Marek Lesniak über Tore gegen die Bayern

»Ich war schneller als Klose«

Vor 20 Jahren schoss Marek Lesniak Bayer Leverkusen zum letzten Sieg bei den Bayern. Wir sprachen mit der Schnauzbart-Legende über seinen Lieblingsgegner aus München, Podolski und Klose und die Kunst des Lauerns. Marek Lesniak über Tore gegen die Bayern

Herr Lesniak, Sie erzielten im Oktober 1989 den bis heute letzten Siegtreffer für Bayer Leverkusen in München. Hat Stefan Kießling Sie schon angerufen?

Leider noch nicht. (lacht) Aber vor einem Jahr habe ich zufällig vor dem Spiel Patrick Helmes im Restaurant getroffen und mich mit ihm unterhalten. Es hat aber leider wieder nicht geklappt mit einem Sieg.

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Was haben Sie Helmes damals als Tipp mitgegeben?

Dass er sich 90 Minuten zurückhalten soll. Ein Ballkontakt kann reichen, um das Tor zu machen. So habe ich das damals bei unserem 1:0-Sieg in München auch gemacht. Manchmal reicht ein Torschuss...

Können Sie sich noch an Ihr Tor erinnern?

Die Vorarbeit kam von Christian Schreier und Andrzej Buncol. Ein langer Ball, ich stand im Sechzehner und habe das Ding aus der Drehung reingemacht. Mit dem rechten Fuß. Ich glaube, der Pass wurde vorher noch abgefälscht, der Ball fiel mir genau vor die Füße.

Nicht nur mit Leverkusen, auch mit Wattenscheid spielten sie sehr erfolgreich gegen die Bayern. 1993 haben Sie alle drei Tore beim 3:3 im Olympiastadion erzielt. Haben die Bayern Sie immer unterschätzt?

Ich glaube nicht. Schon bei meinem ersten Spiel gegen die Bayern habe ich ein Tor gemacht, wir spielten damals zu Hause 1:1. Dann das Siegtor in München, die drei Tore für Wattenscheid beim 3:3 im Olympiastadion, dazu noch der Fallrückzieher beim 2:0-Heimsieg, der »Tor des Monats« wurde. Es war alles andere als einfach, gegen die Bayern zu spielen. Aber ihre Spielweise kam mir entgegen.

Wie meinen Sie das?

Vor allem gegen Wattenscheid, aber auch gegen Leverkusen spielten die Bayern natürlich immer offensiv. Da konnte dann ein Pass reichen und ich lief alleine aufs Tor zu – ich war damals ziemlich schnell...

Sie haben in 213 Bundesligaspielen nur 42 Treffer erzielt. Warum ausgerechnet gegen die Bayern so viele und auch spektakuläre Tore?

Ich habe gegen Bayern schon eine unglaubliche Quote. Es kommt mir so vor, als hätte ich fast jedes Spiel gegen die getroffen. Ich hatte natürlich auch Glück. Der Fallrückzieher ging damals aus 16 Metern direkt über Aumann in den Giebel.

Haben die Bayern mal versucht, Sie nach München zu holen?

Da müssen Sie Uli Hoeneß fragen! (lacht) Angeblich gab es irgendwann mal Interesse, ich kann das aber nicht bestätigen. Ich passe irgendwie nicht nach Süddeutschland. Ich gehöre in den Ruhrpott, in den Westen.

Welches waren außer Bayern Ihre Lieblingsgegner?

Außer gegen München hat es mir gegen Schalke und Köln am meisten Spaß gemacht, weil es mit Wattenscheid und Leverkusen die brisantesten Derbys waren.

Sie haben Miroslav Klose mal als Spielertypen bezeichnet, der Ihnen ähnlich ist. Was hat Klose mit Lesniak gemein?

Ich war ein bisschen schneller als er! Dafür ist er der bessere Kopfballspieler. Klose spielt aber genau wie ich sehr mannschaftsdienlich. Viele sehen das nicht. Zum Glück haben meine Trainer das früher zu schätzen gewusst. Viele Trainer beurteilen ihre Stürmer aber nur nach Toren.

Ist das ungerecht?

Klose hat jetzt lange nicht getroffen, aber in der Zeit viele Tore aufgelegt. Man liest dann, dass er seit 800 oder 1000 Minuten nicht getroffen hat. Das finde ich nicht OK.

Welche aktuellen Bundesligastürmer gefallen Ihnen am besten?

Stefan Kießling auf jeden Fall. Auch Kuranyi hat eine sehr gute Phase. Lukas Podolski ist immer für ein Tor gut, aber seine Spielweise gefällt mir momentan nicht so gut.

Warum?

Ich weiß nicht, ob es eine Anweisung von seinem Trainer ist, aber man weiß derzeit nicht, wo Lukas spielt – im Sturm oder im Mittelfeld. Er hat ja auch erst ein Tor geschossen in dieser Saison. Lukas muss im Sechzehner spielen! In Köln ist er zu oft zu weit vom Tor entfernt.

Haben Sie zu Podolski und Klose ein besonderes Verhältnis, weil sie auch polnische Wurzeln haben?


Ich kenne beide persönlich. Klose und auch die Familie von Podolski habe ich während der WM 2006 kennengelernt. Aber ich kenne auch Kießling und Helmes.

Was machen Sie eigentlich heute, zehn Jahre nach Ihrem Abgang aus dem deutschen Profifußball?

Ich trainiere den SSVg Velbert in der NRW-Liga. Velbert liegt zwischen Wuppertal und Essen.

Wollen Sie irgendwann mal einen Verein aus den ersten beiden Ligen trainieren?

Ich muss dafür erst noch den Trainerschein machen. Momentan kann ich nur bis maximal Regionalliga trainieren. Ich versuche den Ball flach zu halten: Wenn ich irgendwann mal zweite oder dritte Liga coachen kann, wäre das schon ein Traum, der in Erfüllung geht.

Wäre Wattenscheid 09 interessant?

Wattenscheid ist meine alte Liebe. Mir liegt 09 ebenso sehr am Herzen wie Preußen Münster und Fortuna Düsseldorf, wo ich später auch gespielt habe. Über allem steht aber mein Heimatverein Pogon Stettin, der jetzt in der zweiten polnischen Liga spielt.

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