11.09.2007

Mario Gomez im Interview

„Ich ließ mich nicht feiern“

Noch vor zwei Jahren kannte kein Mensch Mario Gomez. Dann schoss er den VfB Stuttgart zum Titel und wurde nun zum Fußballer des Jahres gewählt. Wie vermeidet es ein junger Mann von 22 Jahren da, die Bodenhaftung zu verlieren?

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago
Herr Gomez, wen hätten Sie eigentlich zum Fußballer des Jahres gewählt?

Ich werde Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Als der Chefredakteur vom "Kicker" mich angerufen hat, hat er gesagt, es geht um die Wahl zum Fußballer des Jahres. Im ersten Augenblick habe ich gedacht, jetzt muss ich einen wählen und bin ein paar Namen durchgegangen. Dann hat er mir gesagt, dass ich zum Fußballer des Jahres gewählt worden bin.

Ihnen ist auch kein Besserer eingefallen?

Ehrlich, spontan ist mir niemand eingefallen. Aber sicher kommen immer ein paar Spieler infrage. Ich denke an Diego und Bernd Schneider, die ja knapp hinter mir gelandet sind.



Wenn Sie einen der beiden Titel hergeben müssten, welcher wäre es: der des Deutschen Meisters oder der des Fußballer des Jahres?

Ich gebe keine Titel her. Das ist zwar Vergangenheit, aber es waren super schöne Erfolge, die mich stolz machen. Ich weiß jetzt wie schön es ist, wenn man Meister und wenn man Spieler des Jahres wird. Das gehört jetzt zu mir.

Sie sind 22, Fußballer des Jahres, Deutscher Meister und Nationalspieler. Macht Ihnen das keine Angst?

Nein, Angst nicht. Aber Zeit, darüber nachzudenken, hatte ich bisher noch nicht. Unser Geschäft ist super schnell. Jetzt stehen zwei Länderspiele an. Daheim beim VfB Stuttgart haben wir derzeit Probleme. Wir haben keinen guten Saisonstart hingelegt. Es darf uns nicht passieren, dass wir uns an die Erfolge der vergangenen Saison erinnern. Wir müssen schauen, was ist und nicht, was wir erreicht haben.

Was hat Sie denn geritten zu sagen: Ich gehe nicht zu Juventus Turin und verdiene in den nächsten fünf Jahren keine 20 Millionen Euro netto?


Natürlich hat mich die Anfrage sehr stolz gemacht. Es war ein konkretes, ernstes Angebot. Aber ich glaube, dass ich mich am besten beim VfB entwickeln kann. Vielleicht bin ich schon so weit, aber wenn ich bei der EM dabei sein will, kann es von Vorteil sein, im Land zu bleiben. Ich denke einfach, dass es im Moment für mich das Richtige ist, beim VfB zu bleiben. Ich habe dem VfB viel zu verdanken, und der VfB hat mir viel zu verdanken. Ich glaube aber, dass ich mich in Turin genau so durchgesetzt hätte. Das hätte ich mir auch zugetraut.

Ist es angesichts Ihres Alters und Ihres schnellen Erfolgs von Vorteil, noch in der Nähe Ihrer Eltern zu bleiben?

Nein, so etwas kann man im Voraus nicht sagen. Bei manchen Spielern klappt die Umgewöhnung von Anfang an, bei anderen klappt sie nie. Die werden nie zurecht kommen im Ausland. Ich habe noch viel Zeit, ich kann immer noch ins Ausland wechseln, und das bleibt auch mein Wunsch. Aber nicht jetzt.

Sie haben beim VfB bis 2012 unterschrieben. Schließen Sie aus, dass Sie nicht jedes Jahr neu überlegen?


2012 bin ich 27. Das ist für einen Wechsel sicher nicht zu spät. Aber im Fußball kann man nie sagen, was kommt.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden