Marinus Bester im Interview

„Die wollten mich vermöbeln“

Marinus Bester ist auf St. Pauli nicht nur wegen seines Jobs als HSV-Teammanager äußerst unbeliebt. Schon als Spieler provozierte er den Rivalen, wo er nur konnte. Hier erzählt er von seiner Antipathie, die ein Leben lang andauert. imago
Heft #74 01 / 2008
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74

Herr Bester, sind Sie die unbeliebteste Person am Millerntor?

Das kann schon sein. Neben Bernd Hollerbach vermutlich. Den Titel habe ich mir redlich verdient, nicht wahr?! (lacht)

Mit Sprüchen wie „Ich wünsche St. Pauli nicht mal das Schwarze unter den Fingernägeln“ kann man jedenfalls nicht damit rechnen, zur Kiez-Ikone zu werden.

Das war ein bitterböser Spruch. Ich würde das heute sicherlich nicht mehr so formulieren. Die Trikot-Aktion allerdings, die würde ich immer wieder bringen. Die kennen Sie, oder?

Erzählen Sie...

Ich spielte damals mit dem Lüneburger SK gegen die Amateure des FC St. Pauli. Das Spiel fand im Hamburger Schanzenpark statt, und der FC St. Pauli hatte seinerzeit eine wirklich stattliche Anzahl von Amateurfans. Eine viertel Stunde vor Schluss machte ich dann das entscheidende 1:0. Anstatt mich inmitten meiner Mannschaft feiern zu lassen, rannte ich auf den Fanblock des FC St. Pauli zu, zog mein LSK-Trikot über meinen Kopf und präsentierte den verdutzten Pauli-Anhängern ein HSV-Shirt, das ich darunter trug. Ich zog es sogar noch stramm, damit man die HSV-Raute besser sehen konnte. (lacht)

Wie reagierten die St. Pauli-Fans?


Die pfiffen mich natürlich gnadenlos aus. Aber was hätte ich auch erwarten sollen? Ich konnte nicht damit rechnen, dass die applaudieren.

Die Presse berichtete danach von Ausschreitungen. Gab es die wirklich?

Die Fans beschimpften mich schon das ganze Spiel mit Sprüchen wie „Scheiß Rothose“ oder „Dreckiger HSVer“. Das war schon merkwürdig, denn ich spielte ja für Lüneburg. Es war mir aber egal, vielleicht motivierte es mich sogar. Doch ich hätte den St. Pauli-Fans mehr Souveränität und einen lockereren Umgang mit dieser Aktion zugetraut. Nach dem Spiel sind drei Ultras von denen ausgetickt, die rannten auf mich zu, einer setzte zu einem Karate-Sprung an, aber die Ordner blockten ihn ab. Ich wurde dann von ein den anderen Ordnern in die Kabine geleitet.

Hatten Sie Angst?


Überhaupt nicht. Irgendwann kam einer der Ordner in die Kabine und sagte: „Du Marinus, da sind ein paar Jungs vor der Tür und die scheinen immer noch sehr wütend zu sein.“ Das muss man sich mal vorstellen! Wegen so einer Aktion bei einem Amateurspiel warten gegnerische Fans vor der Kabine und wollen dich vermöbeln. Ich wurde dann von der Polizei aus dem Stadion eskortiert. Es ist nichts weiter passiert, und im Gegensatz zu vielen Berichten lag ich nicht blutüberströmt im Kabinengang.

War das eine geplante Aktion?

Ich trug dieses HSV-Shirt immer unter dem LSK-Trikot. Als wir uns umzogen, witzelte ich mit meinem Mitspieler Ralf Sievers, dass das ja hier gefährlich werden könnte. Ich sagte: „Pass auf, wenn ich ein Tor schieße, lüfte ich mein Trikot!“ Richtig geplant war die Aktion demnach nicht. Wenn mir die Idee am Vorabend gekommen wäre, hätte ich mir ein richtiges HSV-Trikot untergezogen. Damals trug ich leider nur ein T-Shirt mit einer kleinen Raute. Doch man konnte sie erkennen.

Waren Sie nicht erstaunt ob der Überreaktion einiger St. Pauli-Fans?

