19.03.2007

Marko Pantelic im Interview

„... dann war ich weg“

In elf Profijahren hat Marko Pantelic bei neun Klubs in sieben Ländern gespielt. Erst bei Hertha BSC wurde der Serbe sesshaft. Hier legt der Fußball-Vagabund die Gründe für sein unstetes Leben dar.

Interview: Tim Jürgens und Jens Kirschneck Bild: Imago
Marko Pantelic, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das Spielfeld betreten?

Nichts. Ich richte meine ganze Konzentration auf das Spiel, um mich mit jeder Faser meines Körpers für den Erfolg des Teams einzusetzen.

Der schwedische Stürmer Henrik Larsson hat einmal auf diese Frage geantwortet: »Gleich wird es sehr wehtun!« Verstehen Sie, was er meint?


Interessant. Larsson denkt darüber nach, dass versteckte Fouls und Zweikämpfe ihm Schmerzen bereiten? Das wundert mich. Fouls sind ein Teil des Spiels, aber sie stehen nicht im Mittelpunkt. Wenn ich mit so einer Einstellung aufliefe, könnte ich nie Vollgas geben.



Wie gelingt es Ihnen denn, die negativen Begleiterscheinungen eines Spiels auszublenden?

Ich habe den Tunnelblick, konzentriere mich voll und ganz auf das Spiel. Natürlich bin auch ich schon vom Platz gekommen und hatte zwei Tage lang Probleme, geradeaus zu laufen. Aber wenn das Team erfolgreich ist, spielt das keine Rolle.

Mit welchen Tricks wehren Sie sich gegen die Attacken der Abwehrspieler?

Ich bin kein Spielertyp, der zerstört. Meine Aufgabe ist es, Tore zu schießen. Natürlich gibt es manchmal Rangeleien, aber ich sehe zu, den Grundsätzen des Fairplays zu folgen und mich nach Fouls beim Gegner zu entschuldigen.

Sie haben mal gesagt, ein Fußballspiel sei für Sie wie eine Theateraufführung. Das müssen Sie uns genauer erklären.

Fußball zieht die Massen in seinen Bann. Im alten Rom traten die Gladiatoren in der Arena gegeneinander an, um die Menschen zu unterhalten. Heute sind es die Kicker, die für ein Spektakel sorgen, das die Leute emotional so sehr bewegt, dass Tränen der Freude und der Enttäuschung fließen.

Welche Rolle spielen Sie in dieser modernen Version der klassischen Inszenierung?

Ein bisschen Show gehört dazu. Doch das Wichtigste ist, dass man als Athlet bereit ist, alles zu geben und für das Team sein Innerstes nach außen zu kehren.

Ihnen werden gewisse Extravaganzen nachgesagt. Hertha-Manager Dieter Hoeneß hat Sie dafür kritisiert, dass Sie den Ball zu oft mit dem Außenrist spielen. Nervt es, wenn Sie in Ihrer Art als Instinktfußballer beschränkt werden?

Dieter Hoeneß war selbst ein Weltklasse-Stürmer. Der Mann ist der Kopf von Hertha BSC. Er hat das Recht, mein Spiel zu kritisieren, wenn ihm etwas daran missfällt. Ich sehe zu, dass 99 Prozent von dem umgesetzt wird, was er mir mit auf den Weg gibt. Aber ein Prozent Freiheit bei der Erfüllung meiner Aufgaben gönne ich mir trotzdem.

Hat Hoeneß inzwischen verstanden, dass Sie Raum für Ihre kleinen Sperenzchen brauchen?

Nachdem ich im November gegen Nürnberg mit dem Außenrist zum 1:0 getroffen und ihm den Treffer gewidmet habe, hat er sich nicht mehr dazu geäußert. Ich glaube, er hat verstanden, dass ich alles für den Klub gebe und mit meinen Ideen dem Hertha-Spiel wichtige Impulse gebe.

Dieter Hoeneß war ein anderer Stürmertyp als Sie.

Ich habe einige seiner Spiele auf Video gesehen. Unser Manager war ein bulliger Spieler. Anders als ich, aber verdammt erfolgreich. Es ist kein Geheimnis, dass wir heute auf einem athletischeren Niveau spielen. Spielertypen wie er hätten vermutlich keine Chance mehr, weil der Fußball viel schneller ist. Auch ein technisch versierter Mann wie Michel Platini würde heute mit seinem geringen Laufpensum nicht mehr in die Zeit passen.

Wie verstehen Sie sich mit Dieter Hoeneß?


Der Manager trägt den Klub auf seinen Schultern. Und er findet dabei immer noch Zeit, sich mit uns Spielern auseinanderzusetzen. Ganz ehrlich: Ich habe noch nie unter einem so professionellen Management gearbeitet.

Wie war es denn bei früheren Vereinen, etwa bei Paris St. Germain, Roter Stern Belgrad oder Sturm Graz?

Dort waren die Abteilungen strikter getrennt. Meine direkten Vorgesetzten dort waren die Trainer. Ein persönliches Verhältnis wie zu Hoeneß hatte ich vorher nur zum früheren Präsidenten von Roter Stern, Dragan Djajic.

Sie sind ein Vagabund. In elf Jahren Profikarriere haben Sie für neun Vereine in sieben Ländern gespielt. Warum werden Sie nirgendwo heimisch?

Was Sie da ansprechen, ist mein Ex-Leben. Meine wahre Karriere begann erst 2003. Vorher war ich zehn Jahre lang auf der Suche.

Wie meinen Sie das?

Ich bin mit 17 zuhause ausgezogen. Ich wollte schnell so weit weg wie möglich von meiner Heimat. Aber keiner hat mir gesagt, was auf mich zukommt. Als sich dann nicht direkt der Erfolg eingestellt hat, war ich mitunter etwas zu ungeduldig.

Lange haben Sie es jedenfalls nicht bei den einzelnen Klubs ausgehalten.


Mein erster Verein als Profi war Iraklis Saloniki. Ich war topfit, wurde aber nur in Freundschaftsspielen eingesetzt. Also habe ich sofort zugegriffen, als Paris St. Germain mir ein Angebot machte. Auch dort hatte ich aber das Gefühl, dass mir keine richtige Chance eingeräumt wird. So bin ich immer weiter gezogen. Wenn ein Trainer kam, in dessen System ich nicht sofort passte, war ich weg.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden