22.07.2011

Mario Götze im 11FREUNDE-Interview (#2)

»Keine Zeit zum Durchdrehen«

Das neue Bundesliga-Sonderheft von 11FREUNDE ist ab sofort im Handel. Darin u.a.: Ein Portrait über Mario Götze, den Nachwuchsstar der Dortmunder Meistermannschaft. Lest hier Teil 2 des großen Begleitinterviews mit Mario Götze.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Mario Götze, waren Ihre Eltern die klassischen Sportlereltern und bei jedem Jugendspiel mit dabei?

Mario Götze: Natürlich haben sie viel dafür getan, dass wir spielen konnten. Sie haben uns immer zum Training gebracht, sind ständig gefahren, entweder meinen Bruder oder mich. Dadurch waren sie natürlich oft dabei. Aber irgendwann war klar, dass es das ist, was ich will und gute Chancen habe, im Fußball  auch etwas zu erreichen.

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Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie das Zeug zum Profi haben?

Mario Götze: Das ist noch gar nicht so lange her. Erst nach der Weltmeisterschaft mit der U17 war ich mir sicher, dass ich es um jeden Preis als Fußballer versuchen will.

Und vorher?

Mario Götze: Da war es eher so, dass ich einfach gespielt habe. Der wirkliche Moment, an dem mir klar wurde, dass ich es schaffen kann und auch schaffen will, kam erst vor ungefähr zwei Jahren.

Gab es ein besonderes Spiel oder einen Moment, wo auch Sie keinen Zweifel mehr hatten, dass Sie um Längen besser sind als andere?

Mario Götze: Nein, sowas liegt doch ohnehin immer im Auge des Betrachters.

Na gut, aber ein Fußballer braucht doch auch das Selbstbewusstsein zu erkennen, was er kann. Sonst wären Sie wohl kaum dazu in der Lage, vor 80.000 Menschen im Stadion zu zaubern.

Mario Götze: Natürlich. Es wäre schlecht, wenn ich das nicht hätte.

Ihr älterer Bruder Fabian spielt nach einer leidlich erfolgreichen Zeit beim FSV Mainz nun in der 2. Mannschaft des VfL Bochum und lebt das Leben eines Durchschnittsprofis. Beneiden Sie ihn manchmal um die normale Taktung des Profi-Alltags?

Mario Götze: Natürlich wünsche ich mir auch manchmal eine Auszeit, aber ich bin vollkommen zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Wäre ich jetzt an Fabians Stelle, wäre ich nicht Meister geworden. Manche Spieler brauchen ihre Zeit, entwickeln sich später und manche eben früher. Julian Draxler ist auch erst 17, bei Arsenal gibt es Jack Wilshere, in Brasilien Neymar. Alles Spieler, die man als Shootingstars bezeichnen kann.

Brüder stehen oft in Konkurrenz zueinander. Wie geht Fabian damit um, dass der Kleine viel erfolgreicher ist?

Mario Götze: Wir haben zusammen in der A-Jugend gespielt, sind immer zusammen zum Training gefahren und haben uns dabei wie Brüder verstanden. Das war eine richtig gute Zeit, und ich habe mich sehr für ihn gefreut, als er nach Mainz gewechselt ist. Als es dort nicht so geklappt hat, konnte ich leider nicht für ihn da sein, was mir leid getan hat. Aber er kriegt das schon gebacken. Es ist eigentlich weniger Konkurrenz zwischen uns als viel mehr Freude für den anderen. Es ist nicht so, dass er mich beneidet.

Ihr Bruder Fabian kann nach wie vor unbehelligt ins Restaurant gehen. Fehlt Ihnen das?

Mario Götze: Manchmal denke ich schon, dass ich doch lieber ein »normaler« Junge wäre, aber ich lebe gerade meinen Traum, und die Abstriche, die ich da machen muss, sind nicht so gravierend, dass ich dass Gefühl habe, es entgeht mir was. Ich denke, ich bin ziemlich glücklich.

Gab es in der zurückliegenden Saison eine Situation, in der Ihnen jemand sagen musste: »Mario, jetzt heb mal nicht ab«?

Mario Götze: Nee, eigentlich weniger. Es gab ja auch keine Zeit durchzudrehen: In der Hinrunde ging es Schlag auf Schlag mit den Spielen in der Bundesliga und in der Europa League. Als im Winter Zeit war abzuschalten, war schon klar, dass wir Meister werden wollen, und da macht man sich weniger Gedanken über sich selbst als über die Mannschaftsleistung.

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