03.03.2012

Marek Lesniak über Bayer, Bayern und seine Tore

»Außer Fußball kann ich nichts«

Nach einem Tor besprang Marek Lesniak einst den Zaun, um den dahinter postierten Baumaschinen zuzujubeln. Doch hätte er danach bloß mehr auf Sektempfängen rumgehangen – dann wäre er heute wohl mehr als nur Trainer in der Landesliga.

Interview: Andreas Bock Bild: imago
Welcher heutige Bundesliga-Stürmer kommt Ihrer Spielweise am nächsten?

Miroslav Klose. Nicht nur weil er viel auflegt, sondern auch weil er viel läuft. Und Kuranyi auf Schalke macht das genauso. Beide schießen aber mehr Tore als ich. (lacht)

Wenn Sie auf Ihre aktive Karriere zurückblicken: Gibt es da etwas, das Sie heute anders machen würden?

Vielleicht hätte ich kommunikativer und geselliger sein müssen, vor allem im Beisammensein von Leuten, die im Verein etwas zu sagen haben. Ich habe in den aktiven Jahren nie an den Trainern oder am Vorstand geklebt, ich habe mich nie ausgeweint, mich nie angebiedert. Ich habe einfach Fußball gespielt. Heute fehlen mir oftmals die Kontakte, um in wirklich renommierten Erstligavereinen einen Job zu finden.

Ist das vielleicht auch ein Grund, weshalb Sie auch als Spieler nie bei einem richtig großen Verein gelandet sind?

Ja, vielleicht. Als ich in Leverkusen war, hätte ich nach Italien gehen können. Ich hatte ein Angebot aus Verona. Reiner Calmund hat den Wechsel aber unterbunden. Später gab es noch Angebote aus Schalke oder Dortmund, doch die Ablösesumme war einfach zu hoch. So ging ich nach Wattenscheid. Und ich will mich nicht beklagen, Wattenscheid war eine schöne Zeit. Und Reiner Calmund bin ich sehr dankbar, dass er mir diesen Wechsel ermöglicht hat.

Für Sie stand also nie zur Option, sich mal eine Saison mit der Reservistenrolle abzugeben?

Nein, ich wollte immer Fußball spielen. Sobald ich merkte, dass ich mehr auf der Bank saß, als ich spielte, habe ich mich nach einem anderen Verein umgeschaut. Und dann bin ich auch gewechselt, selbst wenn ich bei meinem neuen Club weniger verdiente.

Haben Sie heute noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?

Nicht wirklich. Wenn man sich im Stadion sieht, dann grüßt man sich und lacht gemeinsam über alte Zeiten. Oliver Neuville habe ich bis vor kurzem noch häufiger getroffen. Er lebte bei uns um die Ecke. Souleyman Sané sehe ich auch noch manchmal, er wohnt immer noch in Wattenscheid.

Kann man als Fußballprofi überhaupt richtige Freundschaften pflegen?


Nur teilweise. Ich habe ja auch in Leverkusen ein paar sehr gute Freunde gehabt, Andreas Fischer, Rüdiger Vollborn oder Ion Lupescu. Aber so richtige Freundschaften müssen sich natürlich entwickeln. Und dafür fehlt einem als Fußballprofi oft die Zeit. Viele haben Familien, andere wohnen nicht direkt in der Stadt und wiederum andere wechseln nach wenigen Monaten den Verein. Dann hat man sich vielleicht gerade besser kennen gelernt, und schon wohnt der neue beste Freund 500 Kilometer entfernt.

Gab es denn Begegnungen, die für Sie besonders wichtig waren?

Ich erinnere mich gerne an Rinus Michels, der mich nach Deutschland geholt hat. Nachdem er Leverkusen verließ, habe ich ihn leider nie wieder gesehen. Aber ich habe immer an ihn gedacht, weil ich ihm fast alles zu verdanken habe. Doch auch andere Personen waren immens wichtig für mich, etwa Hannes Bongartz. Vor kurzem hatte ich auch eine sehr schöne Begegnung in Köln. Meine Frau und ich waren in einem Lokal und trafen Lars Leese, diesen Traumhüter (der Autor Ronald Reng schrieb über Lars Leese das Buch »Der Traumhüter«, Anm. d. Red.). Mit dem war es total nett, wir haben und zwar nur kurz, aber ganz ungezwungen unterhalten.

War er überrascht, dass Sie Ihr Markenzeichen, Ihren Schnauzer, nicht mehr tragen?

(lacht) Ja, ich habe jetzt einen kleinen Bart, ganz kurz, um den Mund. Den Schnauzer hatte ich seit meiner Jugend, seit dem Zeitpunkt, als ich den ersten Flaum auf der Oberlippe spürte. Der Schnauzer gefiel allen so gut, vor allem meiner Frau, dass ich ihn über 20 Jahre hegte und pflegte. Meine Frau hat mir sogar verboten, ihn abzuschneiden. Als ich in der Oberliga angefangen habe und sich meine Karriere langsam dem Ende entgegen neigte, wollte ich mich aber doch endlich mal verändern und dann kam der Schnauzer ab.

Haben Sie eigentlich jemals darüber nachgedacht, sich auch beruflich zu verändern, etwas fern des Fußballsports zu machen?


Nein. Außer Fußball kann ich leider wenig anderes. Fast gar nichts. Deswegen war immer klar, dass ich in diesem Geschäft bleiben muss. Und es hat glücklicherweise geklappt.

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