24.10.2013

Marcel Schäfer über Tradition, Werksklubs und den neuen VfL

»Werden regelmäßig in ein schlechtes Licht gerückt«

Marcel Schäfer ist derzeit der dienstälteste Profi im Kader des VfL Wolfsburg. Hier spricht er über den Wert von Tradition im Fußball, den neuen Weg seines Klubs und den besten Stürmer, mit dem er jemals zusammengespielt hat.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Marcel Schäfer, Sie sind seit sechs Jahren beim VfL Wolfsburg, Sie haben viele Spieler kommen und gehen sehen – welcher Ihrer Kollegen hat sich am stärksten mit dem Klub identifiziert?
Da fällt mir spontan Ashkan Dejagah ein (seit 2012 beim FC Fulham, d. Red.). Nicht umsonst war er derart beliebt bei den Fans. Die spüren so etwas. Ich könnte Ihnen jetzt viele weitere Spieler nennen, zum Beispiel Diego Benaglio, Christian Gentner oder Sascha Riether, die beim VfL den Durchbruch geschafft haben.

Woran erkennen Sie, ob ein Mitspieler sich mit dem Klub identifiziert?
Das zeigt sich meist in schlechten Zeiten. Man merkt es zum Beispiel daran, ob derjenige mit dem Verein leidet oder ob er nur sein Programm abspult. Die Spieler, die ich eben genannt habe, haben sich nie weggeduckt, sie waren auch dann Anführer, wenn es heftigen Gegenwind gab. Profis, die Identifikation pur verkörpern, sind meist auch diejenigen, die sich abseits des Platzes für den Klub engagieren. So etwas erwarte ich übrigens von einem Profi, er sollte sich sowohl mit seinem Verein als auch mit der Stadt identifizieren.

Wir halten fest: Marcel Schäfer identifiziert sich mit der Stadt Wolfsburg.
Selbstverständlich!

Nach der Meisterschaft 2009 hat der VfL seine Ziele immer wieder verfehlt. Leistungsträger verließen den Klub und eine Menge Spieler wurden verpflichtet, doch: die Negativ-Schlagzeilen rissen nicht ab. Welche Rolle hat dabei fehlende Identifikation gespielt?
Die Fluktuation war in der Tat hoch. Dass so was nicht die Identifikation fördert, ist klar. Ich würde das allerdings nicht als Grund für die Rückschläge anführen. Wir haben hier immer Führungsspieler gehabt, die sich überdurchschnittlich stark mit dem Verein identifiziert haben.

Woran lag es dann?
Wir hatten nach dem Titelgewinn einen enorm hohen Anspruch an uns selbst. Einige dachten vielleicht, es würde automatisch so weitergehen. Hinzu kam die gestiegene Erwartungshaltung im Umfeld. Damit konnten wir damals offensichtlich nicht umgehen. Zudem müssen wir zugeben, dass damals jeder Spieler am Limit gespielt hat, einige sind sogar darüber hinaus gegangen. Kurzum: 2009 passte einfach alles.

Sie sprechen nicht gern über das Meisterjahr, richtig?
Zumindest bin ich es leid, dass wir ständig damit konfrontiert und daran gemessen werden. Wenn man so an die Sache herangeht, findet man doch immer etwas Negatives – egal wie wir spielen, egal was wir tun. Wir können zwar stolz sein auf diese Meisterschaft, sollten es aber dabei belassen. Es gilt, nach vorne zu schauen. Wenn wir immer wieder über die alten Zeiten sprechen, machen wir uns das Leben selbst schwer.

Sie haben vor kurzem gesagt, es sei toll, bei einem Werksklub zu spielen – wie haben Sie das gemeint?
Wir sollten uns nicht für etwas schämen, um das uns andere beneiden. Wir können stolz sein, mit Volkswagen einen starken Partner zu haben, der weltweit geschätzt wird. Dass uns dieser Partner auch finanziell unterstützt, ist keine Schande, sondern eine Ehre. Wir reden hier schließlich über einen absoluten Erfolgskonzern, der Tausenden Menschen einen Arbeitsplatz bietet. Es ist doch sehr positiv, dass der eine oder andere Weltkonzern den Sport unterstützt.

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