Marcelo Pletsch über seine Zeit in Gladbach

»Nirgendwo war es so gut wie in Deutschland«

Einst bezeichnete Marcelo Pletsch Borussia Mönchengladbach als »beschissenen Verein« und Christian Hochstätter als »linke Bazille«. Der Verteidiger wurde suspendiert. Heute spielt er in Brasilien. Ein Gespräch über Fehler und Mannwerdung. Marcelo Pletsch über seine Zeit in GladbachImago

Marcelo Pletsch, sind Sie noch wütend?

Marcelo Pletsch: Warum sollte ich wütend sein? Ich lebe wieder in Brasilien und bin in einem Verein aktiv, bei dem der Bruder eines guten Freundes Sportdirektor ist. Ich besitze eine Schweinefarm, spiele selbst Fußball oder schaue mir die Bundesliga im Fernsehen an. Mir geht es gut.

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Sie schauen sich die Bundesliga an. Drücken Sie Borussia Mönchengladbach die Daumen?

Marcelo Pletsch: Klar. Sie haben gerade einen phänomenalen Lauf. Ich hoffe sehr, dass sie am Samstag die Klasse halten können. Wissen Sie, es gibt einige Vereine, die in der Bundesliga nichts zu suchen haben – Gladbach aber gehört in die Liga.

Als Sie Gladbach verließen, sagten Sie: »Das ist ein beschissener Verein geworden.« Außerdem nannten Sie Christian Hochstätter eine »linke Bazille«.

Marcelo Pletsch: Damals war ich wütend, sehr wütend, das stimmt. Man hatte mich zu den Amateuren versetzt...

Das war aber nicht der einzige Grund für Ihren Ausbruch.

Marcelo Pletsch: Ich weiß heute, dass ich überreagiert habe. Ich dachte damals, dass ich den Verein irgendwie wachrütteln muss, schließlich verstand ich mich als Führungsspieler, als einer, der vorne weg geht, wenn es nicht läuft. Wir hatten etliche Spieler im Kader, die nicht bundesligatauglich waren – und der Verantwortliche war Christian Hochstätter, denn der hatte die Mannschaft zusammengestellt.

Wer war nicht bundesligatauglich?

Marcelo Pletsch: Ich will keine Namen nennen. Doch es fehlten einfach Typen, mit denen du im Abstiegskampf bestehen kannst. Kämpfertypen. Typen mit Eiern.

Haben Sie Christian Hochstätter seitdem wiedergetroffen?

Marcelo Pletsch: Nein.

Wie würden Sie ihn heute begrüßen?

Marcelo Pletsch: Ich würde ihm die Hand geben. Vieles geschah damals im Affekt, das das weiß er auch. Zumindest hoffe ich das. Und es war ja auch so, dass ich mein Verhalten wenige Wochen später bitter bereut habe. Außerdem denke ich, dass ich heute reifer bin. Ich bin ein Mann geworden.

Aktuell spielen Sie beim Drittligisten Futebol Clube Cascavel. Eine eher unbekannte Adresse in Brasilien.

Marcelo Pletsch: Das kommt auf die Perspektive an. Der Klub gehört dem ehemaligen Barca- und Chelsea-Spieler Juliano Belletti. Anfangs wurde der Verein, der erst 2008 gegründet wurde, sehr kritisch beäugt. Es haftete ihm ein gewisses Retorten-Image an. Wir waren so etwas wie das Hoffenheim in Brasilien. Mittlerweile hat sich die Lage allerdings beruhigt, auch weil wir gute Spieler ausgebildet haben und Klubs in ganz Brasilien davon profitieren.

Haben Sie Kontakt zu anderen Ex-Bundesligaspielern, die mittlerweile wieder in Brasilien spielen?

Marcelo Pletsch: Mit Giovane Elber telefoniere ich gelegentlich. Auch mit Paolo Rink, der ist momentan Präsident von Atletico Paranaense.

Dort, wo sich Lothar Matthäus als Trainer versuchte.

Marcelo Pletsch: Ja (lacht). Doch ich ahnte es bereits zuvor: Lothar und Brasilien – das passt nicht.  

Sie sind mittlerweile 34 Jahr alt. Haben Sie noch Ambitionen für die 1. Liga?

Marcelo Pletsch: Ich kann durchaus noch 1. oder 2. Liga spielen. Und die Nachfrage ist da. Im Februar hatte ich etwa ein Angebot von Arminia Bielefeld. Ewald Lienen wollte mich unbedingt haben. Dummerweise kam die Anfrage zwei Tage vor Transferschluss rein, mein Klub stellte sich ein wenig quer und auch der Papierkram konnte nicht rechtzeitig erledigt werden.

Sie wollen zurück in die Bundesliga?

Marcelo Pletsch: Das wäre ein Traum. Ich habe mehrere Jahre in Serbien, auf Zypern und Griechenland gespielt – nirgendwo war es so gut wie in Deutschland.

Haben Sie denn noch Kontakt nach Deutschland?

Marcelo Pletsch: Kürzlich erst besuchte mich mein bester Freund aus meiner Zeit in Deutschland. Er ist ein Gladbach-Fan, Mitglied seit 25 oder 30 Jahren. Außerdem habe ich einen eigenen Fanclub, Planet Pletsch. Das macht mich sehr stolz, denn es zeigt, dass das Positive in Gladbach überwogen hat.

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