25.12.2007

Marinus Bester im Interview

„Die wollten mich vermöbeln“

Marinus Bester ist auf St. Pauli nicht nur wegen seines Jobs als HSV-Teammanager äußerst unbeliebt. Schon als Spieler provozierte er den Rivalen, wo er nur konnte. Hier erzählt er von seiner Antipathie, die ein Leben lang andauert.

Interview: Andreas Bock Bild: imago
Nach Ihrer Zeit beim Lüneburger SK spielten Sie noch mal drei Jahre für den HSV. Kam es zu einem Shirt-Revival?

Leider nicht. Im letzten Derby gegen den FC St. Pauli stand ich nicht im Kader.

Eine Hommage an Marinus Bester gab es dennoch.

Ja, und zwar vollkommen unvorhergesehen. Als Barbarez zum zwischenzeitlichen 4:1 traf, zog auch er sein Trikot über den Kopf. Zum Vorschein kam mein HSV-Trikot mit der Nummer 26.

Ist der St. Paulianer eigentlich nachtragend?


Ich glaube nicht. Ich habe jedenfalls keine Probleme, wenn ich durch St. Pauli spaziere. Irgendwann fragte sogar mal ein Fanclub, ob ich nicht Lust hätte, an einer Diskussion zum FC St. Pauli teilzunehmen.

Kürzlich wurde jenes legendäre HSV-Shirt, das Sie unter dem LSK-Trikot trugen, für einen guten Zweck versteigert. Wer bekam den Zuschlag?


Sie werden es kaum glauben: Der Chefredakteur vom St.Pauli-Fanzine „Der Übersteiger“ hat das T-Shirt für mehr als 300 Euro ersteigert. Die haben das in eine Fotomontage für ihr Titelblatt integriert. Der Slogan war: „Bester Beweis - Hamburg ist braun-weiß.“ Ich finde es witzig und lobenswert, dass die gemäßigten St. Pauli-Anhänger damit ironisch umgegangen sind. Diese ganze Nachhaltigkeit zeigt doch zumindest, dass die Aktion so schlecht nicht gewesen sein kann.

Woher rührt eigentlich Ihre St. Pauli-Antipathie?


Es gibt kein bestimmtes Erlebnis. Ich bin seit Kindestagen HSV-Fan und geprägt durch die stetige Rivalität. Es war immer so, dass ich mich freute, wenn der HSV gewann und St. Pauli zugleich verlor. Das war ein perfektes Wochenende...

Gibt es diese Rivalität heute noch?

Durchaus. Natürlich leidet die Rivalität darunter, dass beide Vereine nicht mehr in derselben Liga spielen. In den letzten Jahren sah man aber bei Spielen zwischen der zweiten Mannschaft des HSV und dem FC St. Pauli, dass dieses Derby immer noch brisant und prestigeträchtig ist. Mitunter hatten wir mehr als 20.000 Zuschauer im Stadion. Das Derby ist also nach wie vor attraktiv und insofern wäre es schön, wenn man sich irgendwann sportlich wieder auf Augenhöhe bewegen würde.

In den 80er und 90er Jahren wurde dieses Derby von den Hamburger Behörden als Risikospiel eingestuft. Wäre das bei einem heutigen Aufeinandertreffen immer noch so?

Ich glaube, dass in der gesamten Fußballszene in Deutschland die Vernunft eingekehrt ist. Die Gewaltbereitschaft ist vielerorts zwar immer noch da, ganz klar, aber sie ist allgemeiner Natur und kein spezielles Fußballphänomen mehr. Die Vereine sorgen heute aktiv dafür, dass gewaltbereite Gruppen ausgegrenzt werden. Der HSV tut das zumindest. Wie es beim FC St. Pauli aussieht, kann ich nicht beurteilen.

In Italien beantwortete man die Ausschreitungen zuletzt mit harten Repressionen. Selbst der friedliche Fan darf heute keine Flaggen mehr ins Stadion bringen, verunglimpfende Schmähgesänge sind nicht mehr erlaubt. Halten Sie diese Maßnahmen für richtig?

Ich würde mich auch mehr darüber freuen, wenn 90 Minuten das eigene Team unterstützt wird, anstatt dass der Gegner niedergemacht wird. In England hat man ganz andere Verhältnisse. Da werden gegnerische Spieler, die verletzt an der Seitenlinie behandelt werden, mit Applaus begrüßt, wenn sie zurück aufs Spielfeld laufen. So etwas wäre wünschenswert für unsere Fankultur. Es ist aber fast utopisch. Beim HSV – und auch bei anderen Clubs – wird man es nie verhindern können, dass die Fans pausenlos pfeifen, wenn der FC Bayern aufläuft.

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