Natürlich. Es heißt ja immer wieder, dass der FC St. Pauli die besten Fans in Deutschland hat. Wenn ich mir dieses Spiel ins Gedächtnis rufe, muss ich dem krass widersprechen. Allerdings gab es auch einen humoristischen Umgang mit der Aktion. Im Rückspiel trugen einige St. Pauli-Fans selbst gemalte HSV-Trikots. Doch es half nichts, wir gewannen 2:0, und ich schoss beide Tore. (lacht)

Nach Ihrer Zeit beim Lüneburger SK spielten Sie noch mal drei Jahre für den HSV. Kam es zu einem Shirt-Revival?

Leider nicht. Im letzten Derby gegen den FC St. Pauli stand ich nicht im Kader.

Eine Hommage an Marinus Bester gab es dennoch.

Ja, und zwar vollkommen unvorhergesehen. Als Barbarez zum zwischenzeitlichen 4:1 traf, zog auch er sein Trikot über den Kopf. Zum Vorschein kam mein HSV-Trikot mit der Nummer 26.

Ist der St. Paulianer eigentlich nachtragend?


Ich glaube nicht. Ich habe jedenfalls keine Probleme, wenn ich durch St. Pauli spaziere. Irgendwann fragte sogar mal ein Fanclub, ob ich nicht Lust hätte, an einer Diskussion zum FC St. Pauli teilzunehmen.

Kürzlich wurde jenes legendäre HSV-Shirt, das Sie unter dem LSK-Trikot trugen, für einen guten Zweck versteigert. Wer bekam den Zuschlag?


Sie werden es kaum glauben: Der Chefredakteur vom St.Pauli-Fanzine „Der Übersteiger“ hat das T-Shirt für mehr als 300 Euro ersteigert. Die haben das in eine Fotomontage für ihr Titelblatt integriert. Der Slogan war: „Bester Beweis - Hamburg ist braun-weiß.“ Ich finde es witzig und lobenswert, dass die gemäßigten St. Pauli-Anhänger damit ironisch umgegangen sind. Diese ganze Nachhaltigkeit zeigt doch zumindest, dass die Aktion so schlecht nicht gewesen sein kann.

Woher rührt eigentlich Ihre St. Pauli-Antipathie?


Es gibt kein bestimmtes Erlebnis. Ich bin seit Kindestagen HSV-Fan und geprägt durch die stetige Rivalität. Es war immer so, dass ich mich freute, wenn der HSV gewann und St. Pauli zugleich verlor. Das war ein perfektes Wochenende...

Gibt es diese Rivalität heute noch?

Durchaus. Natürlich leidet die Rivalität darunter, dass beide Vereine nicht mehr in derselben Liga spielen. In den letzten Jahren sah man aber bei Spielen zwischen der zweiten Mannschaft des HSV und dem FC St. Pauli, dass dieses Derby immer noch brisant und prestigeträchtig ist. Mitunter hatten wir mehr als 20.000 Zuschauer im Stadion. Das Derby ist also nach wie vor attraktiv und insofern wäre es schön, wenn man sich irgendwann sportlich wieder auf Augenhöhe bewegen würde.

In den 80er und 90er Jahren wurde dieses Derby von den Hamburger Behörden als Risikospiel eingestuft. Wäre das bei einem heutigen Aufeinandertreffen immer noch so?

Ich glaube, dass in der gesamten Fußballszene in Deutschland die Vernunft eingekehrt ist. Die Gewaltbereitschaft ist vielerorts zwar immer noch da, ganz klar, aber sie ist allgemeiner Natur und kein spezielles Fußballphänomen mehr. Die Vereine sorgen heute aktiv dafür, dass gewaltbereite Gruppen ausgegrenzt werden. Der HSV tut das zumindest. Wie es beim FC St. Pauli aussieht, kann ich nicht beurteilen.

In Italien beantwortete man die Ausschreitungen zuletzt mit harten Repressionen. Selbst der friedliche Fan darf heute keine Flaggen mehr ins Stadion bringen, verunglimpfende Schmähgesänge sind nicht mehr erlaubt. Halten Sie diese Maßnahmen für richtig?

Ich würde mich auch mehr darüber freuen, wenn 90 Minuten das eigene Team unterstützt wird, anstatt dass der Gegner niedergemacht wird. In England hat man ganz andere Verhältnisse. Da werden gegnerische Spieler, die verletzt an der Seitenlinie behandelt werden, mit Applaus begrüßt, wenn sie zurück aufs Spielfeld laufen. So etwas wäre wünschenswert für unsere Fankultur. Es ist aber fast utopisch. Beim HSV – und auch bei anderen Clubs – wird man es nie verhindern können, dass die Fans pausenlos pfeifen, wenn der FC Bayern aufläuft.

Es heißt, St. Pauli-Anhänger sind kritischer und reflektierender als der gemeine Fußballfan. Stimmen Sie dem zu?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Bayern-Spieler, wenn er drei Tore gegen den FC St. Pauli macht, von den Pauli-Fans bejubelt wird.

Dennoch setzen sich die verschiedenen Fangruppen seit Mitte der 80er Jahre mit verschiedenen Begleiterscheinungen des Fußballs kritisch auseinander. Für den Anhänger des St. Pauli ist das Stadion demnach kein Ort, an dessen Tor man jegliche Gesinnung über Bord wirft.


Ja, das stimmt schon. Und das war schon immer das Besondere des Vereins. Wir brauchen hier nichts zu verherrlichen, beim HSV hatten wir Ende der 80er und auch noch Anfang der 90er Jahre viele Probleme – ich erlebte das damals als Fan hautnah mit. Es gab zahlreiche so genannte Fans, die durch peinliche und dumpfe Parolen auffielen. Doch hat der HSV in den letzten zehn Jahren massiv Aufklärungsarbeit geleistet und diese Szene mittlerweile aus dem Stadion vertrieben. Man geht heute viel scharfsinniger mit der Thematik um, es wird offensiver darüber diskutiert. Dass es beim FC St. Pauli schon früher dazu kam, liegt in der Natur seiner Fankultur und des Stadtteils.

Können Sie vor diesem Hintergrund verstehen, dass viele HSV-Fans in den frühen 90ern zum FC St. Pauli abwanderten?

Ich als HSV-Fan habe dafür absolut kein Verständnis!

Ist Ihnen dieses Phänomen gar nicht bekannt?

Ich kenne jedenfalls nicht viele solcher Fans. Ich habe lediglich einen Freund, der früher HSV-Fan war, und uns irgendwann in den Rücken fiel. Aber ich bin immer noch mit ihm befreundet. Er hat sich halt den falschen Verein ausgesucht – und dabei Pech gehabt. (lacht)

Nannte er einen Grund für seinen plötzlichen Sinneswandel?

Er sagte, die Stimmung am Millerntor sei besser. Er fand es irgendwie cooler.

Ist der HSV cool?

Auf jeden Fall.

Inwiefern?

Ob etwas cool oder uncool ist, rührt ja daher, wie viele Leute sich mit der Sache identifizieren. Und im Moment haben wir fast immer ein ausverkauftes Stadion, Zulauf bei den Mitgliedschaften und in den Fanclubs. Wir haben eine Wahnsinnsstimmung bei den Heimspielen. Ich würde sogar sagen, der HSV ist supercool.

Kürzlich regte unser Kollege Axel Formeseyn eine langwierige Diskussion in der Hamburger Presse und in zahlreichen HSV-Foren an. Seine These: Zum FC St. Pauli gehen die Leute, die den Lifestyle suchen, zum HSV solche, denen es ausschließlich um die Sache an sich geht. Folglich sei der HSV nicht sexy, eher bieder. Was glauben Sie?

Erfolg macht sexy, oder?

Macht nicht eher ein Underdog-Image sexy?


Vielleicht auch das. Für die Anhängerschaft des FC St. Pauli ist der Club sexy. Er ist immer noch der etwas andere Verein. Doch ich glaube, dass man sich beim FC St. Pauli den kommerziellen und wirtschaftlichen Zwängen nicht entziehen kann. Solche T-Shirt-Aktionen wie die „Retter“-Kampagne sind natürlich sehr kreativ, aber folgen immer auch klassischen Wirtschaftsmechanismen.

Haftet dem FC St. Pauli nicht trotzdem auch heute noch eine gewisse Punk-Attitüde an?

Natürlich, die gibt es noch. Die Atmosphäre im Stadion ist aufgrund der baulichen Bedingungen immer noch etwas Besonderes, auch für die Spieler. Da steht dann „Bubu“ hinter der Gittertür, die Fans sind zum Greifen nah, sie stehen fast am Spielfeldrand. Es ist eben ein bisschen anders als bei anderen Clubs. Aber ich denke, dieses Besondere wird sich mit der Zeit verflüchtigen. Der Verein baut nun ein neues Stadion, die Spieler werden sich in modernen Umkleidekabinen umziehen und die Marketingstrategien werden sich stetig an die von „professionelleren“ Vereinen anpassen. Und sicher ist: Will man dauerhaft erste oder zweite Liga spielen, muss man sich gewissen Regularien und Konventionen unterwerfen.

Die These, dass zum HSV der gutbürgerliche Kaufmann geht und zum FC St. Pauli der Punk hat demnach keine Aktualität mehr?


Das ist ein reines Klischee. Ich kenne sogar viele Leute, die sowohl zum FC St. Pauli als auch zum HSV gehen. Gewiss ist es immer noch so, dass der FC St. Pauli mehr Fans in der Szene rund um Schanze und im Stadtteil St. Pauli hat. Trotzdem kann man das nicht mehr in solche Kategorien wie „Punk“ und „Kaufmann“ aufteilen. Die Zeiten sind vorbei.

Bekommen Sie als Hamburger mit, was beim FC St. Pauli passiert, oder kennen Sie das meiste nur vom Hörensagen?

Man kommt ja gar nicht dran vorbei. Die Berichterstattung über den FC St. Pauli ist die zweitgrößte in Hamburg. Trotzdem glaube ich, dass ich nicht mal die aktuelle Startelf vom FC St. Pauli zusammen bekommen würde. Es interessiert mich einfach nicht, was beim FC St. Pauli passiert.

Gibt es in Ihrer Position als Teammanager keine Berührungspunkte mit Vertretern des FC St. Pauli?


Doch, klar. Ich kenne auch viele St. Paulianer, etwa den Teammanager Christian Bönig oder Trainer Holger Stanislawski. Und hin und wieder trifft man sich auch auf öffentlichen Veranstaltungen, auf die Mitglieder von beiden Clubs eingeladen werden.

Hatten Sie während Ihrer aktiven Zeit nicht sogar mal ein Angebot vom FC St. Pauli vorliegen?

Ich war beim Probetraining, ein konkretes Angebot hat es nie gegeben. Ich hätte sogar für den FC St. Pauli gespielt – wäre trotzdem weiterhin HSV-Fan geblieben.

Das geht?


Klar. Das gibt es ja auch heute noch. Einige aktuelle Spieler des FC St. Pauli haben früher beim HSV gespielt. Und die werden den HSV heute sicher nicht hassen. Es gibt auch viele Spieler vom FC St. Pauli, die gerne zum HSV gehen, andersherum genauso. Ich glaube, Sergej Barbarez ist gerne ans Millerntor gegangen. Die Spieler kennen sich untereinander, man trifft sich auf Partys oder geht gemeinsam essen. Diese verbitterte Rivalität zwischen den Fans beider Vereine lässt sich beim Blick auf die Spieler kaum aufrechterhalten.

Nehmen wir an, Sie wären seinerzeit zum FC St. Pauli gewechselt: Hätten Sie verschwiegen, dass Sie HSV-Fan sind?


Nein, auf gar keinen Fall. Die wussten das eh, als ich dort zum Probetraining kam.

Ist es demnach auch ein Klischee, dass man sich gerade als Spieler des FC St. Pauli stets voll mit dem Verein identifiziert?


Ach, damit kann ich gar nichts anfangen. Wie identifiziere ich mich mit einem Verein? Ich identifiziere mich über die Leistung. Wenn ich gute Leistung bringe, dann kann auch ein Bayern-Fan beim HSV spielen. Es ist doch letztlich ein Job. Und es stimmt auch nur bedingt, dass sich nur die Spieler mit dem Verein identifizieren, die in der Öffentlichkeit stetig in den Vereinsfarben präsent sind. Einigen Spielern liegt es eben, sich bei Fanclubbesuchen oder karitativen Veranstaltungen zu präsentieren, andere wiederum sind vielleicht unsicherer bei solchen Auftritten und nehmen nicht daran teil. Das heißt aber nicht, dass diese sich nicht mit dem Verein identifizieren.

