12.05.2007

Marko Rehmer im Interview

„Fußball ist nicht Schach“

Bevor Eintracht-Veteran Marko Rehmer die geschundenen Beine hochlegen kann, muss er noch einmal gegen Abstieg kämpfen. Dabei geht er ebenso zu Werke wie im Gespräch mit 11freunde.de: defensiv, minimalistisch, kompromisslos.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago

Ihr Debüt für Deutschland gaben Sie noch unter dem Bundestrainer Berti Vogts. Sie spielten dann ebenfalls unter Ribbeck und Völler. Welcher Führungsstil behagte Ihnen am meisten?

Der Führungsstil eines Nationaltrainers ist ein ganz anderer als der eines Klubtrainers. Du siehst deinen Nationaltrainer ja nicht so oft wie den Vereinscoach. Jeder Trainer hat natürlich eine besondere Art an sich, mit seinen Spielern umzugehen und zu kommunizieren. Aber Fachleute sind sie alle. Rudi Völler war am nähsten dran an der Mannschaft.

In 35 Länderspielen erzielten Sie vier Tore. Unter anderem einen Treffer im Relegationsspiel gegen die Ukraine, der Deutschland überhaupt erst zur Weltmeisterschaft nach Japan und Südkorea brachte. Wie haben Sie es verhindert, in diesem Moment ohnmächtig zu werden?

Es ist immer etwas besonderes Tore für Deutschland zu schießen - und das war ein wichtiges Tor, in der Tat. Aber wir hatten auch eine starke Mannschaft und uns war klar, dass wir es auch auf diesem Umweg schaffen würden.

Bei der Weltmeisterschaft 2002 standen Sie verletzungsbedingt jedoch nur bei einer Partie auf dem Platz. Konnten Sie das Turnier dennoch genießen?

Ich hätte natürlich lieber gespielt. Auf der der Bank fieberst du aber genauso mit wie auf dem Platz. Das Turnier werde ich dennoch niemals vergessen.

Apropos Verletzungen. Ihrer Karriere stand unter keinem guten Stern, nach dem Ihnen im Alter von 20 auf Grund eines Knorpelschadens im Knie vom Leistungssport abgeraten wurde. Wie konnten Sie diesen ersten Tiefschlag wettmachen?


Indem ich nie aufgehört habe, an mich zu glauben und gegen diese Verletzung anzukämpfen.

In der Saison 1997/1998 absolvierten Sie noch alle Spiele für Hansa Rostock, in der Folgesaison noch 30 Partien und in den Jahren danach wurden es durch jene Verletzungsmiseren weniger und weniger. Können Sie sich ihr Verletzungspech erklären?

Fußball ist nicht Schach. Ich bin ein Typ der immer mit vollem Einsatz spielt, und deshalb kann es immer zu Verletzungen kommen. Man wird auch schnell in eine Schublade gesteckt. Trotzdem habe ich es bis jetzt auf 225 BL-Spiele und 35 Länderspiele gebracht.

Wie groß ist ihr Ärger wenn die Medien wieder einmal aufstöhnen: „Den verletzungsanfälligen Marko Rehmer hat es wieder erwischt“?

Das genau meine ich mit „in eine Schublade stecken“.

Schnelligkeit war Ihr Kapital. Sie hatten einst sogar den Spitznamen „Speedy“ und erreichten den Fabelwert von 3,74 Sekunden auf 30 Metern. Haben Sie durch die vielen Rückschläge an Schnelligkeit eingebüßt?

Natürlich wird man mit den Jahren ein wenig langsamer im Antritt. Aber ich weiß, dass ich noch schnell genug bin.

Der andere große Schmerzensmann Ihrer Spielergeneration ist Jens Nowotny. Haben Sie sich einmal mit ihm über die leidigen Erfahrungen ausgetauscht?

Nein, das haben wir nicht. Es gab schönere Themen zu besprechen.

Der Tiefpunkt Ihrer Karriere dürfte die Saison 2004/2005 bei Hertha gewesen sein. Wie frustrierend muss man sich eine solche Zeit für einen Fußballprofi vorstellen, wenn man keine Sekunde Spielzeit erhält?

Das war wirklich sehr frustrierend und nicht fair. Deshalb war ich sehr froh, dass mir Eintracht Frankfurt und Friedhelm Funkel die Möglichkeit gegeben haben, wieder zu spielen.

Vorausgegangen ist dem Theater mit Hertha, jene berühmte Spritze eines HNO-Arztes, die Betamethason enthielt und Ihnen u. a. eine Sperre von neun Spielen einbrachte. Was haben Sie aus dieser Episode gelernt?

Das war die schwärzeste Stunde meiner Karriere, und ich habe mir geschworen, darüber kein Wort mehr zu verlieren. So halte ich das auch in diesem Interview.

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