie weit werden Sie mit der Nationalmannschaft bei der EM kommen?

Das kann ich nicht beantworten, denn die EM-Endrunde ist sehr stark besetzt. Jedes Team hat reale Chancen, bis ins Finale vorzustoßen. Wir müssen zunächst die Gruppenphase überstehen, dann ist alles möglich.

Hand aufs Herz, Herr Fenin: Gegen Jan Koller gehen Sie nicht zum Kopfball hoch – oder etwa doch?

Ich gehe gegen jeden zum Kopfball hoch, wenn es sein muss – auch gegen meinen Teamkollegen Sotirios Kyrgiakos (lacht).


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