16.03.2013

Marko Arnautovic über sein Bad-Boy-Image

»Die Geduld mich zu trainieren, hätte ich nicht«

Marko Arnautovic von Werder Bremen polarisiert die Bundesliga. Man hasst ihn, oder man liebt ihn, dazwischen gibt es nicht. So einen Mann mussten wir sprechen! Für Ausgabe #136 traf sich Dirk Gieselmann mit dem umstrittenen Österreicher zum Interview.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Julia Knop


Ihr Vater stammt aus Serbien. Was an Ihnen ist serbisch?
Mein Temperament. Das erklärt auch einiges, was mir in der Vergangenheit unterlaufen ist. Aber ich habe gelernt, mich zu zügeln.

Sind Sie jemals rassistisch angefeindet worden?
Das kam in der Wiener Zeit schon mal vor, aber mit den Rechtsradikalen wurden wir fertig. Es ging da auch um unser Revier, zu zeigen, wer der Chef ist.

Mussten auch harmlose Passanten Angst vor Ihrer Clique haben?
Die meisten sind lieber schnell an uns vorbeigegangen, ohne uns anzuschauen. Damals fand ich das gut. Jetzt sehe ich das natürlich mit ganz anderen Augen.

Würden Sie heute die Straßenseite wechseln, wenn Sie nachts Jungs begegneten, wie Sie einer waren?
Ich bin doch keine Memme. Im Gegenteil: Ich würde mit ihnen reden!

Was würden Sie ihnen denn sagen?
Dass sie von der Straße runterkommen sollen. Es bringt doch nichts, da rumzuhängen und Leute einzuschüchtern. Sie sollen lieber was lernen.

Aber Sie hat die Straße doch etwas gelehrt, oder?
Stimmt, das waren wichtige Erfahrungen. Sie haben mich auch stark gemacht. Vor allem der Fußball im Käfig, der war zehn Minuten von unserem Haus entfernt. Dort war ich jeden Tag, manchmal sogar zwei Mal, vor dem Vereinstraining und danach wieder.

Was lernt man im Käfig?
Den unbedingten Willen, den anderen zu besiegen. Man ist ja quasi ständig im Zweikampf und muss sich behaupten, mit Technik, Kraft und Beweglichkeit.

Auch mit schmutzigen Tricks?
Man lernt zu überleben.

Und da ist kein Kinhöfer, der einen sofort nach Hause schickt.
Nein, den hat da auch niemand vermisst.

Neben dem Käfig haben Sie Fußball im Verein gespielt, allerdings fast jedes Jahr woanders. Warum das?
Natürlich ging es auch um Disziplin. Mir ist die Umstellung nicht recht gelungen. Ich wollte auch auf dem Rasenplatz, in der Elfermannschaft, am liebsten alles allein machen, durchgehen, draufhalten. Wie im Käfig eben. Das wollten die Trainer aber nicht, und wenn ich nicht auf sie hörte, setzten sie mich auf die Bank. Dann suchte ich mir einfach den nächsten Verein. Selbst schuld, dachte ich, wenn die nicht erkennen, dass ich ein Spiel allein entscheiden kann.

Fällt es Ihnen heute immer noch schwer, den Ball abzugeben? Würde ich dann in der Bundesliga spielen?
Nein, es macht mir genauso viel Spaß, eine gute Vorlage zu geben, wie selbst ein Tor zu schießen.

Und wie gut können Sie sich in das soziale Gefüge einer Mannschaft einordnen?
Besser als früher. Ich sehe es nun als Beruf, für den ich bezahlt werde. Also muss ich tun, was man mir sagt. Spaß kommt da erst an zweiter Stelle.

Macht Fußballspielen nicht immer Spaß?
Wenn man Erfolg hat, dann schon. Wenn nicht, dann weniger.

Wenn es neben der Bundesliga, wie wir sie kennen, eine Käfig-Bundesliga gäbe, für welche würden Sie sich entscheiden?
Dann würde ich gerne beides machen.

So sehr sie den Käfigfußball gemocht haben – haben Sie trotzdem manchmal davon geträumt, dass Ihre Eltern ein Haus mit Garten besäßen, weit weg von der Straße?
Wir hatten ja eines, in Serbien, der Heimat meines Vaters. Das haben wir immer noch. Da habe ich herrliche Sommer verbracht und natürlich auch im Garten Fußball gespielt, mit meinem Vater, meinen Brüdern und meinem Opa.

Haben Sie denn davon geträumt, einmal reich zu sein?
Ja, sicher. Welcher junge Mensch tut das nicht?

Und wie fühlt es sich nun an, reich zu sein?
Es ist ein gutes Gefühl, abgesichert zu sein. Gerade jetzt, als Vater einer kleinen Tochter.

Zeigen Sie gern, dass Sie Geld haben?
Ich verstecke es nicht, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich extrem damit protze.

Sie sagten vorhin, Schmähgesänge würden Sie motivieren. Aber es ist Ihnen andererseits doch bestimmt auch wichtig, beliebt zu sein.
Ich möchte in meiner Familie beliebt sein, auch in der Mannschaft, in der ich spiele. Aber alles andere ist mir egal. Ich kann ohnehin nicht beeinflussen, was die Leute von mir halten.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden