27.04.2011

Markus Schopp über Barca-Trainer Guardiola

»Robbie war der Boss – Pep zog die Fäden«

Zwei Jahre lang war Markus Schopp Mannschaftskamerad von Josep Guardiola. Vor dem Klassiker Real gegen Barca verrät er uns, wie Guardiola schon als Spieler Taktiken änderte und welche Rolle dabei Roberto Baggio spielte.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Markus Schopp als was für einen Typen würden Sie Pep Guardiola beschreiben?

Markus Schopp: Er war ein sehr überlegter Spieler, der sich permanent mit Gedanken über die Spielweise gemacht hat. Ein sehr intelligenter Mensch, der nichts unüberlegt tun würde. 

Wie hat er seine Aufgaben als Spieler interpretiert?

Markus Schopp: Er war damals schon so etwas wie ein spielender Trainer.Seine Philosophie war, den Gegner in der eigenen Hälfte zu attackieren und früh unter Druck zusetzen. Ein klassischer »Sechser« vor der Abwehr. Allerdings war er nicht ein Abräumer, sondern eher ein Ballverteiler. Es war schon beeindruckend wie er mit beiden Füßen den Ball kontrollieren und weiterverarbeiten konnte.



Gab es denn gar keine Schwächen in seinem Spiel?

Markus Schopp: Die gab es natürlich auch, aber dadurch dass er ein Spiel sehr gut lesen konnte, war er immer gut vorbereitet. Er war nicht gerade der schnellste Spieler, aber durch ein gutes Timing konnte er seine Defizit ausgleichen. Das war schon sehr beeindruckend.  

Gibt es eine Anekdote aus der Zeit die Guardiola am besten beschreibt?

Markus Schopp: Ich erzähle immer gerne die Geschichte von unserem Spiel in Piacenza, wo wir sehr schlecht gespielt haben und er schon auf dem Weg in die Kabine sich ein paar Spieler zur Seite nahm und ihnen sagte, was zu ändern sei – der damaligen Brescia-Trainer Carlo Mazzone schimpfte in der Kabine wie ein Rohrspatz!

Was tat die Mannschaft?

Markus Schopp: Sie gehorchte den Anweisungen von Guardiola. Wir änderten unsere Taktik und konnte das Spiel noch gewinnen. Das zeigt schon, wie viel Trainer in ihm steckte.

Heute behauptet Carlo Mazzone, Guardiola habe sich einiges von ihm abgeschaut. Was halten Sie davon?


Markus Schopp: Ich glaube beim besten Willen nicht, dass das erst gemeint war. Das war wohl ein Scherz von Carlo. Mazzone hat immer kleinere Mannschaften trainiert und anders als Pep nicht das Glück gehabt einen Messi, einen Xavi oder einen Inesta in der Mannschaft zu haben. 

In Brescia hieß der Kapitän damals Roberto Baggio. Wessen Wort hatte in der Kabine mehr Gewicht: Das von Baggio oder Guardiola?

Markus Schopp: Interessante Frage, denn beide sind ganz unterschiedliche Typen. Auf der einen Seite der große Baggio und auf der anderen Seite Guardiola, der die Öffentlichkeit stets gemieden hat. Pep hat Baggio auch total verehrt und respektiert. Das Spiel bei Brescia war komplett auf »Robbie« abgestimmt. Aber die Fäden im Hintergrund zog Pep.


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