15.09.2007

Markus Miller im Interview

„Dann scheppert es gewaltig“

Torhüter, blond, KSC: Es gab schon mal einen ehrgeizigen jungen Mann, auf den diese Attribute zutrafen. Der ging in die Fremde und wurde zum Titan. Sein Epigone Markus Miller aber will bleiben – und aus der Provinz nach den Sternen greifen.

Interview: Johannes Scharnbeck Bild: Imago
Sie haben die Entwicklung beim KSC seit der Regionalliga miterlebt – als Sie damals mit den Amateuren des VfB Stuttgart die Badener sogar 3:0 besiegten. (Miller lacht laut) Dann sind Sie 2003 von Augsburg nach Karlsruhe gewechselt und innerhalb der folgenden vier Jahre hat sich die Mannschaft stetig weiterentwickelt. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Vereins?

Ein ganz wichtiger Faktor ist, dass immer ein Schritt nach dem anderen gemacht wurde. Es gab einfach einen Zeitpunkt, an dem die Verantwortlichen gesagt haben: Wie wir in Zukunft handeln, muss klar durchdacht sein. Und so hat man mit minimalen Mitteln Maximales herausgeholt. In meinem ersten Jahr haben wir am letzten Spieltag den Klassenerhalt gesichert, im darauf folgenden schon am vorletzten Spieltag. Im dritten Jahr haben wir oben mitgespielt und im vierten kam dann der Aufstieg.

Mit welchem Klub fühlen Sie sich denn nun mehr verbunden? Mit dem VfB Stuttgart, bei dem sie fünf Jahre aktiv waren, oder mit dem KSC?

Ich komme ja eigentlich aus dem Allgäu und bin ein Bayer. Mit 15 bin ich nach Stuttgart gezogen und durfte dort die sehr gute Jugendarbeit genießen und noch zwei Jahre bei den Amateuren spielen. Aber beim KSC 2. und 1. Liga zu spielen, ist natürlich auch etwas ganz Besonderes. VfB und KSC sind daher zwei verschiedene paar Schuhe für mich. Andererseits ist der KSC bisher das Wohligste, wo ich bisher war.

Warum hat der Sprung von den Amateuren zu den Profis in Stuttgart nicht geklappt?

In meiner persönlichen Entwicklung gibt es einige Parallelen zu der des KSC. Ich habe mich immer ganz langsam kontinuierlich nach oben entwickelt. In der Jugend habe ich in der U17-Nationalmannschaft vier Länderspiele absolviert, dann war ich auch bei der U21 im Kader dabei. Aber ich war nie der Hochgelobte, das deutsche Supertalent schlechthin. Ich war kurz oben, bin dann wieder in der Versenkung verschwunden, habe meine Linie aber immer durchgezogen. Beim VfB war ich damals wohl noch nicht weit genug, um es bei den Profis zu packen. Nach meiner Station in Augsburg bin ich dann Gott sei Dank beim KSC aufgenommen worden. Ohne den KSC wäre ich jetzt nicht da wo ich bin.

Sie waren oft auch nur zweiter Torwart. Ist es auf dieser Position nicht aussichtsloser als in anderen Mannschaftsteilen?

So oft war ich gar nicht die Nummer Zwei. Oder sagen wir so: So oft habe ich gar nicht nicht gespielt. In der Jugend stand ich immer im Tor, im ersten Jahr bei den VfB-Amateuren habe eine halbe Saison gespielt und in der zweiten habe ich auch 30 Spiele gemacht. In Augsburg stand ich wieder eine halbe Saison zwischen den Pfosten – insgesamt ein großes Lehrjahr. Und beim KSC hatte ich das Doppelerlebnis, dass ich in meiner ersten Saison jedes Wochenende bei den Profis auf die Bank durfte und in der Oberliga meine Spielpraxis gesammelt habe. Und in meinem zweiten KSC-Jahr wurde ich schon zur Nummer Eins befördert.

Aber woher nimmt man als zweiter Torhüter die Motivation, immer wieder alles zu geben?

Ich will einfach immer spielen. Und vor meinem Wechsel nach Karlsruhe habe ich natürlich alle Pro- und Contraargumente abgewogen, und es hat alles für den KSC gesprochen. Ich wusste, ich schaffe es auf kurz oder lang. Und durch die guten Oberliga-Spiele und durch engagiertes Training habe ich mich bei den Profis weiterentwickelt. Es hat ja auch alles geklappt, und ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich getan hätte, wenn es nicht so gut gelaufen wäre.

Wie wichtig ist es, dass ein Trainer nicht nur fachlich anleitet, sondern auch motiviert?


Das spielt eine enorme Rolle. Mittlerweile habe ich zu meinem Torwarttrainer Peter Gadinger und dem Trainer Ede Becker auch ein starkes Vertrauensverhältnis aufgebaut. Ich kann mit beiden auch über Dinge reden, die nicht jeder mitkriegen muss. Beide sind ruhige, sachliche Arbeiter – das kommt mir sehr entgegen. Diese familiäre Atmosphäre hat auch viel zu dem Erfolg beigetragen.

Mit Ihrem Konkurrenten um die Torhüterposition in Karlsruhe, Martin Fischer, haben Sie damals das Zimmer geteilt. Ist das nicht eine schwierige Situation?

Bei manchen Torhütern könnte es durchaus kompliziert werden. Aber beim KSC belegen die beiden Torleute immer ein Doppelzimmer. Das ist auch mit Jeff Kornetzky immer noch so und hat bisher auch prima funktioniert. Als Nummer Zwei war meine Strategie ohnehin immer, es auf dem Platz zu entscheiden.

Sie absolvieren aber Extra-Trainingsschichten in Stuttgart. Was machen Sie dort genau?


Die Trainingsmethode nennt sich Gyrotonic. Sie kommt aus dem Ballett. Man wird beweglicher, trainiert die Tiefenmuskulatur, bekommt mehr Länge und wird trotzdem kräftiger. Mein Berater hat mir den Tipp gegeben, diese Methode auszuprobieren, und mittlerweile trainiere ich sie seit zweieinhalb Jahren. Man verbessert damit eigentlich alles, außer das Fußballspielen selbst.

Wenden andere Torhüter diese Methode auch an?

Ich weiß nur von Timo Hildebrand. Er trainiert es wohl schon seit mindestens sechs Jahren. Aber für Feldspieler wäre es auch nicht schlecht, denn es fördert die Dynamik in den Beinen und verringert die Verletzungsanfälligkeit.

Zusätzlich gehen Sie auch Boxen.

Boxen ist auch sehr mit dem Torwartspiel verwandt. Man macht viel mit den Beinen, man muss immer mittig stehen, sonst fällt man um, wenn man getroffen werden sollte. Seit ein paar Wochen war ich aber nicht mehr beim Boxen, da die Einheiten wirklich sehr intensiv sind.

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