03.03.2012

Markus Feldhoff über Bayer-Bayern

»Note 2? Kaum zu glauben!«

Am 21. Spieltag der Saison 1996/97 trifft Bayer auf den Tabellenführer aus München. Kirsten ist angeschlagen und Daum besorgt. Sein Joker Markus Feldhoff soll es richten. Zwei Stunden später ist er der Held von Leverkusen.

Interview: Andreas Bock Bild: imago

Schon zur Halbzeit führte Bayer mit 3:0. Das dritte Tor machten Sie. Erinnern Sie sich, was Christoph Daum Ihnen in der Pause sagte?

Markus Feldhoff: Er blieb in der Kabine relativ ruhig – er kann durchaus variieren, es ist nicht so, dass er immer nur der Einpeitscher ist. Er mahnte lediglich, weiter dran zu bleiben. Gegen die Bayern kann alles passieren, ein 3:0 bedeutet gar nichts.

Der FC Bayern kam dann tatsächlich durch Nerlinger und Basler noch einmal auf 3:2 heran. Fühlten Sie sich zu sicher?

Markus Feldhoff: Vielleicht. Das Spiel stand auf jeden Fall auf der Kippe. Wir hatten zuvor wirklich viel investiert, waren um jeden Ball gerannt, unglaubliche Wege gegangen. Und irgendwann machte sich das bemerkbar, die Beine wurden müde. Dennoch: Wir mobilisierten alle Kräfte, die wir noch hatten.

Und Sie machten zwei weitere Tore. Wie schießt man denn so kurz vor der völligen Erschöpfung ein Tor gegen Oliver Kahn?

Markus Feldhoff: Da fragen Sie den richtigen (lacht). Ich hatte im Hinspiel ja auch schon ein Tor gegen Kahn gemacht. Kahn war damals und ist heute für mich der beste Torwart Deutschlands. Aber natürlich gibt es Bälle, die auch ein Oliver Kahn nicht halten kann. Vielleicht hatte ich auch einfach etwas Glück.

Welches Tor schauen Sie sich denn heute am liebsten an?

Markus Feldhoff: Die Tore waren alle nicht so besonders spektakulär. Das waren ja keine Traumtore, da war kein »Tor des Monats« dabei. Aber das 5:2 schaue ich mir heute immer noch gerne an. Das rundete alles ab.

Sie umspielten Oliver Kahn, als ob Sie nie was anderes getan hätten.

Markus Feldhoff: (lacht) Ja, stimmt. Zé Elias hatte sich in unserer Hälfte den Ball fantastisch erkämpft und schlug einen langen Pass nach vorne. Thomas Helmer wollte auf Abseits spielen, doch er kam zu spät raus. Plötzlich stand ich ganz alleine vor Olli Kahn. Ich ging links vorbei und schob den Ball mit der linken Innenseite ins Tor. Ich traf den Ball gar nicht richtig, denn Thomas Helmer hatte wieder Boden gut gemacht und attackierte mich von hinten. Der Ball trudelte aber bereits ins Tor – wie in Zeitlupe.

Es zeugt von großem Selbstbewusstsein, so an Olli Kahn vorbeizugehen und nicht sofort zu schießen.

Markus Feldhoff: Olli Kahn war etwas irritiert. Er dachte, dass ich den Ball mit der Hand mitgenommen hätte – der Ball sprang aber an meinen Oberkörper. Er signalisierte dem Linienrichter ein Handspiel, doch der reagierte nicht. Vielleicht wäre Kahn andernfalls ein bisschen energischer aus seinem Tor gekommen. Es passte halt in diesem Moment für mich.

Sie sprechen nun so nüchtern über dieses Spiel. Nach den Toren jubelten sie aber wie der kleine Junge auf dem Bolzplatz. Begriffen Sie überhaupt, was da gerade passiert war?

Markus Feldhoff: Nicht wirklich. Aber das ist ja das Schöne im Sport. Plötzlich machst du Dinge, die niemand von dir erwartet hätte. Plötzlich platzt da ein Knoten. In dem Moment, in dem er platzt, weißt du gar nicht, wie das passiert ist. Ich habe zwar noch den Moment vor Augen, wie ich das 5:2 mache, wie ich in der 90. Minute ausgewechselt werde und 20.000 Fans aufstehen und applaudieren. Doch ich verließ das Spielfeld wie im Traum. Ich wurde förmlich hinaus getragen.

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