Während seiner Zeit in Brescia wurde Guardiola positiv auf »Nandrolone« getestet und vier Monate gesperrt. Wie ist er mit der Situation umgegangen? Markus Schopp: Das war für ihn eine sehr schwierige Zeit. Sein Name hat sehr darunter gelitten und die Italiener sind in solchen Sachen auch sehr nachtragend. In Spanien war das Präparat anerkannt, in Italien leider nicht, glücklicherweise ist er später frei gesprochen worden. In Italien haftet seinem Namen dennoch bis heute ein Makel an.
Brescia ist ein kleiner Verein – warum spielte ein international anerkannter Spieler wie Guardiola nicht bei einem größeren Klub? Markus Schopp: Bei seinem Wechsel nach Italien ging es zwar auch um Erfolg, aber er wusste natürlich was er mit einer Mannschaft wie Brescia erreichen kann. Er hatte auch viele Angebote aus England. Doch Pep spielte schon damals mit dem Gedanken,Trainer zu werden, da war ein Wechsel nach Italien nur logisch. Er hatte es sich genau überlegt, wo er am meisten lernen könnte. Und in Italien haben die Trainer von der Serie A bis runter zur Serie C eben eine sehr gute taktische Ausbildung. Und wie gesagt er hat Roberto Baggio sehr verehrt mit ihm in einer Mannschaft zu spielen war für ihn ein großer Anreiz. Deshalb Brescia.
Brescia hat also aus dem Spieler Guardiola erst den Trainer gemacht, der er heute ist? Markus Schopp: Nicht Brescia, aber Italien insgesamt. Für ihn war es etwas Besonderes, gegen Mannschaften von Fabio Cappelo oder Marcello Lippi zu spielen. Da war der Lerneffekt eben am größten.
Allerdings unterscheidet sich der rauschende Offensivfußball Barcas doch vom eher defensiv eingestellten italienischen Fußball. Markus Schopp: Nicht unbedingt. Zu meiner Zeit spielten viele Italienische Mannschaften sehr Defensiv und setzen dabei auf einen klassischen Stoßstürmer als Anspielpunkt, wie etwa Luca Toni oder Christian Vieri. Doch auch bei Barca liegt das Geheimnis in der Defensivarbeit. Bei einem Ballverlust versuchen alle Spieler sofort den Ball zurückzugewinnen, anstatt sich zurückzuziehen. Guardiolas große Leistung ist es, dass er es schafft, selbst einen begnadeten Offensivspieler wie Lionel Messi für die Defensivarbeit zu gewinnen.
Die Beziehung Guardiola/Barcelona ist bislang eine reine Erfolgsgeschichte. Vielen Beobachter glauben, dass er der derzeit beste Trainer der Welt ist. Was meinen Sie? Markus Schopp: Ich würde es anders formulieren: Für diese Mannschaft ist er der beste Trainer überhaupt. Er besitzt die Gabe, gute Spieler wie Messi oder Inesta immer weiter zu motivieren. Er ist besessen vom Erfolg und findet immer etwas, dass es noch zu verbessern gibt. Um ihn als besten Trainer der Welt zu adeln, müsste er woanders in kurzer Zeit das gleiche schaffen wie mit Barcelona. Das dürfte schwierig werden. Barcelona ist seine Heimat, hier ist ihm alles vertraut – es wäre interessant zu sehen ob er das auch wo anders schaffen kann.