12.05.2007

Marko Rehmer im Interview

„Fußball ist nicht Schach“

Bevor Eintracht-Veteran Marko Rehmer die geschundenen Beine hochlegen kann, muss er noch einmal gegen Abstieg kämpfen. Dabei geht er ebenso zu Werke wie im Gespräch mit 11freunde.de: defensiv, minimalistisch, kompromisslos.

Interview: oliver zeyen Bild: Imago
Glückwunsch zum Klassenerhalt Herr Rehmer. Durch den eindeutigen Sieg gegen Aachen sollte die Eintracht durch sein. Oder machen Sie sich etwa noch Sorgen?

Wir sind noch nicht gerettet. Es kann bis zur letzten Spielminute dieser Saison gehen. Gratulieren Sie mir bitte erst, wenn es rechnerisch klar ist, dass wir drin bleiben.

Ähnliche Situationen erlebten Sie bereits mit Hansa Rostock und Hertha BSC. Inwieweit konnten Sie mit ihrer Erfahrung im Abstiegskampf der Mannschaft helfen?

Ich kann beruhigend auf die Jüngeren im Team einwirken und schon einen Großteil meiner Erfahrung an sie weitergeben. Wer hektisch wird und die Nerven verliert, der nimmt sich sehr viel Energie. Und diese Energie braucht eine Mannschaft, um im Abstiegskampf erfolgreich bestehen zu können.



Sie sind nun in Ihrer letzten Saison. Verspüren Sie schon Abschiedsschmerz?

Über meine Zukunft sprechen wir erst, wenn wir unser Saisonziel erreicht haben. Dazu gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts zu sagen.

Dann blicken wir eben in die Vergangeheit. Gab es in Ihrer Kindheit ein Schlüsselerlebnis, das Sie für den Fußball begeistert hat?

Ich erinnere mich gern an meine fußballbegeisterte Omi, bei der ich immer und überall, sogar in der Wohnung, spielen durfte.

Wie genau begann Ihre Fußballkarriere in Berlin?

Auf dem Hinterhof im Prenzlauer Berg, wo ich groß geworden bin. Mein erster Verein hieß Empor HO Berlin.

Die Omi war Ihr Mentor. Wer war Ihr Vorbild?


Ich hatte keine bestimmten Vorbilder, aber ich hatte einige Idole, für die ich geschwärmt habe. Zum Beispiel Franz Beckenbauer.

Sie haben, wie ihr ehemaliger Mannschaftskamerad bei Hansa Rostock, Stefan Beinlich, den Beruf des Elektrikers erlernt. Wäre das eine echte berufliche Alternative gewesen?

Wenn ich kein Profi hätte werden können – vielleicht.

Rückblickend betrachtet: Haben sich die Träume, die ein kleiner Junge vom Beruf des Fußballers hat, erfüllt?

Ja. Jeder fußballbegeisterter Junge möchte irgendwann mal in der Bundesliga spielen. Ich war da keine Ausnahme.

Waren Sie auf die Entbehrungen gefasst, die der Beruf des Fußballers mit sich bringt?


Natürlich musst du als Fußballprofi auf viele Dinge verzichten. Aber für diesen Traumberuf lohnt es sich, Entbehrungen auf sich zu nehmen.

Den Großteil Ihrer Zeit als Fußballer haben Sie bei Union Berlin verbracht. Man hat Sie dort heute noch in guter Erinnerung. Verfolgen Sie noch das Geschehen bei ihrem alten Verein?

Klar tue ich das. Und ich hoffe, dass die Eisernen über kurz oder lang zurückkehren in die zweite Liga. Vom Fanpotential her ist in Berlin genug Platz für zwei Profiklubs und ich bin davon überzeugt, dass Union eines Tages wieder die ganz klare Nummer zwei in der Stadt werden wird.

Frank Pagelsdorf, ihr ehemaliger Trainer bei Union, holte Sie 1997 auf die große Fußballbühne nach Rostock, wo sie sofort Stammspieler und im selben Jahr Nationalspieler wurden. Wie erlebten Sie damals diesen kometenhaften Aufstieg?

Es ging schon alles recht schnell damals. Aber es hat mich nicht verändert. Dahinter hat auch harte Arbeit gesteckt. Ich habe dafür geackert und mir durch Fleiß einen Traum erfüllen können.

Sie spielen momentan ihr elftes Jahr als Profi. Warum platzte bei Ihnen erst so spät – mit 24 Jahren – der Knoten?

Ich hatte mit Anfang 20 einen Knorpelschaden im Knie, dessen Heilungsprozess länger dauerte. Die Ärzte empfahlen mir damals, dass ich mir besser einen neuen Job suchen sollte. Aber ich glaubte an meine Karriere und blieb am Ball.

In der Bundesliga absolvierten sie über 200 Spiele. Was war Ihr schönstes Erlebnis? Wo verlebten Sie Ihre schönste Zeit?

Rostock war schon eine tolle Zeit. Hertha auch, obwohl man die Clubs eigentlich nicht miteinander vergleichen kann. Hertha war wegen der Champions League etwas ganz Besonderes. Es war irre, gegen Teams wie Barcelona und Chelsea antreten zu können. Eine genauso schöne Zeit habe ich jetzt jedoch auch bei Eintracht Frankfurt

Hatten Sie niemals den Wunsch, einmal im Ausland zu spielen?

Ich wäre ja fast mal in England in der Premier League gelandet. Das hätte mich schon gereizt. Der Fußball auf der Insel hätte mir sehr gelegen.

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