Mario Gomez im Interview

»Ich war Eintracht-Fan«

Mario Gomez ist erst 23, doch er war bereits Meister und hat eine verkorkste EM hinter sich. Im neuen 11FREUNDE-Heft erzählt er von verstolperten Chancen, Vehs Abgang und wie es Magath nicht gelang, ihn fertigzumachen. Mario Gomez im InterviewImago
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Mario Gomez, in der Traumelf, die Sie auf Ihrer Homepage benennen, steht außer Jay-Jay Okocha kein Spieler aus der Bundesliga.

Das liegt wohl daran, dass ich mir bei der Zusammenstellung keine Gedanken gemacht habe, wer wo gespielt hat, sondern versucht habe, die Besten zu benennen.

Und die spielen offensichtlich nicht in der Bundesliga.

Andere Ligen haben eben mehr Geld, deshalb spielen die besten Spieler fast zwangsläufig woanders.

Allerdings gehören auch Romario oder Maradona zu Ihrer Traumelf, die in Zeiten aktiv waren, als die Bedeutung der Bundesliga noch größer war.

Es sind die Helden meiner Kindheit. Damals habe ich nur sehr wenig Fußball im Fernsehen gesehen, weil ich die meiste Zeit auf dem Bolzplatz verbrachte. So wurde ich als Schwabe auch Fan von Eintracht Frankfurt.

Sie waren Eintracht-Fan?

Es hatte keine rationalen Gründe. Mit sieben sah ich durch Zufall in der  »Sportschau« ein Spiel der großen Frankfurter Mannschaft mit Bein, Yeboah und Binz. Jay-Jay Okocha spielte darin seinen Gegenspieler aus, indem er den Ball mit der Hacke über seinen Kopf lupfte. Das wollte ich auch können.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie den Trick drauf hatten?

Ein paar Wochen bei uns im Garten, so schwer ist der auch wieder nicht. Aber um den Trick bei einem Bundesligaspiel anzuwenden, muss man schon verdammt gute Nerven haben. Deshalb gehört Okocha in meine Traumelf. 

Uwe Bindewald hat es zumindest als Ersatzspieler geschafft.

Wer Fan des Eintracht-Teams Anfang der Neunziger war, war zwangsläufig Anhänger von Uwe Bindewald. Wenn die anderen nach vorne rannten, um Tore zu machen, blieb er hinten und kloppte halt die Dinger raus. Das hat mir imponiert.

Romario spielt in dieser Fantasie-Elf die Position, die Sie heute spielen. Ihr Idol?


Meine erste WM erlebte ich bewusst 1994 während eines Urlaubs. Romario traf im Finale im Elfmeterschießen und alle Kinder waren auf Seiten der Brasilianer. In RoMario steckt mein Name mit drin, er war Stürmer, hat laufend Tore gemacht. Logisch, dass er mein Idol wurde.
Obwohl er eine gänzlich andere Spielweise als Sie hatte. Auf so etwas achtet man als Kind nicht. Es gab auch andere Stürmer, die ich in dieser Zeit sehr verehrt habe: Raúl, Rivaldo, Ronaldo.

Waren Sie damals schon wesentlich talentierter als die anderen Kinder?

Keine Ahnung, aber seit ich denken kann, habe ich mehr Tore gemacht als andere. Wer die meisten Tore macht, steht zwangsläufig im Mittelpunkt.

Sie spielen mit viel Körpereinsatz. Kein Wunder, bei 1,89 Meter Größe.

Ich war schon immer recht groß. Deshalb hatte ich auch am Anfang meiner Profizeit Probleme mit dem Kopfballspiel.

Klingt paradox.

Natürlich habe ich auch als Jugendspieler Kopfballtore erzielt. Wie gesagt, ich war viel größer als die meisten Abwehrspieler und brauchte nur einzunicken, wenn der Ball kam. So kam es, dass es mir in den ersten drei Jahren als Profi gehörig an Sprungtiming fehlte, weil ich nie gezwungen war, beim Kopfball richtig hochzuspringen.

Haben gute Stürmer das Vollstrecken in den Genen?

Zumindest war ich schon immer sehr zielstrebig. Auch in der Schule wollte ich stets der Beste sein.

Aber Talent allein hilft einem in der Schule nicht weiter.

Mag sein, aber es fiel mir relativ leicht zu lernen. Wenn sich andere die Dinge dreimal durchlesen mussten, um sie zu begreifen, reichte bei mir oft einmal. Obwohl ich die meiste Zeit auf dem Bolzplatz verbracht habe, war ich verhältnismäßig gut in der Schule.

Jay-Jay Okocha ist es gelungen, Fußball stets wie ein Spiel aussehen zu lassen. Inwieweit begreifen Sie das Kicken noch als Spiel?

Ohne dieses Gefühl geht es nicht. Natürlich weiß ich, dass es um viel geht. Aber ich sehe zu, dass negative Impulse, die von Misserfolgen ausgehen, nie auf mein Privatleben übergreifen.

Heißt das, Sie sind anders als andere Stürmer immun gegen Ladehemmung?


Natürlich war die EM eine schwierige Zeit für mich, auch die Zeit im Anschluss. Ich kannte das Gefühl noch nicht, nach drei Vorrundenspielen plötzlich nur noch zweite Wahl zu sein. Trotz einiger Frustmomente bin ich mir aber sicher, dass sich das nicht auf mein Privatleben ausgewirkt hat.

Wie kompensiert ein Stürmer den Misserfolg bei seinem ersten großen Turnier?

Indem man die Situation sachlich analysiert. Ich habe vor der EM 22 Jahre lang fast immer alles getroffen, und nun habe ich in Österreich und der Schweiz in vier Spielen mal nicht getroffen. So was kommt vor – und passiert bestimmt auch noch mal.

Haben Sie sich bei der EM zu sehr unter Druck gesetzt?


Wahrscheinlich. Auch ich habe mich mehrfach gefragt, warum der Ball von Miro Klose im Spiel gegen Polen nicht einen Millimeter näher bei mir war. Aber solche Gedanken ziehen einen nur runter, also habe ich aufgehört, darüber nachzudenken.

Sehen Sie sich vergebene Großchancen wie die im EM-Spiel gegen Österreich im Nachhinein noch mal an?

Damit habe ich kein Problem – und ich kann Ihnen schon jetzt prophezeien: Dass ich vier Spiele in Folge nicht treffe oder große Chancen vergebe, wird mir in meiner Karriere bestimmt noch öfter passieren. Aber da kann ich nur einen berühmten Torhüter zitieren: »Es muss immer weiter gehen.« Und es geht immer weiter im Fußball.

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