Marius Ebbers über Ladehemmung und die Saison

»Das ist auch Kopfsache«

Marius Ebbers war mit 20 Toren einer der Garanten für den Aufstieg des FC St. Pauli. Wir sprachen mit ihm über eine große Fete auf Mallorca, das Derby gegen den HSV und die Angst vor dem Toreschießen in der Bundesliga. Marius Ebbers über Ladehemmung und die SaisonImago

Marius Ebbers, steigt die Vorfreude?

Klar, vor allem nach so einer Vorbereitung, wo wir richtig viel geackert haben. Nun haben wir die Möglichkeit zu zeigen, dass wir in der Bundesliga mithalten können. Ich freue mich wirklich auf jedes einzelne Spiel.

Sie kommen aus dem Feiern kaum noch raus: Zunächst die 100-Jahr-Feier, dann der Aufstieg und die anschließende Reise. Ging es dort ähnlich exzessiv zu wie 1977?

Wie war es denn 1977?

Damals sollen Spieler so heftig gefeiert haben, dass man sich von dem Kater die ganze Saison nicht erholte.

Das wird uns nicht passieren. Aber ich versichere Ihnen, dass wir gut gefeiert haben. Wir waren mit 40 positiv Verrückten auf Mallorca. Waren am Strand, haben das Nachtleben genossen. Genug Eckdaten, um sich vorzustellen, was dort abging.

Am letzten Wochenende schied der FC St. Pauli Sie gegen den Chemnitzer FC Im DFB-Pokal aus. War das der Dämpfer zur richtigen Zeit?

Das kann man so oder auslegen. Im Falle eines Sieges hätte doch jeder gesagt: Super, das gibt noch einmal Sicherheit für den Ligastart. Nun behauptet jeder, dass die Niederlage uns auf den Boden geholt hätte. Ganz ehrlich: Ich mache mir darüber keinen Kopf.

Sie hat die Niederlage gegen einen Regionalisten nicht beschäftigt?

Ich bin nicht der Typ, der sich fünf Tage vergräbt und nachdenkt. Auch wenn die Niederlage ärgerlich war, will ich vor allem eines: Raus und es besser machen. Auch für Stani war die Niederlage schnell abgehakt. Am nächsten Tag gab es eine kurze Analyse, am Montag hatten wir trainingsfrei, heute ging es wieder los.

Sie haben in der letzten Saison 20 Tore für den FC St. Pauli erzielt. Was klappte in der Saison besser als in anderen?

Abgesehen vom Aufstiegserfolg war die Saison für mich die beste Saison meiner Karriere, das stimmt. Es gibt dafür viele Gründe, zum einen kam mir unsere offensive Spielweise sehr entgegen, andererseits hat die Mannschaft als Ganzes perfekt harmoniert – und irgendwann hat man einen Lauf. Nun will ich beweisen, dass ich auch ein Erstligaspieler bin.

Laut Statistik haben Sie in der 2. Liga in 224 Spielen sensationelle 89 Tore erzielt. In der Bundesliga trafen Sie nur dreimal in 46 Spielen. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Das ist, oder nein, das war sicherlich auch stets eine Kopfsache. Mir haben viele Trainer schon gesagt, dass ich ein Erstligastürmer bin. Und ich bin nach wie vor davon überzeugt. Wenn es dann aber nicht läuft, denkt man viel darüber nach, wo die Ladehemmung herrührt. Mittlerweile bin ich 32 Jahre alt und ich lasse solche Gedanken nicht mehr so nah an mich ran. Ich weiß, dass ich es kann.

Viele Ihrer Mitspieler haben noch keine Bundesliga-Erfahrung. Sind Sie nun der große Bruder, der erzählen muss, wie es dort zugeht?

Nein, sicherlich nicht. Wenn jemand zu mir kommt und fragt, sage ich: »Freut euch. Die Bundesliga ist noch mal ganz anders als die Zweite Liga.«

Auch weil der HSV dort wartet.

Sicherlich. Doch das Derby ist momentan noch kein Thema, zunächst kommen Freiburg, Hoffenheim und Köln. Ich will nicht sagen, dass es ein Spiel wie jedes andere ist, denn der HSV und St. Pauli werden wohl nie richtige Freunde und für das Viertel und die Fans steckt natürlich ungeheuer viel in dem Spiel. Von daher wollen wir da natürlich sehr gerne gewinnen, alleine, um den Fans etwas zurückzugeben. Auch wenn es letztendlich nur drei Punkte gibt.

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