Mario Götze im 11FREUNDE-Interview (#1)

»Ein gottgegebenes Talent«

Das Warten hat ein Ende: Ab sofort ist das neue 11FREUNDE Bundesliga-Sonderheft im Handel! Darin u.a.: Ein Portrait von Tim Jürgens über den Shootingstar der abgelaufenen Saison: Dortmunds Mario Götze. Teil 1 des exklusiven Begleitinterviews. Mario Götze im 11FREUNDE-Interview (#1)Katrin Binner
Heft#117 08/2011
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Mario Götze, was für Ziele hat ein Jungprofi wie Sie nach so einer grandiosen Spielzeit. Besser geht es doch nicht, oder?

Mario Götze: Und ob. Zunächst mal möchte ich schleunigst meinen linken Fuß und mein Kopfballspiel verbessern. Und ich muss zusehen, wie im letzten Jahr verletzungsfrei zu bleiben. Sie sehen, es gibt einiges zu tun.

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Vor einigen Monaten sagten Sie, es sei schwer zu realisieren, was gerade um sie herum passiere. Ist es Ihnen mit etwas Abstand gelungen?

Mario Götze: Nicht wirklich. Nach der Meisterschaft bin ich direkt wieder zur Nationalmannschaft gefahren, da blieb wenig Zeit zur Besinnung.

Beschreiben Sie doch mal das Grundgefühl, das Sie in dieser Saison begleitet hat. Totale Freude über das was abläuft oder auch ein bisschen Unsicherheit?

Mario Götze: Es ist nicht so einfach, das klar zu sortieren. Aber generell ist es perfekt gelaufen, denn ich habe mein Umfeld behalten. Ich wohne nach wie vor zu Hause, muss dort wenig machen und kann mich voll und ganz auf Fußball konzentrieren. Gerade weil ich neben dem Fußball kaum Stress habe, fällt mir alles ziemlich leicht.

Was heißt: wenig machen?

Mario Götze: Meine Mutter macht nach wie vor meine Wäsche, und ich werde auch bekocht.

Und Sie gedenken auch nicht, daran was zu ändern?

Mario Götze: Ich habe mir zumindest noch keine Gedanken über einen Auszug gemacht.  

Was hat sich in Ihrem Leben in den vergangenen 365 Tagen grundlegend verändert?

Mario Götze: Wenn man in die Stadt geht oder generell in die Öffentlichkeit tritt, ist es schon alles anders. Natürlich bemerke ich die Blicke und werde oft angesprochen.

Und der körperliche Verschleiß? Selbst Spieler aus der Kreisliga wissen, dass der Sprung aus der A-Jugend in den Herrenbereich der schwierigste ist.

Mario Götze: Mein Glück war, dass ich bereits in der vorletzten Saison fünf Einsätze für den BVB in der Bundesliga hatte, bei denen ich den extremen Unterschied bemerkte. Deshalb habe ich in der zurückliegenden Saison täglich an meinem Körper gearbeitet, um verletzungsfrei zu bleiben. Das hat ganz gut geklappt.

Und sonst?

Mario Götze: Ich empfinde relativ wenig Druck. Wenn etwas klappt, dann klappt's, und wenn nicht, dann beim nächsten Mal. Natürlich wird es nicht so einfach sein, gleich an die vergangene Saison anzuschließen, aber wir werden sehen. Ich bin ganz zuversichtlich.



Alle fragen sich, wann der große Knall bei Borussia kommt und der außergewöhnliche Mannschaftsgeist anfängt, unter den Eitelkeiten Einzelner zu leiden.

Mario Götze: Die Gefahr sehe ich nicht. Dadurch, dass die meisten vertraglich noch lange an den Verein gebunden sind und wir Typen in unserer Mannschaft haben, die nicht zu solchen Aktionen neigen, muss man keine Befürchtungen haben, dass irgendeiner plötzlich aufhört zu laufen.

Haben Sie mal mit Nuri Sahin darüber gesprochen, worauf sich ein junger Spieler gefasst machen muss, wenn er sich in der Bundesliga etabliert. Sahin hat sein früher Erfolg zwischenzeitlich ein wenig zu schaffen gemacht.

Mario Götze: Jeder verarbeitet solche Situationen individuell. Mit Nuri Sahin habe ich darüber nicht gesprochen. Ich habe meine Eltern und meinen Berater, die bei mir ab und zu auf die Bremse treten. Mir ist klar, dass dass ich erst ein Jahr hinter mir habe und das meiste noch vor mir liegt.