Sie spielten als glühender HSV-Anhänger einige Jahre bei Werder Bremen. Legten Sie Ihre HSV-Leidenschaft vor dem Stadion ab?

In solchen Spielen denkt man nicht an so etwas. Man konzentriert sich so sehr auf sein eigenes Spiel und das der eigenen Mannschaft, dass man kaum wahrnimmt, gegen wen man gerade spielt. Man versucht den Gegner auszuspielen, hofft auf gute Szenen, kämpft, grätscht, schießt. Während des Spiels denkt man nur: Wir wollen die schlagen, die wollen uns schlagen. Diese Fragen nach der Besonderheit eines Spiels gegen den alten oder neuen Verein sind im Grunde hanebüchen.

Seit wann sind Sie eigentlich HSV-Fan?

Fußballinteressiert war ich schon immer. HSV-Fan wurde ich, als ich sechs Jahre alt war. Ich sah damals eine richtig hohe Niederlage im Volksparkstadion gegen Gladbach. Der HSV verlor 0:4 oder 0:5. Ich bin danach immer wieder hingegangen, zumeist mit meinem Opa – vielleicht taten mir die Spieler leid. (lacht)

Standen Sie später auch im Fanblock?


Bei meinen ersten Besuchen saß ich auf der Südtribüne, danach hatte ich auch eine aktive Zeit in der Westkurve. Ich habe mich von Block C bis zu den Hardcore-Fans in Block E durchgearbeitet. Ich stand dort mit Schal, Trikot, Gashupe und Fahne...

...und Kutte?


Die hatte ich auch – mit einem riesigen HSV-Aufnäher auf dem Rücken.

Waren Sie noch regelmäßig im Stadion, als Sie selbst im Herrenbereich spielten?

Seltener. Die Spiele fanden leider oft parallel statt, ich konnte dann nur noch unter der Woche zu den Europapokalspielen gehen.

Sie gingen als Werder-Spieler noch zum HSV?

Ja, immer wenn ich Zeit hatte, bin ich nach Hamburg gefahren. Mein Heimatort Hittfeld liegt südlich von Hamburg, etwa eine halbe Stunde vom Stadion und 45 Minuten von Bremen entfernt. Ich bin damals sogar noch mit meinen alten Kumpel ins Volksparkstadion gegangen – wir standen allerdings nicht mehr in der Westkurve.

Waren Sie in Ihrer Jugend nie am Millerntor?

Nie. Ich habe später mit der zweiten Mannschaft vom HSV dort gespielt. Als Profi saß ich bei einem Spiel gegen den FC Bayern auf der Haupttribüne – ich hatte Karten aus dem Bayern-Kontingent bekommen. Aber in meiner Jugend war ich nie da. St. Pauli war mir immer egal...

Sie sagten einmal über Ihren Sohn: „Den Jungen habe ich umgepolt. Der war Bayern-Fan, ich habe ihm in vielen Gesprächen erklärt, warum der HSV besser ist. Jetzt hat er's kapiert.“ Was würden Sie machen, wenn er eines Tages, wie Ihr alter Freund, plötzlich zum FC St. Pauli ginge?

Ich bin zunächst einmal froh, dass er kein Bayern-Fan mehr ist. Mein Schwiegervater ist großer Bayern-Fan, und ich schenkte ihm einmal ein Jahrbuch vom FC Bayern. Er wiederum schenkte es meinem Sohn. Ich durfte mit ihm dann jeden Morgen das Buch durchblättern, ihm erklären, wer Olli Kahn und wer Jürgen Klinsmann ist. Das ging mir tierisch auf die Nerven. Irgendwann dachte ich: So, jetzt reicht es. Wir gehen heute zum HSV. Und seitdem ist er HSV-Fan. Falls er irgendwann ins andere Lager wechseln sollte, wäre das okay. Das ist ganz alleine seine Entscheidung. Wir haben ihn erzogen, seine Meinung zu sagen und Dinge selbst zu entscheiden. Doch er müsste dann bei den häufigen Niederlagen des FC St. Pauli mit dem Spott seines Vaters rechnen. (lacht)

Gibt es eigentlich trotz Ihrer St. Pauli-Antipathie irgendetwas beim FC St. Pauli, das sie sich für den HSV wünschen würden?

Nein.

Nichts?

Gar nichts.

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