Markus Schopp über Barca-Trainer Guardiola

»Robbie war der Boss – Pep zog die Fäden«

Zwei Jahre lang war Markus Schopp Mannschaftskamerad von Josep Guardiola. Vor dem Klassiker Real gegen Barca verrät er uns, wie Guardiola schon als Spieler Taktiken änderte und welche Rolle dabei Roberto Baggio spielte. Markus Schopp über Barca-Trainer Guardiola

Markus Schopp als was für einen Typen würden Sie Pep Guardiola beschreiben?

Markus Schopp: Er war ein sehr überlegter Spieler, der sich permanent mit Gedanken über die Spielweise gemacht hat. Ein sehr intelligenter Mensch, der nichts unüberlegt tun würde. 

Wie hat er seine Aufgaben als Spieler interpretiert?

Markus Schopp: Er war damals schon so etwas wie ein spielender Trainer.Seine Philosophie war, den Gegner in der eigenen Hälfte zu attackieren und früh unter Druck zusetzen. Ein klassischer »Sechser« vor der Abwehr. Allerdings war er nicht ein Abräumer, sondern eher ein Ballverteiler. Es war schon beeindruckend wie er mit beiden Füßen den Ball kontrollieren und weiterverarbeiten konnte.

[ad]

Gab es denn gar keine Schwächen in seinem Spiel?

Markus Schopp: Die gab es natürlich auch, aber dadurch dass er ein Spiel sehr gut lesen konnte, war er immer gut vorbereitet. Er war nicht gerade der schnellste Spieler, aber durch ein gutes Timing konnte er seine Defizit ausgleichen. Das war schon sehr beeindruckend.  

Gibt es eine Anekdote aus der Zeit die Guardiola am besten beschreibt?

Markus Schopp: Ich erzähle immer gerne die Geschichte von unserem Spiel in Piacenza, wo wir sehr schlecht gespielt haben und er schon auf dem Weg in die Kabine sich ein paar Spieler zur Seite nahm und ihnen sagte, was zu ändern sei – der damaligen Brescia-Trainer Carlo Mazzone schimpfte in der Kabine wie ein Rohrspatz!

Was tat die Mannschaft?

Markus Schopp: Sie gehorchte den Anweisungen von Guardiola. Wir änderten unsere Taktik und konnte das Spiel noch gewinnen. Das zeigt schon, wie viel Trainer in ihm steckte.

Heute behauptet Carlo Mazzone, Guardiola habe sich einiges von ihm abgeschaut. Was halten Sie davon?


Markus Schopp: Ich glaube beim besten Willen nicht, dass das erst gemeint war. Das war wohl ein Scherz von Carlo. Mazzone hat immer kleinere Mannschaften trainiert und anders als Pep nicht das Glück gehabt einen Messi, einen Xavi oder einen Inesta in der Mannschaft zu haben. 

In Brescia hieß der Kapitän damals Roberto Baggio. Wessen Wort hatte in der Kabine mehr Gewicht: Das von Baggio oder Guardiola?

Markus Schopp: Interessante Frage, denn beide sind ganz unterschiedliche Typen. Auf der einen Seite der große Baggio und auf der anderen Seite Guardiola, der die Öffentlichkeit stets gemieden hat. Pep hat Baggio auch total verehrt und respektiert. Das Spiel bei Brescia war komplett auf »Robbie« abgestimmt. Aber die Fäden im Hintergrund zog Pep.




Während seiner Zeit in Brescia wurde Guardiola positiv auf »Nandrolone« getestet und vier Monate gesperrt. Wie ist er mit der Situation umgegangen?

Markus Schopp: Das war für ihn eine sehr schwierige Zeit. Sein Name hat sehr darunter gelitten und die Italiener sind in solchen Sachen auch sehr nachtragend. In Spanien war das Präparat anerkannt, in Italien leider nicht, glücklicherweise ist er später frei gesprochen worden. In Italien haftet seinem Namen dennoch bis heute ein Makel an.  

Brescia ist ein kleiner Verein – warum spielte ein international anerkannter Spieler wie Guardiola nicht bei einem größeren Klub?


Markus Schopp: Bei seinem Wechsel nach Italien ging es zwar auch um Erfolg, aber er wusste natürlich was er mit einer Mannschaft wie Brescia erreichen kann. Er hatte auch viele Angebote aus England. Doch Pep spielte schon damals mit dem Gedanken,Trainer zu werden, da war ein Wechsel nach Italien nur logisch. Er hatte es sich genau überlegt, wo er am meisten lernen könnte. Und in Italien haben die Trainer von der Serie A bis runter zur Serie C eben eine sehr gute taktische Ausbildung. Und wie gesagt er hat Roberto Baggio sehr verehrt mit ihm in einer Mannschaft zu spielen war für ihn ein großer Anreiz. Deshalb Brescia. 

Brescia hat also aus dem Spieler Guardiola erst den Trainer gemacht, der er heute ist?

Markus Schopp: Nicht Brescia, aber Italien insgesamt. Für ihn war es etwas Besonderes, gegen Mannschaften von Fabio Cappelo oder Marcello Lippi zu spielen. Da war der Lerneffekt eben am größten.  

Allerdings unterscheidet sich der rauschende Offensivfußball Barcas doch vom eher defensiv eingestellten italienischen Fußball.

Markus Schopp: Nicht unbedingt. Zu meiner Zeit spielten viele Italienische Mannschaften sehr Defensiv und setzen dabei auf einen klassischen Stoßstürmer als Anspielpunkt, wie etwa Luca Toni oder Christian Vieri. Doch auch bei Barca liegt das Geheimnis in der Defensivarbeit. Bei einem Ballverlust versuchen alle Spieler sofort den Ball zurückzugewinnen, anstatt sich zurückzuziehen. Guardiolas große Leistung ist es, dass er es schafft, selbst einen begnadeten Offensivspieler wie Lionel Messi für die Defensivarbeit zu gewinnen.  

Die Beziehung Guardiola/Barcelona ist bislang eine reine Erfolgsgeschichte. Vielen Beobachter glauben, dass er der derzeit beste Trainer der Welt ist. Was meinen Sie?

Markus Schopp: Ich würde es anders formulieren: Für diese Mannschaft ist er der beste Trainer überhaupt. Er besitzt die Gabe, gute Spieler wie Messi oder Inesta immer weiter zu motivieren. Er ist besessen vom Erfolg und findet immer etwas, dass es noch zu verbessern gibt. Um ihn als besten Trainer der Welt zu adeln, müsste er woanders in kurzer Zeit das gleiche schaffen wie mit Barcelona. Das dürfte schwierig werden. Barcelona ist seine Heimat, hier ist ihm alles vertraut – es wäre interessant zu sehen ob er das auch wo anders schaffen kann.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!