16.01.2010

Marco Kurz über den FCK

»Der Aufstieg ist noch fern«

Der Betze bebt wieder: Trainer Marco Kurz führt mit dem 1. FC Kaiserslautern die Tabelle der zweiten Liga an. Wir sprachen mit ihm über die Faust gegen Ex-Klub 1860, seine Neigung zu Traditionsklubs und viele Leihspieler im Team.

Interview: Johannes Aumüller Bild: Imago
Herr Kurz, es ist auffällig, dass in Ihrem Kader viele ausgeliehene Spieler stehen, darunter Leistungsträger wie Rodnei, Georges Mandjeck oder Sidney Sam. Finden Sie es grundsätzlich eine gute Strategie, auf ausgeliehene Spieler zu setzen?

Es sind die Voraussetzungen, die wir hier finden. Wir sind dankbar für die Möglichkeit, solche Spieler auszuleihen, weil es sonst keine Chance gibt, solche Spieler für den 1. FC Kaiserslautern zu gewinnen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Klub immer noch nicht in einem hundertprozentig gesicherten Fahrwasser ist. Man ist aber auf dem Weg, eine Struktur reinzubringen, um in Zukunft solche Spieler nicht auszuleihen, sondern sich leisten zu können.



Aber haben Sie keine Angst, dass Unruhe in die Mannschaft kommt, wenn zum Beispiel der HSV sagt: Der Sam spielt so stark, den wollen wir im Sommer zurück.

Das kann doch jetzt nicht mein Gedankengang für die laufende Saison sein. Ich sehe den Moment, ich sehe die Rückrunde. Alle Spieler, die wir ausgeliehen haben, sind Spieler des 1. FC Kaiserslautern, und wenn es irgendwann darum geht, ausgeliehene Spieler dauerhaft für uns zu begeistern, werden wir das tun. Sich jetzt damit zu beschäftigen, kostet nur unnötige Energie.

Sie haben die finanzielle Situation selbst angesprochen. Wie sehr beeinflussen und beeinträchtigen Sie die ständigen Diskussionen in Ihrer Arbeit?

Gar nicht, ich kenne das aus der Vergangenheit und das beeinträchtigt mich nicht. Ich bin fürs Sportliche zuständig, und wenn wir sportlich erfolgreich sind, kann das für andere Dinge nur förderlich sein.

Wenn man sich Ihre Karriere anschaut, ist es auffällig, dass Sie viele Stationen bei Traditionsvereinen hatten, als Spieler bei Nürnberg, Dortmund, Schalke und 1860 München, als Trainer bei 1860 München und Kaiserslautern. Ist das Zufall?

Ich denke, das ist Zufall. Es war eben immer ein gewisses sportliches Interesse vom Trainer oder vom Verein da. Aber wenn man die Möglichkeit hat, zwischen zwei, drei Vereinen zu wählen, entscheidet man sich eher für den Traditionsverein.

Sie gelten als eher ruhig und sachlich. Passt man mit solch einer Grundeinstellung überhaupt zu einem Traditionsverein, wo es doch oftmals sehr emotional zugeht?

Man passt überall da rein, wo man gute Arbeit leistet, alles andere ist nicht wichtig. Ich versuche immer, und das auch immer gerne, strukturiert und auch fachlich und sachlich Antwort zu geben. Das Drumherum, das ist nicht unbedingt mein Ding, aber das ist nicht hinderlich für Traditionsvereine. Wenn ein Verein lieber jemanden mit anderen Qualitäten haben will, dann muss das der Verein entsprechend lösen, aber ich als Trainer kann mich nicht verstellen, um irgendjemanden gerecht zu werden.

Glauben Sie denn, dass Sie sich gegenüber Ihrer Zeit bei 1860 verändert haben, dass Sie ein bisschen mehr diese emotionale Schiene bedienen?

Ich möchte überhaupt keine Vergleiche ziehen. Emotional bin ich während des Spiels schon immer. Ich lebe damit, weil wir als Trainer kein anderes Ventil haben. Die Spieler, die können rennen, die können grätschen, und als Trainer musst du auch ein bisschen mitleben, musst aber sehr konzentriert sein, um das Spiel zu lesen.

Wenn wir bei emotionalen Momenten sind: Beim Spiel gegen Ihren Ex-Klub 1860 München haben Sie nach dem Siegtor die Faust geballt, Ihr Gegenüber Ewald Lienen fühlte sich provoziert, weil diese Geste so eindeutig in Richtung Löwen-Bank gegangen sei. Haben Sie nach dem Spiel noch mal über diese Szene nachgedacht?

Nein, wir haben schnell unsere Meinung kundgetan und nach diesem kurzen Kommentar war die Sache erledigt.

Also bedauern Sie diese Szene nicht?

Einen Torjubel bedauern? Nein.

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