Mario Basler über die Mutter aller Niederlagen

»Wir haben abgehottet«

Pressesprecher Markus Hörwick hatte schon eine SMS vorbereitet: »Bayern gewinnt die Champions League durch ein Freistoßtor von Mario Basler«. Doch dann traf ManU noch zwei Mal. Basler feierte dennoch. Hier sein Partybericht. Mario Basler über die Mutter aller Niederlagenimago
Heft #90 05/2009
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Herr Basler, Ihr damaliger Mitspieler Alexander Zickler verriet uns, die Frustfeier nach der Niederlage gegen ManU sei die beste Party seines Lebens gewesen.

Das freut mich! Und der Alex hat Recht: Die Party war eine Sensation, wir haben richtig Gas gegeben. Wir hätten nicht besser feiern können, wenn wir gewonnen hätten. Man hatte nicht das Gefühl, das wir zweiter Sieger waren.

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Es ist überliefert, dass Sie die Sause angezettelt haben.

Ich hab ja öfter mal was angezettelt. Auch an diesem Abend war ich mit dafür verantwortlich, dass es so eine schöne und lange Party wurde.

Was machte die Party so besonders?

Details werde ich Ihnen nicht verraten. Nur soviel: Die Party war im Hotel, es wurde getrunken, gelacht und abgehottet, dass die Tanzfläche brannte. Beziehungsweise die Tischdecke, wir haben ja auch auf den Tischen getanzt. Wir waren erst in den Morgenstunden im Bett.

Einige Kollegen gingen nach dem Essen direkt schlafen. Spaßbremsen aus Ihrer Sicht?

Nein, jeder geht anders mit einer Niederlage um. Von daher: Keine Vorwürfe von meiner Seite.

Gehe ich richtig in der Annahme, dass es in ihrem Wesen liegt, auch Niederlagen zu feiern?

Schauen Sie, es gibt doch viel Schlimmeres auf dieser Welt, als dass man ein Fußballspiel verliert. Das gilt auch für ein Endspiel. Es gibt für mich keinen Grund, mich nach einer Niederlage einzugraben.

Dennoch dürften die beiden späten Gegentore auch für Sie ein Schock gewesen sein.

Fußball lebt von Überraschungen. Wenn man innerhalb von zwei Minuten verliert, ist man sicherlich nicht begeistert. Aber zwei Stunden später war das für mich gegessen.

Wie haben sie die späten Tore von Sheringham und Solskjaer erlebt?

Ich war in der 80. Minute vom Feld gegangen und sah das Unheil von der Bank aus. Es hat mich sehr geärgert, dass ich dann nicht mehr eingreifen konnte. Aber was mich am meisten ärgerte: Wir hätten das Spiel viel eher für uns entscheiden müssen, waren die klar bessere Mannschaft. Wir haben es nur nicht fertig gebracht, das 2:0 zu machen.

Sie hatten schon in der sechsten Minute die 1:0-Führung erzielt. Ein Traumstart.

Ich wollte diesen Freistoß unbedingt verwandeln. Und so habe ich auch gedacht: »Den machst du jetzt rein, den machst du jetzt rein.« So kam es. Fertig.

Bayerns Pressesprecher Markus Hörwick hatte schon eine SMS für seinen Pressverteiler vorbereitet: »Bayern gewinnt die Champions League durch ein Freistoßtor von Mario Basler«. Sie hätten in die Geschichte eingehen können, Herr Basler.

Bin ich das nicht sowieso? (lacht) Aber im Ernst: Sicherlich wäre das eine schöne Überschrift gewesen. Aber Siegtore zu schießen war mir nie besonders wichtig, mir ging es um den Erfolg der Mannschaft.

Nun waren Sie mit Spielern wie Effenberg, Matthäus und Kahn in einem Team, für die der Sieg das Allerwichtigste war. Wie wirkten diese Kollegen nach der Niederlage auf Sie?

Ich sag mal so: Für mich ist es das Allerwichtigste, dass meine Familie gesund ist. Fußball ist nur mein Beruf.

Sie klingen sehr abgeklärt. Waren Sie denn vor dem Finale ein wenig nervös?

Nervosität kenn ich nicht. Es war schön, bei diesem Spiel dabei gewesen zu sein. Mehr nicht.

Haben Sie auch schon vor dem Finale versucht, Ihre Kollegen ein bisschen aufzulockern?

Ja, klar. Ich habe schon meine Witzchen gemacht. Ich könnte mich nie in eine Ecke setzen und mich konzentrieren.

Nach dem Spiel dürften die Witzchen aber nicht mehr so gut angekommen sein.

Wo denken Sie hin? Wenn ich überhaupt etwas gesagt habe, so direkt nach dem Spiel, dann dass man im Leben immer eine Möglichkeit bekommt, die Dinge wieder gerade zu rücken. Zwei Jahre war es dann ja auch soweit: Da haben die Bayern erst im Halbfinale ManU rausgeschmissen und dann das Endspiel gegen Valencia gewonnen.

Ottmar Hitzfeld wollte, dass die Mannschaft bei der Siegerehrung Spalier steht. Sie waren nicht dabei.

Das stimmt. Ich habe auch meine Medaille nicht abgeholt. Ich war zu sauer!

Also doch!

Ja, aber nicht wegen der Niederlage, sondern wegen der Reaktionen der ManU-Spieler, vor allen Dingen wegen Peter Schmeichel. Der hat sich den Pokal auf den Kopf gesetzt und ist albern vor mir rumgetanzt. Da kann ich doch nicht hingehen und für die noch Spalier stehen. Ich habe mich in die Kabine zurückgezogen und war dort eine Weile allein.

Wie war die Stimmung, als die anderen kamen?

Es gab keine Freudentänze. Dafür war ich dann zwei Stunden später zuständig (lacht).

Sie sprachen den Finalsieg von 2001 an. Sie hatten nicht mehr die Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen, gingen noch 1999 nach Kaiserlautern. Ärgert Sie das?

Nein, ich bereue nichts. Nach der Wirtshausrangelei in Regensburg war eine Situation gekommen, in der der Verein meinte, sich von mir trennen zu müssen. Ein paar Jahre später hat Uli Hoeneß mir gegenüber eingestanden, dass das ein Fehler war. Aber das ist mir heute eh’ wurscht.

Haben Sie das Endspiel gegen Valencia verfolgt?

Ja, natürlich. Und ich habe mich unheimlich gefreut.

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