19.03.2007

Marko Pantelic im Interview

„... dann war ich weg“

In elf Profijahren hat Marko Pantelic bei neun Klubs in sieben Ländern gespielt. Erst bei Hertha BSC wurde der Serbe sesshaft. Hier legt der Fußball-Vagabund die Gründe für sein unstetes Leben dar.

Interview: Tim Jürgens und Jens Kirschneck Bild: Imago


Nach erfolglosen Gastspielen beim SK Sturm Graz, FC Yverdon und Celta Vigo sind Sie nach Serbien zurückgekehrt und in der tiefsten Provinz beim FK Sartid Smederevo gelandet.

Das war der komplette Neustart meiner Karriere. Endlich habe ich bei einem Verein gespielt, der mich wirklich brauchte und bei dem ich zeigen konnte, was ich drauf habe. Nach elf Monaten hat mich dann Roter Stern Belgrad abgeworben. und ich wurde auf Anhieb Torschützenkönig der serbischen Liga.

Hertha BSC muss sich also keine Sorgen machen, dass Sie demnächst die Kurve kratzen.

Als Stürmer ist man bis maximal 35 aktiv. Warum sollte ich meine Karriere also nicht in Berlin beenden? Andererseits sagt mir meine Erfahrung, dass sich im Fußball nichts planen lässt. Heute läuft es gut, morgen nicht mehr. Wer weiß…

Braucht ein Fußballer ein gewisses Maß an Rückhalt?


Für mich sind nur zwei Dinge wichtig: meine Familie und das, was auf dem Platz passiert. Der Rest spielt keine Rolle.

Aber brauchen Sie nicht auch das familiäre Umfeld im Verein?

Natürlich. Hertha ist, anders als frühere Klubs, so etwas wie mein zweites Zuhause geworden. Hier wurde mir von Anfang an mehr Vertrauen entgegengebracht als bei anderen Vereinen. Die ersten dreieinhalb Monate nach meinem Wechsel wurde ich für jedes Spiel fit gespritzt. Ich habe nur einmal die Woche trainiert, trotzdem bekam ich vor jedem Match eine Spritze in den Bauch und in den Fuß und habe am Wochenende 90 Minuten gespielt. Ich bin froh, dass ich dieses Vertrauen jetzt mit Toren zurückzahlen kann.

Sie haben bislang 11 Tore erzielt. Was hat sich seit der letzten Saison verändert?

Wenig. Ich laufe inzwischen schmerzfrei auf, außerdem hat mir der Verein vor dieser Saison einen Vertrag gegeben, der bis 2008 gilt. Das befreit mich. In der letzten Saison hat es sich angefühlt, als säße mir dauernd jemand im Nacken.

Wer hatte es denn auf Sie abgesehen?

Da waren die Medien, die Erwartungen des Vereins und der Zuschauer. Sie können sich vorstellen, dass es nicht so leicht ist, Top-Leistungen zu bringen, wenn ständig jemand schaut, ob man patzt oder Schwächen zeigt.

Warum klappt es in Berlin besser als, sagen wir, bei Paris St. Germain?


Bei Hertha hat man erkannt, dass ich mich für den Klub zerreiße. Wenn wir zurückliegen, arbeite ich als Stürmer auch nach hinten. Es gibt Statistiken, dass ich mir in einem Spiel bis zu 30-mal den Ball am eigenen Strafraum hole.

Es hat den Anschein, als seien Sie auf dem besten Weg, ein großer Spieler zu werden. Nun streiten Sie mit Klose, Makaay, Gomez und Gekas um die Torjägerkrone.

Das ist mir relativ schnuppe. Wenn ich am Ende der Saison nur Zweiter oder Dritter bei den Torjägern werde, Hertha dafür aber in der Champions League spielt, wäre mir das wesentlich lieber.

Ihre Bescheidenheit ehrt sie, doch als bester Bundesligaschütze würde sich Ihr Marktwert deutlich erhöhen. Träumen Sie nicht davon, für ein internationales Spitzenteam zu spielen?

Natürlich träumt jeder Spieler davon, einmal für einen Verein wie Real Madrid, FC Barcelona oder Manchester United aufzulaufen. Aber ich lebe im Hier und Jetzt. Und wenn morgen einer kommt und mir vorschlägt, zu wechseln, werde ich mir sehr gut überlegen, ob ich die Situation hier in Berlin wirklich dafür aufgeben will.

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