Martin Amedick über den FCK-Aufstieg

»Wir wollen die Schale!«

Der 1. FC Kaiserslautern ist zurück in der Ersten Bundesliga. Trotz eines Aufstiegs »in Abwesenheit« steht die Pfalz seit Sonntag Kopf. Wir erreichten FCK-Kapitän Martin Amedick inmitten der Feierlichkeiten. Martin Amedick über den FCK-Aufstieg

Martin Amedick, Gratulation zum Aufstieg! Können Sie beschreiben, was gerade in der Pfalz los ist?

Absoluter Ausnahmezustand! Wir haben hier gerade noch einmal mit den Fans gefeiert, es waren an die sechs-, siebentausend, die hier hinauf zum Stadion gekommen sind, um uns zu sehen. Und das, obwohl das Ganze heute erst spontan beschlossen wurde. Wahnsinn!

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Am Sonntag haben Sie sich mit der Mannschaft das Spiel von Augsburg in Frankfurt am Fernsehen angesehen. Wessen Idee war das?

Die Idee kam von der Truppe selbst. Wir dachten, dass es eine gute Sache wäre, auch für den Zusammenhalt... (im Hintergrund wird gesungen) Moment, ich muss mal kurz aus dem Fahrstuhl raus, weil die Jungs hier singen... (lacht)

Der Zusammenhalt scheint in der Tat sehr gut... Von außen wirkte es über die gesamte Saison so, als sei das wirklich ein sehr harmonisches Team.

Das stimmt, einer hat für den anderen gekämpft, und die, die nicht gespielt haben, haben sehr gute Trainingsarbeit abgeliefert. Das ist sehr wichtig, denn es zählen nicht nur die ersten Elf, sondern der ganze Kader.

Woran merkt man als Spieler, dass es innerhalb der Mannschaft stimmt?

Schon alleine daran, dass sich die gesamte Mannschaft am freien Tag hinsetzt, um gemeinsam das Spiel FSV Frankfurt gegen den FC Augsburg anzuschauen! Aber auch auf dem Platz macht sich das bemerkbar. Nach den Niederlagen gegen Bremen und Düsseldorf haben wir uns gegenseitig wieder aufgebaut und Mut gemacht. Wir haben dann immer sofort die richtige Antwort gegeben.

Haben Sie insgeheim gehofft, dass Augsburg in Frankfurt Federn lassen würde?


Wir wussten, dass Frankfurt unter Druck stand und schon wegen der Tabellensituation punkten musste. Aber Augsburg hat natürlich auch ein sehr gutes Format. Als das 1:0 fiel, war ich sehr skeptisch. Dass dann Cidimar ein »Tor des Jahres« auspackt, ist natürlich unglaublich! Zum Glück war die Decke im Rathaus so hoch, sonst wäre ich wohl vor Freude dagegen gesprungen...

Und nach dem Schlusspfiff knallten die Korken...?


In den letzten Minuten haben wir jede kämpferische Aktion des FSV bejubelt und richtig mitgezittert. Nach dem Abpfiff gab es dann kein Halten mehr.

Am Freitag Abend war alles schon gerichtet. 50.000 im Fritz-Walter-Stadion wollten den Aufstieg bejubeln. Daraus wurde dann nichts, Rostock gewann 1:0. Wie war die Stimmung nach dem Spiel?

Wir waren enttäuscht, ganz klar. Ich selber habe die Enttäuschung aber schnell abgehakt, weil wir trotz der Niederlage weiterhin eine tolle Ausgangssituation hatten. Wir haben zwar in der ersten Hälfte wirklich schwach gespielt, in der zweiten Halbzeit aber viel Leidenschaft gezeigt und alles versucht. Nur: Alex Walke hatte einen Riesentag im Tor von Hansa und hat zwei, drei richtig gute Dinger gehalten. Irgendwie sollte es an dem Tag nicht sein.

Ihr Trainer Marco Kurz mied bis zum Schluss das Wort »Aufstieg« wie der Teufel das Weihwasser. War das A-Wort unter den Spielern auch tabu?


Ich kann nur für mich sprechen: Als ich 2008 zum FCK gekommen bin, hatte ich einen Dreijahresplan im Kopf. Sprich: Innerhalb von drei Jahren wollte ich in die erste Liga aufsteigen. Ich hatte viel Vertrauen in Stefan Kuntz, dass er hier etwas bewegen kann – gerade als ehemaliger Spieler. Außerdem wusste ich, was er für großartige Arbeit in Bochum geleistet hat. Dass es jetzt schon nach zwei Jahren mit dem Aufstieg geklappt hat, ist eine Riesensache!

Hätten Sie das vor Beginn der Saison für möglich gehalten?


Es musste sich erst einmal alles finden. Wir hatten späte Neuzugänge wie Adam Nemec, dazu, was die Ergebnisse angeht, keine besonders gute Vorbereitung. Sehr wichtig war das Pokalspiel in Braunschweig, wo wir in Unterzahl 1:0 gewonnen haben. Von da an ging es immer weiter bergauf, die Philosophie des Trainers hat langsam gegriffen.

In der zweiten Pokalrunde schalteten Sie dann Bayer Leverkusen aus. Wurde der Mannschaft da klar: Wir können mithalten mit der Bundesliga?

Der Sieg hat uns enormes Selbstvertrauen gegeben. Es war ein Riesenspaß, vor der Superkulisse als Tabellenführer der zweiten Liga den Tabellenführer der ersten Liga zu besiegen. Bayer war vorher ja noch ungeschlagen. Diese Mannschaft in 90 Minuten verdient zu schlagen, hat uns einen riesigen Schub verpasst.

Welches Spiel in den letzten Monaten war besonders wichtig?


Direkt zu Beginn der Rückrunde verloren wir nach einem schlechten Spiel 0:3 in Fürth, danach wollte der Ball gegen Ahlen nicht ins Tor, wir spielten 0:0. Der Trailer für das folgende Montagsspiel lautete: »Der FCK in der Krise – 2010 noch kein Spiel gewonnen!« Eine Krise fängt für mich erst nach fünf, sechs Spielen an... Dennoch: Das folgende 3:0 in Aachen war wichtig, weil wir da wieder eine Serie gestartet haben.

In Bielefeld schaffte der FCK vorletzte Woche nach Rückstand noch den Sieg. Ein Schlüsselerlebnis auf dem Weg zum Aufstieg?

Auf jeden Fall, auch das Derby in Karlsruhe haben wir nach 0:1 noch 3:1 gewonnen. Auch wenn das Siegtor in Bielefeld erst in der 86. Minute fiel, war es unterm Strich verdient.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an diese Saison mit dem FCK?

Da gibt es einige. Beispielsweise die Tatsache, dass wir selbst bei einem Auswärtsspiel am Montag Abend bei Union Berlin mehr als 2.000 Fans dabei hatten, beim Derby in Karlsruhe 8.000, und in Oberhausen die ganze Kurve rot war mit Lauterern...

Der Aufstieg ist nun sicher. Was muss über den Sommer passieren, damit der FCK in der ersten Liga bleiben kann?

So weit nach vorne will ich gar nicht blicken. Jetzt wollen wir erst einmal den ersten Platz sichern. Wir brauchen dafür noch einen Sieg aus den letzten beiden Spielen. Den Fans nach dem letzten Spiel die Schale zu präsentieren, wäre das Allerschönste!

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