28.01.2014

Mario Balotelli im 11FREUNDE-Interview

»Weltfußballer? Das ist mein Ziel«

Nur wenige Fußballer polarisieren so sehr wie Mario Balotelli. Am Rande der Präsentation des neuen Puma-Schuhs »ewoPOWER« in Barcelona trafen wir den Milan-Star zum Interview. Und sprachen mit ihm über seinen neuen Trainer, die Chancen der DFB-Elf – und seinen ikonenhaften Jubel im EM-Halbfinale 2012.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Noch nie war der Fußball so populär wie im Jahr 2014. Die Weltmeisterschaft in Brasilien wird der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, für die längst die Superlativen ausgegangen sind. Gleichzeitig waren die Akteure dieses Spiels noch nie so langweilig wie jetzt. Philipp Lahm, Lionel Messi, Marco Reus und Co. sind wunderbare Fußballer, aber echte Charaktere? Wohl kaum. Und wer dann doch über eine unterhaltsame Persönlichkeit verfügt, wird von Beratern, Vereinsvertretern und Funktionären glatt gebügelt, bis von dem bisschen Esprit und Spektakel abseits des Rasens nicht mehr viel übrig ist.

Balotelli fällt auf. Ob er will oder nicht

Es ist schon bezeichnend, dass sich die Fußballwelt diesbezüglich auf einen Mann gestürzt hat, der im August erst seinen 24. Geburtstag feiert. Mario Balotelli heißt der Mann, an dem sich die Geister scheiden. Neben Zlatan Ibrahimovic und vielleicht Cristiano Ronaldo gibt es keinen anderen Fußballer, der global so sehr polarisiert wie der Stürmer vom AC Mailand. Das liegt daran, dass Balotelli ebenfalls ein fantastischer Sportler ist. Und an der Tatsache, dass er ein dunkelhäutiger Italiener ist und seit seinen ersten Gehversuchen im Profifußball stets für einen kleinen Skandal gut zu sein scheint. Vor allem aber, weil er über eine schwer definierbare Ausstrahlung verfügt, die ihre Wirkung überall dort entfaltet, wo Balotelli aufkreuzt. Im Stadion, auf der Straße, beim Pressetermin.

Als er den Raum betritt, ändert sich die Stimmung. Wenige Minuten zuvor lief einem Marco Reus über den Weg. Man hätte den schmächtigen Mann mit der merkwürdigen Frisur beinahe nicht erkannt. Balotelli fällt auf. Auch wenn er es offenkundig gar nicht möchte. Er spricht langsam, mit einer sehr dunklen schweren Stimme. Sie könnte einem 70-jährigen Schauspieler gehören, kommt aber aus dem Mund eines jungen Athleten. Schon möchte man ihn unterschätzen, poppt das nächste Klischee über Balotelli auf: Die hellste Kerze am Baum ist er ja nicht gerade. Dann reißt er zwei kleine feine Gags hintereinander und bringt den Raum zum Lachen. Und man ist sich wieder nicht so sicher, ob das mit der Kerze am Baum so seine Richtigkeit hat.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man aus dem Kerl nicht schlau wird. Er bleibt ein Mysterium. Möge es noch lange ungelüftet bleiben. Sonst wird der Weltfußball nach dem Schlusspfiff noch langweiliger, als er es ohnehin schon ist.

>>>> Die verrückte Karriere von Mario Balotelli in der Bildergalerie

Mario Balotelli, Ihr neuer Trainer beim AC Mailand heißt Clarence Seedorf. Wie fiel Ihre Reaktion auf diese Verpflichtung aus?
Seedorf war und ist ein Weltstar, ein Vorbild für viele, die jetzt unter ihm trainieren dürfen. Auch ich zähle mich zu den Glücklichen, die unter so einer Persönlichkeit lernen können.
 
Mailand ist Seedorfs erste Station als Trainer. Es gibt Kritiker, die ihm deshalb mangelnde Qualität an der Seitenlinie bescheinigen. Was entgegnen Sie denen?
Schaut euch doch nur an, was der Mann in seiner Karriere alles gewonnen hat! Vier Champions-League-Titel mit drei verschiedenen Mannschaften. Das hat kein anderer geschafft. Der Mann war als Spieler eine Siegesmaschine. Wie kann man ihm da mangelnde Qualität vorwerfen?

Ist es für Sie eher ein Vorteil, wenn der Trainer eine große Vergangenheit als Spieler hatte?
Ich denke schon. Seedorf war zehn Jahre bei Milan, er ist eine Legende in diesem Klub. Er muss sich den Respekt nicht erst erarbeiten, jeder hier hat Respekt, wenn nur sein Name fällt. Außerdem wissen ehemalige Spitzenspieler manchmal besser, wie Fußballer ticken. Es gibt dieses unsichtbare Band, das ist auch bei Seedorf und uns der Fall.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden