14.01.2013

Marcel Maltritz über VfL-Fans, Geldgier und Abstiegskampf

»Das Auf und Ab geht uns auf die Nerven«

Einst spielte Marcel Maltritz im Europapokal, nun kämpft er mit dem VfL Bochum gegen den Abstieg in die Dritte Liga. Erlebt der dienstälteste VfL-Profi gerade die schlimmste Saison seiner Karriere? Ein Gespräch über VfL-Fans, Geldgier und Relegationsspiele.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Marcel Maltritz, bitte beschreiben Sie den typischen VfL-Fan.
(Pause) Unsere Anhänger sind leidgeprüft - sie sind es gewohnt, mit Rückschlägen und Negativphasen umzugehen. In Bochum gab es schon immer mehr Tiefen als Höhen, das ist ein Teil der Vereinshistorie. Der VfL ist nichts für Schönwetter-Fans.

Sind Ihnen die Anhänger manchmal zu kritisch?
Dass sie kritisch sind, will ich nicht leugnen. Allerdings ist das keine schlechte Eigenschaft, schließlich hat sie auch etwas zu tun mit Leidenschaft. Und genau jene besitzt die Mehrzahl unserer Fans. Eins muss jedem Spieler klar sein: Die Leute hier wollen echte Arbeit sehen. Wer sich zerreißt, hat gute Karten. Wer sich hängen lässt, muss mit Gegenwind rechnen. Kurzum: Man weiß, woran man ist.

Wie würden Sie die Hinrunde des VfL in wenigen Sätzen zusammenfassen?
Wenn man in 17 Spielen 14 Punkte holt, ist das unterirdisch. Was wir abgeliefert haben, ist nicht nur zu wenig, sondern auch erschreckend. Wir haben andere Ansprüche. Die zwei Rückrundenpartien, die vor der Winterpause über die Bühne gegangen sind, waren sicherlich okay. Aber: Jeder Einzelne weiß, dass er insgesamt deutlich mehr leisten kann und muss.

Kommen die Spieler etwa nicht mit der Erwartungshaltung zurecht?
Wir sind ein kleiner, aber stolzer Verein, der zuletzt ordentlich was auf den Deckel bekommen hat. Die Verantwortlichen haben vor der Runde deutlich gesagt, dass sich das Team in einem Umbruch befindet.

Ein Umbruch, der voraussichtlich wann erste Früchte trägt?
Wir arbeiten hart. Natürlich wollten wir von Anfang an oben mitspielen, keine Frage, aber wir wussten ebenso, dass wir auf keinen Fall um den direkten Aufstieg kämpfen würden. Unsere Zielsetzung ist also nicht unrealistisch gewesen. Am Druck lag es nicht, vielmehr hat sich die Mannschaft, schlicht gesagt, nicht schnell genug gefunden. Das war unser großes Problem.

Ist daraus im Saisonverlauf ein Kopfproblem geworden?
Sicherlich auch, ja. Der Kopf spielt in solchen Momenten stets eine wichtige Rolle. Wer immer wieder Negatives erlebt, läuft Gefahr, zu verkrampfen. Irgendwann hat sich eine Art Kettenreaktion entwickelt – so was kennt jeder Profi. Plötzlich klappt nahezu gar nichts mehr.

Sie stehen mit dem VfL nur vier Zähler vor dem Relegationsplatz - mit welchen Emotionen gehen Sie nun in die Rückrunde?
Ich bin zuversichtlich. Unsere letzten Partien sind relativ gut gelaufen; jeder konnte eine Entwicklung erkennen. Und genau darum geht es doch: aus Fehlern lernen, Selbstbewusstsein ausstrahlen und mutiger spielen. Zunächst wollen wir uns mit aller Macht von unten absetzen und den Anschluss ans Mittelfeld schaffen. Danach können wir uns gern neue Ziele setzen. Es wäre allerdings falsch, jetzt über mögliche Ziele für den März zu schwadronieren. Was wir jetzt dringend brauchen, ist eine Serie, denn dieses ständige Auf und Ab geht allen Beteiligten langsam auf die Nerven.

Überwinden Mannschaften eine Krise, so sprechen Trainer und Spieler rückblickend meist von einem Spiel, das die Wende eingeleitet habe. Der VfL hat zuletzt 1860 München aus dem Pokal geworfen…
(lacht) Oh ja, das wäre so eine Partie, die dafür infrage käme! Die Stimmung im Stadion war phänomenal, die Zuschauer haben uns großartig unterstützt. Jeder Spieler wünscht sich eine gewisse Euphorie, die von den Rängen ausgeht - so was hilft ungemein. Aber: Letztendlich sind wir als Mannschaft dafür verantwortlich, wir müssen zeigen, dass wir aus dem Keller rauskommen wollen. Das zarte Pflänzchen, das in den letzten Wochen gewachsen ist, wollen wir pflegen. In einem Satz: Wir wollen eine gute Rückrunde spielen. 

Nun heißt es also: Abstiegskampf. Ist das der Tiefpunkt Ihrer Karriere?
Über solche Fragen mache ich mir keine Gedanken. Das wäre eine Sackgasse. Ich hoffe, wir haben die schwierigste Phase hinter uns. Vielleicht ist es ja möglich, die Mannschaft im Sommer derart zu verstärken, dass wir im kommenden Jahr wieder ganz oben mitmischen.

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