10.01.2007

Markus Schroth im Interview

„Ich bin kein Rastelli“

Obwohl er beim 1. FC Nürnberg zu den wichtigsten Spielern gehört, ist Markus Schroth kein Star. Doch das stört ihn längst nicht mehr. Im Gespräch mit 11freunde.de sagt er lächelnd: „Ich habe auch schon große Spiele gemacht, und keiner hat’s gemerkt.“

Interview: oliver zeyen Bild: Imago


Sie schauen aber nicht nur gerne Maradona-DVDs, sondern auch Filme wie „Volver“ von Almodovar. Gibt es in Nürnberg denn Spieler, mit denen Sie sich darüber unterhalten können?

(Überlegt lange. lacht) Ähm, ja. Es gibt schon Kollegen, mit denen ich darüber reden kann. Da aber auch viele Spieler beim Verein unter Vertrag stehen, die nicht mit der deutschen Sprache aufgewachsen sind, kann man im Gespräch natürlich nicht so in die Tiefe gehen. Die Sprache ist dann schon ein Hindernis. Leider.

Aber es gibt Gespräche, bei denen es noch in die Tiefe geht.

Sicherlich. Man hat in jeder Mannschaft zwei, drei Leute, mit denen man enger Kontakt hat und auch privat etwas unternimmt. Aber wir kommen in der Mannschaft gut miteinander klar und wir müssen ja auch nicht alle beste Freunde sein.

Würden Sie sich mit einem Fußballer à la Mario Basler überhaupt gut verstehen?

Natürlich, ich komme mit jedem Spieler klar – auf dem Feld! Ich muss mit ihm ja nicht meinen Urlaub verbringen, sondern mit ihm kicken.

Haben Sie viele Freunde außerhalb des Fußballdunstkreises?

Klar. Das ist mir auch sehr wichtig. Es tut mir auch gut, wenn ich nicht immer nur über Fußball reden muss.

Werden Sie eigentlich von ihren Kollegen ausgelacht, wenn Sie mit ihrem schwarzen Mercedes Benz S250 (Baujahr 1966) zum Training kommen?

Nein. Sie freuen sich einfach, wenn sie ihn sehen... und lachen dann auch ein bisschen. Aber die erste Frage ist immer: Wieviel PS hat dein Auto?

Wieso fahren Sie diesen alten Mercedes?

Das Auto gehörte meinem Opa. Irgendwann war es ihm zu groß und er wollte es verkaufen. Da habe ich es genommen. Ich mag es sehr, mit so einem alten Auto durch die Gegend zu fahren. Das ist ein ganz anderes Fahrgefühl, viel relaxter. Ich muss auch nicht so aufs Gas drücken, weil ich weiß, es geht eben alles ein bisschen langsamer. Wenn ich mich da reinsetze, fühle ich mich wie in einer Zeitreise.

Aber Sie haben auch noch ein anderes Auto?

Klar. Mit meinem Oldie kann man im Winter gar nicht fahren. Dann würde er zu schnell rosten.

Werkeln Sie selbst an dem Auto herum?

Nur, um es zu pflegen. Aber sobald es ans Reparieren geht, stoße ich auch an meine Grenzen.

Sie waren Ministrant und haben Abitur – ein ungewöhnlicher Lebensweg für einen Fußballer. Finden Sie es schade, dass es für viele nur zählt, schnell in eine Profimannschaft zu kommen?

Nein. Das macht den Fußball doch so interessant: Viele verschiedene Typen kommen zusammen und müssen auf dem Feld gemeinsam funktionieren. Es macht großen Spaß, ein Teil davon zu sein.

Dann ist Fußball also eine Gefühlssache?

Ja, natürlich - aber auch Denksport. Trotzdem stelle ich mich nicht hin und sage: Ich habe Abitur und alles andere ist scheiße.

Fühlen Sie sich unterschätzt?

Eigentlich nicht. Was die Öffentlichkeit denkt, ist mir auch nicht so wichtig. Für mich zählt, dass die Mitspieler und der Trainer meine Arbeit schätzen. Wie das dann nach außen rüberkommt, kann ich schlecht beeinflussen. Damit habe ich aber keine Probleme. Ich bin eben nicht der Typ, der regelmäßig Tore des Monats schießt, und es ist okay, wenn ich im Hintergrund meine Arbeit machen kann.

Würden Sie dem Spruch „Dumm kickt gut“ zustimmen?

Ich möchte jetzt nicht darüber urteilen, wie clever oder blöd andere Bundesligaprofis sind. Aber manchmal ist es auch gut, wenn man ein paar Spieler in der Mannschaft hat, die sich nicht so eine Platte machen und einfach drauflos kicken.

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