28.05.2012

Marcel Pochert kämpft für das Stadion von Stahl Brandenburg

»Ein gutes Stück Brandenburg«

Es gibt Orte, die ihren Glanz nie verlieren, egal wie viel Schmutz man über ihnen entleert. Einer unter ihnen ist das Stadion am Quenz in Brandenburg. Wir sprachen mit dem Aktivisten der »IG Freunde des Stahlstadions« Marcel Pochert.

Interview: Julia Orso Bild: Imago



Was sind Ihre Argumente gegen den Beschluss der Stadt?
Auf alle Argumente an dieser Stelle einzugehen, würde natürlich den Rahmen sprengen. Nur soviel: Mit dem Geld, das für den Abriss gedacht ist, könnte man die Masten lieber sanieren und so das Stadion erhalten. Bislang wurde nur geprüft, wie teuer eine Sanierung der Masten inklusive der Elektrik wäre. Diese Variante ist angesichts der leeren Stadtkassen wohl tatsächlich zu teuer. Eine Sanierung allein der Masten, um diese zu erhalten, wurde hingegen noch nicht geprüft, das muss natürlich zwingend passieren. Ein weiterer neuer Pluspunkt für uns ist, dass es bestehende Verträge für die Mobilfunkanlage auf den Flutlichtmasten gibt, die noch bis 2014 laufen. Da hat die Stadt zunächst mal ein Problem.

Es heißt, die Masten seien leicht einsturzgefährdet. Stimmt das?
Es gibt Hinweise, dass die Masten langfristig gesehen nicht mehr so sicher sein sollen, aber wiederum keinerlei bekanntes Gutachten über diesen Befund. Hauptsächlich ist das Fundament wohl leicht angegriffen, da muss also unbedingt etwas gemacht werden, das ist ganz klar. Von einer Einsturzgefahr ist aber absolut nichts bekannt.

Die Stadt sagt, ein Abriss sei günstiger als die Instandhaltung.
Ich denke, dass die Stadt sich einfach nicht genügend Gedanken gemacht hat, welche Optionen es noch gibt. Das war ein voreiliger Entschluss, der nicht alle Möglichkeiten miteinbezogen hat. Entweder wir sanieren die Masten mit samt der Elektrik oder wir reißen sie ab. Die Art und Weise, wie der Beschluss zu Stande kam, ist ziemlich dreckig. Die Stadt wollte scheinbar alles ganz schnell und möglichst ohne viel Gegenwind über die Bühne bringen, nach dem Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter. Ein Unding.

Das Stadion wurde seit dem Konkurs des BSV Brandenburg von treuen Fans gepflegt und teilweise auch von Zuschussgeldern der Stadt saniert. Ist der Abriss nicht ein Widerspruch?
Mal ehrlich: Außer bei den Sanitäranlagen wurde da seit vielen Jahren seitens der Stadt nichts Nennenswertes gemacht. Es gab vor drei Jahren eine Stadionbegehung, und am liebsten hätten die von der alten Tribüne bis zur Anzeigetafel die Hälfte des Stadions abgerissen. Die Stadt hat wenig Interesse und sieht das Stadion eher als lästigen Klotz am Bein. Vieles wurde deshalb in Eigenleistung engagierter Vereinsmitglieder und treuer Fans ohne einen Cent der Stadt saniert.

Was genau?
Als Beispiel die Anzeigetafel. Das war nur noch ein leeres Gerippe und die Technik konnte man nicht mehr gebrauchen. Also haben Vereinsmitglieder sie zu einer manuellen Tafel umgebaut, in der Styroportafeln stecken, die genau das Digitaldesign von früher haben. Wenn man sie sich heute ansieht, käme man nicht darauf, dass es Styropor ist und dass der Spielstand per Hand eingeschoben wird. Außerdem unseren Sprecherturm. Auch er sollte damals verschwinden und heute erstrahlt er in neuem Glanz. Zuletzt wurde damit begonnen, per Hand die Stehtraversen in der Südkurve auszubessern. Im Rahmen der Möglichkeiten ist ähnliches Engagement natürlich auch bei den Flutlichtmasten realistisch.

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