Márcio Amoroso im Interview

»Straßenfußballer gibt es kaum noch«

Mit Traumtoren eroberte Márcio Amoroso in der Saison 2001/2002 die Bundesliga und die Herzen der Dortmunder Fans. Mit uns sprach er über griechische Geldnot, ein unvergessliches Lied und den brasilianischen Straßenfußball. Márcio Amoroso im Interview

Márcio Amoroso, Borussia Dortmund feierte kürzlich die deutsche Meisterschaft. Bekamen Sie das im fernen Brasilien überhaupt mit?

Márcio Amoroso: Klar. Der deutsche Fußball genießt in Brasilien im Moment einen sehr hohen Stellenwert. Viele Bundesligaspiele werden im Fernsehen live übertragen. Ich freute mich vor allem für meinen Landsmann Dedé, der als einziger Spieler aus meiner Dortmunder Zeit von 2001 bis 2004 übrig geblieben ist. Sich mit einer Meisterschaft zu verabschieden, ist das Größte. Die Fans spielten verrückt.

Sie hatten immer einen guten Draht zu den Zuschauern. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit den Anhängern Ihres Ex-Klubs Borussia Dortmund?

Márcio Amoroso: Borussia Dortmund besitzt die besten Fans Deutschlands. Nachdem ich am 1.Spieltag der Saison 2001/2002 bei meiner Premiere gegen den 1.FC Nürnberg zwei Tore erzielte hatte, komponierten die Anhänger das Lied »Amoroso, Amoroso, keiner spielt so schön, wie Amoroso« zu meinen Ehren. Die »Gelbe Wand« eroberte mein Herz im Sturm und trug unsere Mannschaft zur Meisterschaft 2002. Ich hatte beim Betreten des Rasens jedes Mal eine Gänsehaut.

Spürten Sie diese Nähe auch bei anderen Vereinen?

Márcio Amoroso: Gegen Ende meiner Karriere wechselte ich 2008 zu Aris Thessaloniki. Die griechischen Fans leben den Fußball und empfingen mich bei meiner Ankunft mit offenen Armen.

Warum blieben Sie bei so viel menschlicher Nähe nicht einmal eine Saison in Griechenland?

Márcio Amoroso: Nachdem ich drei Monate lang kein Gehalt gesehen hatte, bat ich die FIFA um die Auflösung meines Kontraktes. Schade für die wunderbaren Fans des Klubs, die mit der Vereinspolitik der Verantwortlichen nichts zu tun hatten.

Ihre versierte Ballbehandlung und schnellen Dribblings waren stets eine Augenweide...

Márcio Amoroso: Meine Beweglichkeit und Technik verdanke ich meinen Erfahrungen beim »Futsal«, das auf einem sehr kleinen Feld gespielt wird. Außerdem nutzte ich als Kind jede freie Minute, um mit Freunden auf der Straße zu kicken. Abends schlief ich mit dem Ball unterm Arm ein. Unglücklichweise zwingt die zunehmende Kriminalität in Brasilien die Kinder heute vermehrt auf abgeschlossenen Plätzen zu spielen. Den brasilianischen Straßenfußballer vergangener Tage gibt es kaum noch.

In Europa sorgten Ihre Tore für Furore. Sie wurden in Italien und Deutschland Torschützenkönig. Leider gelang der große Durchbruch in der Seleção nie.

Márcio Amoroso: Unter Trainer Vanderlei Luxemburgo war ich im Sturm gesetzt, überzeugte mit Toren und hatte beste Chancen bei der Weltmeisterschaft 2002 im Kader zu stehen. Dann ersetzte Felipe Scolari im Jahr 2001 Luxemburgo auf der Trainerbank und bevorzugte andere Spieler. Der Konkurrenzkampf in Brasilien ist bei der großen Anzahl genialer Fußballer immer brutal. Ich bin insgesamt aber sehr stolz, für die erfolgreichste Fußballnation der Welt gespielt zu haben.

Sehen wir Sie bald mal wieder im Westfalenstadion?

Márcio Amoroso: Ich bin derzeitig in Brasilien in der Baubranche tätig. Aber meine Söhne, acht bzw. dreizehn Jahre alt, spielen leidenschaftlich »Futsal« und haben das Talent ihres Vaters geerbt (lacht). Vielleicht haben beide eines Tages ebenfalls das große Glück, diese atemberaubende Stimmung in Dortmund zu genießen und das schwarz-gelbe Trikot zu tragen.

Ihre Kinder lernen von einem Weltklasse-Stürmer. Wer betreute Sie in jungen Jahren?

Márcio Amoroso: In unserer Familie hat Fußball eine sehr lange Tradition. Mein Onkel José ging Anfang der 1960er bei Botafogo mit Legenden wie Garrincha und Didi auf Torejagd. Er war ein ausgezeichneter Mittelstürmer und ein großes Vorbild. Der Name Amoroso ist jedem brasilianischen Fußballer und Fan ein Begriff und öffnete mir viele Türen.

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