03.11.2013

Marcel Wedow über seine »Fußballzeitreise«

»Ottmar Walter war meine Motivation«

Marcel Wedow ist Kurator der »Fußballzeitreise«, eine Fußball-Ausstellung aus echter Handarbeit. Jahrelang traf er Größen des deutschen Fußballs und sammelte Memorabilia. Zu jedem Objekt eine Geschichte, das ist sein Konzept. Ein Interview über das Vorbild Ottmar Walter, Not-OPs und Uwe Seeler.

Interview: Alex Raack Bild: Livia Schilling

Marcel Wedow, wie wird man Kurator seiner eigenen Fußball-Austellung?
Darf ich etwas ausholen?

Gerne.
Zu DDR-Zeiten spielte ich in der dritthöchsten Liga, zunächst bei Motor Gotha, später im thüringischen Ruhla. Kurz vor der Wende floh ich als einer der Letzten über die Botschaft in Prag in den Westen. In Wangen, im Allgäu, versuchte ich über den Fußball Anschluss und neue Freunde zu finden. Nach vier Jahren kehrte ich zurück zu meinem Heimatverein, dem früheren Chemie Tabarz. Mein Körper war da schon ziemlich zerschlissen – gleich im ersten Spiel riss ich mir die Patella-Sehne. Bei meiner ersten Operation gerieten Keime in die Wunde, es folgten zwei weitere OPs, mein Knie entzündete sich, ich stand kurz vor der Amputation. Ein fähiger Mediziner rettete mich per Not-OP. Meine aktive Zeit als Fußballer war damit vorbei.

Also fingen Sie an Fußball-Memorabilia zu sammeln?
Die historische Komponente beim Fußball war mir eigentlich ziemlich egal, als aktiver Spieler hatte mich das nie interessiert. Doch während ich mich durch die Reha in Kreischa kämpfte, las ich einen Artikel über Ottmar Walter. Der hat in seinem Leben so viele Widerstände überwunden – Kriegsverletzungen, finanzielle Pleiten, einen Suizidversuch – das hat mich damals unglaublich motiviert. Ich war in einem Loch, physisch wie psychisch, aber Walters Geschichte holte mich da raus. Er wurde zu meinem Vorbild.

Wie ging es weiter?
Ich versuchte mich mit Ottmar Walter zu verabreden. 2006 rief mich seine Frau Anneliese an und lud mich nach Kaiserslautern ein. Zwei Tage verbrachte ich bei den Walters und sprach mit Ottmar über sein Leben und seine Karriere. Über ihn lernte ich Horst Eckel kennen, auch mit ihm sprach ich stundenlang. Das war großartig – unglaublich interessant und zugleich inspirierend. Ich wollte mehr davon!

Wie haben Sie das angestellt?
Immer wenn es mir die Zeit erlaubt hat, bin ich quer durchs Land gefahren und habe ehemalige Fußball-Größen getroffen. Um an die Leute ranzukommen besorgte ich mir ein Retro-Trikot der WM 1954, und bat die Spieler per Anschreiben, mir doch ein Autogramm auf das Trikot zu geben. Allerdings könne ich das Leibchen nicht mit der Post versenden, dazu sei es mir zu wertvoll – was ja auch stimmte. Zwischen 2006 und 2010 hatte ich so die große Ehre unzählige Legenden treffen zu dürfen. Und jedes Mal erzählten sie mir ihre Geschichten.

Jetzt müssen Sie uns langsam aufklären, was das mit der Ausstellung zu tun hat.
Nach jedem dieser Treffen nahm ich ein Geschenk als Andenken mit: Jürgen Grabowski gab mir ein Trikot, dass er bei der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft getragen hatte, Peter Ducke eine Medaille, mit der er noch zu aktiven Zeiten geehrt worden war, Gerd Müller ein Paar Schuhe. Zu jedem dieser Stücke hatte ich zu Hause eine Geschichte zu erzählen. Nebenbei fing ich an weitere Memorabilia zu sammeln, Freunde, Bekannte und nette Sammler unterstützten mich zusätzlich. Die Sachen bewahrte ich in unserem Wohnzimmer auf, immer häufiger tauchten lose Bekannte und selbst Fremde auf, die von meiner Sammlung erfahren hatten und sich das mal anschauen wollten. Was irgendwann meine Frau auf die Palme brachte. Ich lagerte die Sachen in einen ausgebauten Stall auf unserem Grundstück aus. Mein Vater brachte mich auf die Idee, meine private Sammlung öffentlich zu machen. Was ich dann 2010 auch tat.

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