Sahin war der jüngste Spieler der Bundesligageschichte. Nach einer erfolgreichen Frühphase, kam er in die Krise und versuchte schließlich in den Niederlanden einen Neustart. Setzen Sie sich mit solchen Entwicklungen auseinander?

Mario Götze: Jede Karriere verläuft anders, und man muss jede Situation individuell betrachten. Mein Vorteil gegenüber Nuri damals ist, dass jetzt kein Trainerwechsel beim BVB stattfindet und unsere Mannschaft größtenteils zusammenbleibt. Ich muss mich also nicht großartig umstellen.

Lars Ricken war auch ein großes Talent, das durch sein Tor im Champions League Finale 1997 in die Geschichte des BVB einging. Seine Karriere fing sehr gut an und stagnierte später. Denken Sie über so etwas nach?

Mario Götze: Momentan nicht, nein. Es war mein erstes Jahr und mein Ziel ist, stetig besser zu werden. Und überhaupt: Lars Ricken kann auf eine großartige Karriere zurückblicken. Dass eine Laufbahn nicht immer nur kontinuierlich nach oben geht, ist wohl normal. Ronaldinho war Weltfußballer und ist auch nicht mehr so stark, wie er mal war. Oder denken Sie nur an Adriano… Aber es gibt auch Spieler, die über lange Zeit ihre Leistung gebracht haben, etwa Lionel Messi oder Zinedine Zidane. Es hängt von jedem selbst ab. Kurz: Ich hoffe einfach, dass es nicht irgendwann so sein wird, dass ich runterschalte.



Worüber sprechen Sie mit ihren Eltern hinsichtlich Ihrer Laufbahn?

Mario Götze: Vielleicht ist es gerade ein Vorteil, dass es auch andere Dinge innerhalb der Familie gibt, über die wir sprechen. Ich habe zwei Brüder, um die müssen sich meine Eltern genauso kümmern. Mein Elternhaus gibt mir die Zeit und die Ruhe, über die Ereignisse um mich zu reflektieren. Aber natürlich spreche ich insbesondere mit meinem Vater viel darüber, was anderen Spielern fehlt und welche Vorteile sich daraus ergeben, dass ich noch ziemlich jung bin und zu Hause wohne.

Ihr Vater ist Professor für Datentechnik im Fachbereich Elektrotechnik. Und ein Fußball-Nerd?

Mario Götze: Als Nerd würde ich ihn nicht unbedingt bezeichnen, aber natürlich kennt er sich aus.

Er hat gesagt: »Der Junge war nicht mehr an der Schule zu halten.«

Mario Götze: Ich habe mit meinem Vater viel diskutiert, ob es richtig ist, die Schule zu beenden. Ich wollte aufhören, um meinen Körper zu verbessern und mehr Zeit zu haben, daran zu arbeiten.

Was er nicht so besonders fand.

Mario Götze: Natürlich war er nicht begeistert. Er wollte schon, dass ich das Abi mache. Das wollte er auch bei meinem Bruder, und der hat's durchgezogen. Wir hatten schon in der elften Klasse Diskussionen darüber, dass ich aufhören möchte. Im Endeffekt war es aus meiner Sicht jetzt die richtige Entscheidung nach der zwölften Klasse mit dem Fachabitur zu beenden.  

Die Sorge Ihres Vaters ist berechtigt. Ein Fußballer schwebt immer in der Gefahr, dass die Karriere durch eine Verletzung jäh beendet wird. Hat Ihnen Ihr Vater das Versprechen abgerungen, dass Sie sich neben dem Fußball für alle Fälle weiterbilden?

Mario Götze: Er sagt schon, dass ich auch was für meinen Kopf tun solle. Es ist aber nicht so, dass ich nun nebenbei studieren muss. Ich bin sicher, dass diese Erkenntnis irgendwann von selbst reift. Theoretisch kann ich bis Mitte 30 spielen, ich habe also noch ein bisschen Zeit, mir Gedanken zu machen, wie es für mich mal weitergeht.

Von wem haben Sie eigentlich das Talent? Ihr Bruder ist ebenfalls Profi.

Mario Götze: Von meinem Vater hätte ich höchstens das schulische Talent erben können, habe ich aber nicht. (lacht) Im Ernst: Mein Bruder und ich haben schon immer Fußball gespielt. Das Talent muss wohl von Gott gegeben sein.

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Morgen auf www.11freunde.de: Teil 2 des großen Mario-Götze-Interviews. Dortmunds Megatalent über Besuche bei den Großeltern, Meisterprämien und dicke Uhren. Ab 10 Uhr online!

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