Martin Dahlin über Schwedens Nationalelf

»Wir haben nur einen Topstar«

Heute kickt Schweden gegen Deutschland. Mit Martin Dahlin, dem Gladbacher und Hamburger Ex-Profi und heutigen Spielerberater, sprachen wir über fehlende Qualität im schwedischen Fußball und Zlatan Ibrahimovic. Martin Dahlin über Schwedens Nationalelf

Martin Dahlin, erinnern Sie sich noch an ein Länderspiel gegen Deutschland?

Natürlich, das war 1992. Wir spielten im Halbfinale bei der Europameisterschaft gegeneinander. Leider haben wir damals verloren.

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Sind Sie noch traurig?

Nein, aber ich denke häufig daran. Wir hatten damals eine junge Mannschaft und haben eine sehr gute Europameisterschaft gespielt. In den Gruppenspielen haben wir sogar Dänemark besiegt. Wir waren also das einzige Team, dass gegen den späteren Europameister gewonnen hat!

Deutschland wird heute ohne Spieler wie Mesut Özil oder Bastian Schweinsteiger spielen und auf ein schwedisches Team treffen, das sich nach der verpassten WM-Oualifikation neu formiert. Was erwarten Sie von dieser Partie?

Schweden hat einen Generationenwechsel vollzogen. Wir versuchen eine neue Mannschaft aufzubauen, die sich allerdings noch einspielen muss. Ich glaube übrigens, dass Schweden auch nicht mit seiner besten Mannschaft spielen wird. Zlatan Ibrahimovic oder Behrang Safari (spielt beim FC Basel, d. Red.) werden bestimmt nicht auflaufen.

Das hört sich nach einem interessanten Spiel an.

Auch wenn die großen Namen fehlen, machen solche Partien wirklich Sinn. Es ist eine Möglichkeit für junge Spieler Erfahrungen zu sammeln und ihr Können zu zeigen.

Sie selber waren Teil einer sehr erfolgreichen schwedischen Nationalmannschaft. 1992 erreichten Sie das Halbfinale bei der EM und 1994 wurden Sie bei der WM in den USA Dritter. Was fehlt dem heutigen schwedischen Team, um solche Erfolge zu feiern?

Seit 1991 bestand das Team fast aus den gleichen Leuten. Zudem spielten damals viele Nationalspieler in einem Verein (Malmö FF, d. Red.). Wir waren also sehr eingespielt, kannten uns und harmonierten wunderbar. Heute ist das anders. Wir haben nur einen Topstar: Zlatan Ibrahimovic. Dazu kommen viele junge Spieler, die sich aber noch entwickeln müssen. Schweden hat nicht genug gute und gestandene Spieler.

Ein Topstar kann herausragende Leistungen bringen, aber auch das Mannschaftsgefühl stören. Ist Zlatan Ibrahimovic Fluch oder Segen für das Team?

Das ist schwer zu sagen. Ich saß nie mit ihm in der Kabine. (lacht)

Sie sind Spielerberater – Sie müssen doch eine Meinung zu Zlatan Ibrahimovic haben.

Ich weiß, dass er sehr professionell ist und immer gewinnen will. Zlatan Ibrahimovic ist ein sehr guter Spieler. Mehr kann ich nicht sagen.

Reicht ein Star, um sich für die Europameisterschaft 2012 zu qualifizieren?

Ich glaube schon. Ibrahimovic und die jungen Spieler werden das schaffen.

Ihrem ehemaligen Klub Borussia Mönchengladbach geht es derweil ziemlich schlecht. Das Team ist Vorletzter. Verfolgen Sie eigentlich noch die Bundesliga?

Klar. Das 4:0 gegen Köln war ein wichtiger Sieg. Die Borussia wird es schaffen, da bin ich sicher. Wenn die verletzten Spieler wieder fit sind, wird die Mannschaft wieder nach oben kommen.

Mit Gladbachs Trainer Michael Frontzeck standen Sie früher gemeinsam auf dem Platz. Warum trainieren Sie noch keinen Verein?

Ich bin Spielerberater, das passt besser zu meiner Person. Es fehlt mir die Motivation, die man braucht, um als Trainer zu arbeiten. Der Job an der Linie ist sehr hart. Darauf habe ich keine Lust.

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