19.02.2010

Marcel Maltritz über Bochums Aufwind

»Wir sind unbeugsam«

Heimlich, still und leise hat der VfL Bochum sich weg von den Abstiegsrängen geschoben. Während anderswo Panik herrscht, treten die Klassenkampf-Veteranen besonnen auf. Kapitän Marcel Maltritz erklärt den Aufwind.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
War die Klatsche gegen Bayern der Auslöser für den Positivtrend? Was ist nach diesem Spiel passiert? Ist die Mannschaft enger zusammengerückt?

Da kommen einige Dinge zusammen. Nach dem Trainerwechsel hatte die Mannschaft erst einmal zwei Begegnungen gebraucht, um das Spiel zu verinnerlichen, was Heiko Herrlich von uns erwartet. Dann haben wir in Hamburg gewonnen und gegen Köln und Stuttgart jeweils gepunktet. Das 1:5 gegen die Bayern war sicherlich ein Rückschlag, doch nach dem Spiel haben die Trainer nicht nur unsere Fehler thematisiert, sondern uns auch gezeigt, dass wir in den ersten 30 Minuten einiges richtig gemacht haben.

Anschließend kam das Spiel in Hannover, wo wir zur Halbzeit mit 0:2 hinten lagen. Dabei wurde das erste Tor aus einer Abseitsposition heraus erzielt, und der Schiedsrichter hat einen klaren Elfmeter für uns nicht gepfiffen. Wir haben uns dann in der Kabine noch einmal richtig gepuscht und sind mit der Einstellung raus: Nicht mit uns! Am Ende haben wir 3:2 gewonnen und anschließend aus sechs Spielen zwölf Punkte geholt.

Also hat Herrlich die Mannschaft stark gemacht. Was zeichnet ihn aus? Was unterscheidet ihn von Marcel Koller?

Sie miteinander zu vergleichen steht mir als Spieler nicht zu. Unser Cheftrainer arbeitet sehr akribisch, seine Analysen sind sehr fundiert, und das Training bringt uns alle weiter. Zudem besitzt er eine natürlich Autorität und verfügt über die Gabe, Spieler begeistern zu können

Herrlich gilt als ruhiger Typ. Viele setzen im Abstiegskampf auf Heißsporne an der Linie. Welcher Typ ist gefragt?

Der, mit dem man am erfolgreichsten ist… Emotionen gehören zum Fußball einfach dazu, es ist allerdings auch hilfreich, wenn man immer den Überblick behält. Immerhin muss man als Trainer in großen Stresssituationen die richtigen Entscheidungen treffen.

Zu ihnen persönlich: Sie sind Kapitän des VfL. Welche Anforderungen werden an einen Kapitän im Abstiegskampf gestellt?

Als Kapitän ist man immer gefordert. Wobei bei uns nicht nur der Kapitän Verantwortung übernimmt, sondern der gesamte Mannschaftsrat. Man sollte auf dem Platz mit gutem Beispiel vorangehen: andere mitreißen und motivieren, Aggressivität vorleben, ggf. taktische Korrekturen vornehmen sowie Hinweise geben usw. Zudem ist es wichtig, Spieler zu integrieren. Dazu gehört das Planen von gemeinsamen Aktivitäten, auf Außenstehende zuzugehen oder bei möglichen Konfliktsituationen zu vermitteln. Nicht zu vergessen: Man vertritt die Interesse sowie die Ideen der Mannschaft gegenüber dem Trainerstab und stellt sich vor allem nach Niederlagen den Medien und Fans.

Sie selbst standen in der Vergangenheit mit forschen Aussagen in der Presse. Ist es nötig, auch mal öffentlich nach vorne zu preschen, um ein Zeichen zu setzen?

Man muss sich nicht nur auf dem Platz wehren, auch abseits ist Courage gefragt. Allerdings gibt es Grenzen. Dem Gegner respektlos gegenüberzutreten oder andere in die Pfanne zu hauen: Das war und ist nie meine Absicht.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden