Mario Eggimann im Interview

»Ich bin dran«

Mario Eggimann war unumstrittener Abwehrchef beim KSC. Doch dann begann die Krise: Er wurde nicht für den Schweizer EM-Kader nominiert, bei seinem neuen Verein Hannover 96 saß er oft auf die Bank. Was nun, Herr Eggimann? Mario Eggimann im InterviewImago

Herr Eggimann, pünktlich zum Rückrundenbeginn hat Hannover den zuvor abgeschafften  Mannschaftsrat wieder eingeführt, um die Hierarchien in der Mannschaft zu stärken, hieß es. Sind die Hierarchien jetzt klarer?

Eine gewisse Hierarchie war natürlich schon vorher in der Mannschaft. Letztlich sind auch die Spieler in den Mannschaftsrat gewählt worden, die an der Spitze der Hierarchie standen. Von da her war es keine Überraschung. Aber es ist gut, dass es ein Organ gibt, das zwischen Mannschaft und Trainer vermittelt. Wenn es Anregungen aus der Mannschaft gibt, dann ist das sicher eine nützliche Sache.

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Was hat sich dadurch konkret geändert?


Es sind kleine Dinge, die innerhalb der Mannschaft passieren. Wenn der Trainer wissen will, wie sich die Mannschaft fühlt, was in der Mannschaft los ist, dann werden diese Spieler vermehrt einbezogen.

Hat das Auswirkungen auf das Geschehen auf dem Platz?

Nein, man darf auf dem Platz nicht mehr oder weniger Verantwortung tragen, nur weil man im  Mannschaftsrat ist. Jeder ist angewiesen, so viel Verantwortung wie möglich zu übernehmen. Schlussendlich kann man da nicht schauspielern: Entweder man übernimmt Verantwortung oder eben nicht.

Sie waren vorher Kapitän beim KSC. Welche Rolle spielen Sie in der Hannoveraner Mannschaftsordnung?

Ich bin noch nicht so lange da. Aber ich werde mich nach oben arbeiten. Hier bin ich bei einer Mannschaft, in der sehr viele Spieler schon sehr lange da sind. Daher ist die Hierarchie schon gegeben, und das ist gut so. Ich sollte nicht mit dem Kopf durch die Wand preschen, sondern mich einreihen und nach oben arbeiten.

Wen sehen Sie denn momentan in ihrer Mannschaft als Führungsspieler?

Wenn man den Kapitän und den Mannschaftsrat nimmt, hat man im Prinzip die Führungsspieler. Das sind Leute wie Enke, Balitsch oder auch Tarnat, der zwar nicht im Mannschaftsrat sitzt, aber natürlich über sehr große Erfahrung verfügt.

Es heißt, sie seien eher ein ruhiger Typ...


Ich bin nicht ruhig, ich bin besonnen, jemand der nachdenkt. Es gibt viele, die sprechen, bevor sie nachdenken, ich denke erst nach, bevor ich spreche. Und das hat nichts mit einem ruhigen Typ zu tun, sondern ich bin jemand, der überlegt ist. Und das ist ein Unterschied.

Haben es ruhige oder besonnene Charaktere schwerer als Führungsspieler?

Man braucht länger bis man sich durchgesetzt hat. Aber man wird akzeptiert. Ich hatte in Karlsruher einen sehr hohen Status. Daher sieht man, dass das möglich ist.

Nach dem 1:0-Sieg gegen Schalke 04 folgte ein 1:3 in Cottbus. Wie bewerten Sie diesen Rückrundenstart?

Wir haben den Sieg gegen Schalke sehr gebraucht, damit bei uns wieder etwas Ruhe und positive Stimmung einkehrt. Danach haben wir uns sehr viel vorgenommen gegen Cottbus. Schließlich ist die  Auswärtsserie von Hannover nicht gerade gut. Nur einen Punkt aus neun Spielen; diesen Bann galt es zu brechen. Unsere Erwartungen waren dementsprechend groß. Leider konnten wir ihnen nicht gerecht werden.

Gegen den VfB Stuttgart gibt es am Wochenende die Möglichkeit der Wiedergutmachung. Werden Sie von Beginn an spielen?

Ich gehe davon aus, ja.

Ihr Ex-Kollege Maik Franz hatte ein  besonderes Verhältnis zu Mario Gomez. Inwiefern ist das anstehende Duell für sie interessant?

Was zwischen Maik Franz und Mario Gomez ist, das ist ihre Sache. Das beeinflusst mich in keiner Weise. Mir ist diese Fede völlig egal. Hier geht’s um etwas anderes.

Um was geht es denn?

Die Vorbereitung auf einen guten Stürmer. Man stellt sich jede Woche auf die Stärken und Schwächen der Gegenspieler ein, sei es ein Mario Gomez oder ein anderer Stürmer. Mario Gomez ist ein sehr gefährlicher Stürmer,  immer für ein Tor gut, auch wenn er mal nicht so gut spielt. Er steht am richtigen Ort und macht das Richtige. Deshalb muss man bei ihm hellwach sein.

In der Hinrunde bekamen Sie nicht immer die Chance, ihr Können zu beweisen. In der letzten Saison waren sie Erfolgsgarant und eine der Entdeckungen beim KSC. Was läuft bei Hannover anders?

Die Hinrunde ist für mich persönlich und für den Verein nicht gut gelaufen. Ich habe die Hinrunde jetzt abgehakt und möchte auch nicht mehr groß darüber sprechen. Es kann passieren, dass es mal nicht so läuft, aber wichtig ist, dass man aus so einem Tief wieder rauskommt. Da bin ich dran und bin guten Mutes, dass die Rückrunde besser läuft.

Wie haben Sie denn bisher versucht, aus diesem Tief herauszukommen?


Ich habe für mich das letzte Jahr abgeschlossen und mir ganz klar gesagt, dass ich nach vorne schauen will. Ich habe jetzt noch 15 Spiele Zeit, und am Ende der Saison rechne ich dann für mich ab.

Wie darf ich mir das vorstellen, wenn ich als gestandener Profi auf der Bank sitze. Zweifelt man dann an sich selbst oder entwickelt man eine Jetzt-erst-recht-Stimmung?


Es war eine neue Situation für mich. Aber ich habe mich auf alles eingestellt, als ich hier hergekommen bin, auch darauf, dass es  negativ laufen kann. Ich habe diese Herausforderung gesucht, bin aber auf kurz oder lang überzeugt, dass ich mich hier durchsetzen werde. Meine  Startschwierigkeiten sind jetzt überwunden.

Haben Sie in diesen Zeiten das Gespräch mit dem Trainer gesucht?


Ja klar, ich habe öfters mit dem Trainer geredet, und ich war  froh, dass er in schweren Zeiten hinter mir gestanden hat. Auch wenn ich mal nicht gespielt habe, hat er mir trotzdem das Gefühl gegeben, dass er weiterhin auf mich setzen wird. Er hat mich immer positiv gestimmt. Daher gibt es von der Seite überhaupt keine Probleme.

Der Karlsruher SC steht momentan auf Platz 16. Stünde er ihrer Meinung nach besser da, wenn sie dort noch spielen würden?


Klar habe ich irgendwo das Herz noch ein Stück weit beim KSC. Doch das Sportliche ist jetzt für mich abgeschlossen. Ich bin Profi bei Hannover 96. Es war sicherlich eine schöne Zeit beim KSC, aber jetzt bin ich hier, und das lässt sich nicht mehr ändern. Ich wünsche dem KSC natürlich das Beste, aber letztendlich muss ich auf meine Mannschaft schauen.

Mit Federico und Engelhalrdt hat der KSC ehemalige Führungsspieler zurückgeholt. Können Sie sich auch vorstellen, irgendwann zurückzugehen?

Im Fußball weiß man nie, wo die Wege hinführen. Ich wäre glücklich, wenn es irgendwann wieder so weit kommen würde. Aber ich hoffe, dass es noch nicht so schnell passiert. Ich möchte mir Zeit lassen und ein paar andere Sachen sehen. Mit Hannover möchte ich noch einiges erleben. Aber wenn es dann irgendwann mal so weit kommt, freue ich mich natürlich auch.

Vor ihrem Wechsel zu Hannover hatten Sie auch die Möglichkeit, nach Dortmund oder Berlin zu wechseln. Beide Klubs spielen jetzt eine sehr gute Rolle in der Liga. Glauben Sie, dass Sie es dort leichter gehabt hätten?

Fakt ist, dass ich mich ohne zu zweifeln für Hannover entschieden habe. Dieses Jahr läuft es hier noch nicht so gut. Aber vielleicht ist nächstes Jahr alles anders und wir stehen vorne. Dann fragt man mich natürlich wieder: »Sind sie froh, dass sie zu Hannover gewechselt sind und nicht zu Dortmund?« Ich stehe zu meiner Entscheidung.

Die EM 2008 haben Sie knapp verpasst. Jakob Kuhn hat sie nicht in den Kader der Schweiz berufen. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Sie bei der WM 2010 dabei sind?

Ich kann nur über den Verein auf mich aufmerksam machen. Alles andere entscheidet Ottmar Hitzfeld. Ich bin in der Hinrunde nicht so oft berücksichtigt worden, weil ich in der Bundesliga nicht gespielt habe. Auch im  letzten Testpiel war ich nicht dabei, aber ich hoffe, dass das demnächst wieder anders wird.

Haben Sie Kontakt zu Ottmar Hitzfeld?

Der Trainer ruft vor jedem Zusammentreffen der Nationalmannschaft an. Er sucht das Gespräch mit jedem Spieler und nennt dann auch Gründe, warum man nicht dabei ist. Das hat dann immer wieder eine gewisse klasse.

Welche Gründe hat er Ihnen genannt?

Er hat mir zwar Gründe genannt. Die sind aber vertraulich zwischen dem Trainer und mir.

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