16.03.2012

Mario Américo: Der beste Masseur der Welt

»Er hatte heilende Hände«

Dieter Hochmuth gilt als einer der besten Sportphysiotherapeuten Deutschlands. Seine Karriere startete 1977 in Sao Paolo, bei einem Praktikum der besonderen Art. Sein Lehrmeister: Der legendäre Mario Américo.

Interview: Alex Raack Bild: Imago
Mario Américo: Der beste Masseur der Welt

Zwischen 1977 und 1980 haben Sie dann vier einmonatige Praktika absolviert.
Ganz genau. Einmal im Jahr bin ich rüber, habe bei Mario in der Praxis hospitiert, beim heimischen FC Portuguesa gearbeitet und Mario dabei geholfen die brasilianische Box-Nationalmannschaft auf die Panamerikanischen Kämpfe in Puerto Rico vorzubereiten.

Wie kommt man eigentlich dazu, einen brasilianischen Physiotherapeuten als sein Vorbild auszuwählen?

Ich habe meinen Beruf damals schon geliebt und Mitte der siebziger Jahre gab es nur zwei bekannte Fußball-Betreuer, die über die Grenzen ihres Schaffens bekannt waren. In Deutschland Erich Deuser und international eben Mario Américo, dem man nachsagte, er habe heilende Hände.

Die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland war Américos letztes Turnier für die brasilianische Fußball-Nationalmannschaft. Seine mächtige Gestalt, die riesige Gürteltasche und seine Art verletzte Spieler vom Platz zu schaffen,  dürfte damals nicht nur Sie beeindruckt haben...

Mario war der erste Star-Betreuer der Fußball-Geschichte. Der lief auf den Rasen, holte seine geheimnisvollen Tinkturen aus der Tasche und wenn es gar nicht anders ging, warf er Pelé, Jairzinho, oder wie sie alle hießen, über die breiten Schultern und schleppte sie vom Feld! Gleich nach der WM kaufte ich mir eine Turnier-Chronik, darin ein großes Foto von ihm und seiner ominösen Tasche. Die ich dann übrigens nach meinem Praktikum auch in Deutschland eingeführt habe.

Um den Inhalt von Américos Tasche wurde jahrzehntelang gerätselt. Was war denn nun tatsächlich drin? Wunderdrogen? Spritzen? Geheimnisvolle Pillen?

Von wegen. Ganz vorne lagen Schwamm und Eis in Styropor, die restlichen Taschen waren gefüllt mit selbst hergestellten Salben und Tinkturen. Alles rein pflanzlich.

Woher wollen Sie das wissen?

Weil er mir in meinem letzten Praktikumsmonat ein paar Rezepte mit auf den Heimweg gab, die ich dann in Deutschland von befreundeten Apothekern anmischen ließ.

Und plötzlich waren Sie der deutsche Wunderheiler?

Nein, nein. Die Salben und Cremes verkauften sich in meinem näheren Umfeld zwar sehr gut, aber um für die Sachen deutschlandweit zu werben fehlte mir schlichtweg das Geld.

Gibt es denn noch Salben auf Américo-Basis zu kaufen?

Ein Ableger ist in meinem Online-Shop noch zu haben: »Amazonas Balm«. Je nach Wunsch leicht kühlend, oder leicht wärmend.

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