23.03.2009
Marcel Eger im Interview
»Heldenverehrung kenne ich nicht«
Seit über vier Jahren spielt Marcel Eger beim FC St. Pauli, er hat den Aufstieg in die 2. Liga miterlebt und gehört zu den Stützen des Teams. Wir sprachen mit ihm über Wohngemeinschaften auf St. Pauli, Musik und Wasserkocher.
Marcel Eger, sind Fußballprofis zu bequem?
Gemeinhin wird der Fußballprofi ab dem ersten Tag seiner Karriere hofiert und betüddelt – in fast allen Lebenslagen. Man muss sich um nichts kümmern, man wird von hier nach dort gefahren und wieder zurück, für sämtliche Termine sind andere zuständig, oftmals wird sogar die Wohnung ausgewählt und bezugsfertig renoviert. Daher kann ich es durchaus nachvollziehen, wenn der Fußballprofi von heute auch in seiner freien Zeit relativ unselbständig bleibt.
Und die Füße hochlegt...
So in etwa. Allerdings halte ich es für ein Klischee, dass es heutzutage ausschließlich Profis gibt, die neben dem Fußball nichts anderes machen außer Playstation zu spielen und Fernsehen zu gucken. Ich kenne zahlreiche sehr gut verdienende Fußballprofis, die sich trotz ihres hohen Lebensstandards die Zeit nehmen, hinter Fassaden zu schauen. Ich denke da an Spieler wie Per Mertesacker oder Philipp Lahm, also Spieler, die neben ihrem Beruf als Fußballprofi, der sie eigentlich voll in Anspruch nimmt, noch die Muse haben, Stiftungen zu gründen und sich mit Problemen zu beschäftigen, die über die des Fußballs hinausgehen.
Wann haben Sie gemerkt, dass Sie vom Leben noch mehr erwarten als Fußball?
Für mich gab es nie ein besonderes Schlüsselerlebnis. Dass sich meine Idee vom Leben nicht ausschließlich auf Fußball beschränkt, hängt vielleicht mit meiner Erziehung zusammen. In meiner Familie gab es immer auch andere Themen als Fußball. So habe ich zum Beispiel früh gelernt, nachhaltig zu denken.
Sie fahren einen Mustang.
Ein Auto, das eigentlich viel zu umweltunfreundlich ist, das stimmt. Ich habe es daher auf Autogas umrüsten lassen, und gemerkt: Man kann ein cooles Auto fahren, aber trotzdem umweltbewusst leben.
Was sagen Ihre Mitspieler zu Ihrer Lebensweise?
Oft höre ich Sprüche wie: »Der Öko ist wieder unterwegs.« Aber das ist mir egal. Vor allem weil ich häufig Bestätigung finde. Zum Beispiel zogen mich viele Mitspieler auf, weil ich auf Ökostrom umstellte und Energiesparlampen benutze. Eines Tages wurde dann publik, dass ab 2010 ausschließlich Energiesparlampen verkauft werden – gesetzlich geregelt. Als ein Mitspieler einen Zeitungsartikel zu dem Thema laut in der Kabine vorlas, guckten sie mich alle mit großen Augen an. Mir huschte ein kleines Lächeln über die Lippen und ich dachte nur: Vielleicht wird es bei dem einen oder anderen nun auch »klick« machen.
Fühlen Sie sich als Außenseiter?
Nein, überhaupt nicht. Die Sticheleien sind ja nichts weiter als Scherze. Ich kann damit offensiv umgehen. Und es ist ja auch nicht so, dass ich total unnormal bin. Ich dusche mich ja auch.
Aber nur kalt.
Natürlich. (lacht) Nein, ich finde es einfach wichtig, auf Kleinigkeiten zu achten. Man kann als Einzelner durchaus etwas zu einem besseren Leben beitragen. Gerade als Fußballprofi kann man anderen ein Vorbild sein, vor allem solchen Menschen, die sich normalerweise nie mit Themen wie Umweltschutz beschäftigen.
Ihr ehemaliger Mitspieler Benni Adrion erzählte einmal, ein Trainingslager auf Kuba hätte ihn so sehr geprägt, dass er die Organisation »Viva con agua« ins Leben rief.
Das Trainingslager war für viele prägend, ganz klar. Und auch ich fand es immer schon wichtig, mit wachen Augen durch die Welt zu reisen. Mein großer Traum ist es, eines Tages eine Weltreise zu machen – einfach mit einem Rucksack und los. So bin ich bis heute immer gereist. Und ich finde auch, dass Reisen so viel lehrreicher sein können. Leider stehen mir in den Sommer- und Winterpausen stets nur wenige Wochen zur Verfügung.
Ein anderer Wunsch war ein Studium.
Das stimmt. Nebenher hätte ich vielleicht noch ein bisschen gekickt, um mir das Studium zu finanzieren. Dann wäre ich vielleicht Lehrer geworden. In den letzten Jahren habe ich oftmals überlegt, ob ich nicht doch noch studieren sollte. Nebenher. Ich war sogar kurz an der Fern-Uni in Hagen eingeschrieben.
Wieso nur kurz?
Ich war zugegebenermaßen ein bisschen faul. Man hat als Zweitligaprofi zwar viel freie Zeit, doch wenn man mehrmals am Tag trainiert und dann nach Hause kommt, hat man nicht immer Lust alleine, also ohne Austausch mit Kommilitonen, die Stapel von Papieren und Readern durchzulesen. Ich werde jetzt aber an der Uni Hamburg gucken, ob es nicht möglich ist, ein Teilzeitstudium aufzunehmen.
Das klingt nicht so, als hätten Sie sich mit dem Beruf Fußballprofi einen Jungstraum erfüllt.
Fußball war nie mein Masterplan. Und richtig Spaß an dem Beruf Profifußballer habe ich erst beim FC St. Pauli bekommen. In dem Klub geht es zwar professionell um Fußball, und das ist wichtig, aber jeder Spieler hat dennoch die Möglichkeit, seine anderen Ichs ein bisschen zu beschäftigen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es bei anderen Vereinen nicht so ist. Die Entscheidung zum FC St. Pauli zu gehen, war insofern eine der besten meines Lebens. Denn heute steht Fußball bei mir an erster Stelle – direkt nach Familie und Freunden. Aber ganz ehrlich: Ich habe in meiner Jugend niemals daran gedacht, eines Tages Interviews zu geben und darüber zu sprechen, wie meine Karriere gelaufen ist.
Gemeinhin wird der Fußballprofi ab dem ersten Tag seiner Karriere hofiert und betüddelt – in fast allen Lebenslagen. Man muss sich um nichts kümmern, man wird von hier nach dort gefahren und wieder zurück, für sämtliche Termine sind andere zuständig, oftmals wird sogar die Wohnung ausgewählt und bezugsfertig renoviert. Daher kann ich es durchaus nachvollziehen, wenn der Fußballprofi von heute auch in seiner freien Zeit relativ unselbständig bleibt.
Und die Füße hochlegt...
So in etwa. Allerdings halte ich es für ein Klischee, dass es heutzutage ausschließlich Profis gibt, die neben dem Fußball nichts anderes machen außer Playstation zu spielen und Fernsehen zu gucken. Ich kenne zahlreiche sehr gut verdienende Fußballprofis, die sich trotz ihres hohen Lebensstandards die Zeit nehmen, hinter Fassaden zu schauen. Ich denke da an Spieler wie Per Mertesacker oder Philipp Lahm, also Spieler, die neben ihrem Beruf als Fußballprofi, der sie eigentlich voll in Anspruch nimmt, noch die Muse haben, Stiftungen zu gründen und sich mit Problemen zu beschäftigen, die über die des Fußballs hinausgehen.
Wann haben Sie gemerkt, dass Sie vom Leben noch mehr erwarten als Fußball?
Für mich gab es nie ein besonderes Schlüsselerlebnis. Dass sich meine Idee vom Leben nicht ausschließlich auf Fußball beschränkt, hängt vielleicht mit meiner Erziehung zusammen. In meiner Familie gab es immer auch andere Themen als Fußball. So habe ich zum Beispiel früh gelernt, nachhaltig zu denken.
Sie fahren einen Mustang.
Ein Auto, das eigentlich viel zu umweltunfreundlich ist, das stimmt. Ich habe es daher auf Autogas umrüsten lassen, und gemerkt: Man kann ein cooles Auto fahren, aber trotzdem umweltbewusst leben.
Was sagen Ihre Mitspieler zu Ihrer Lebensweise?
Oft höre ich Sprüche wie: »Der Öko ist wieder unterwegs.« Aber das ist mir egal. Vor allem weil ich häufig Bestätigung finde. Zum Beispiel zogen mich viele Mitspieler auf, weil ich auf Ökostrom umstellte und Energiesparlampen benutze. Eines Tages wurde dann publik, dass ab 2010 ausschließlich Energiesparlampen verkauft werden – gesetzlich geregelt. Als ein Mitspieler einen Zeitungsartikel zu dem Thema laut in der Kabine vorlas, guckten sie mich alle mit großen Augen an. Mir huschte ein kleines Lächeln über die Lippen und ich dachte nur: Vielleicht wird es bei dem einen oder anderen nun auch »klick« machen.
Fühlen Sie sich als Außenseiter?
Nein, überhaupt nicht. Die Sticheleien sind ja nichts weiter als Scherze. Ich kann damit offensiv umgehen. Und es ist ja auch nicht so, dass ich total unnormal bin. Ich dusche mich ja auch.
Aber nur kalt.
Natürlich. (lacht) Nein, ich finde es einfach wichtig, auf Kleinigkeiten zu achten. Man kann als Einzelner durchaus etwas zu einem besseren Leben beitragen. Gerade als Fußballprofi kann man anderen ein Vorbild sein, vor allem solchen Menschen, die sich normalerweise nie mit Themen wie Umweltschutz beschäftigen.
Ihr ehemaliger Mitspieler Benni Adrion erzählte einmal, ein Trainingslager auf Kuba hätte ihn so sehr geprägt, dass er die Organisation »Viva con agua« ins Leben rief.
Das Trainingslager war für viele prägend, ganz klar. Und auch ich fand es immer schon wichtig, mit wachen Augen durch die Welt zu reisen. Mein großer Traum ist es, eines Tages eine Weltreise zu machen – einfach mit einem Rucksack und los. So bin ich bis heute immer gereist. Und ich finde auch, dass Reisen so viel lehrreicher sein können. Leider stehen mir in den Sommer- und Winterpausen stets nur wenige Wochen zur Verfügung.
Ein anderer Wunsch war ein Studium.
Das stimmt. Nebenher hätte ich vielleicht noch ein bisschen gekickt, um mir das Studium zu finanzieren. Dann wäre ich vielleicht Lehrer geworden. In den letzten Jahren habe ich oftmals überlegt, ob ich nicht doch noch studieren sollte. Nebenher. Ich war sogar kurz an der Fern-Uni in Hagen eingeschrieben.
Wieso nur kurz?
Ich war zugegebenermaßen ein bisschen faul. Man hat als Zweitligaprofi zwar viel freie Zeit, doch wenn man mehrmals am Tag trainiert und dann nach Hause kommt, hat man nicht immer Lust alleine, also ohne Austausch mit Kommilitonen, die Stapel von Papieren und Readern durchzulesen. Ich werde jetzt aber an der Uni Hamburg gucken, ob es nicht möglich ist, ein Teilzeitstudium aufzunehmen.
Das klingt nicht so, als hätten Sie sich mit dem Beruf Fußballprofi einen Jungstraum erfüllt.
Fußball war nie mein Masterplan. Und richtig Spaß an dem Beruf Profifußballer habe ich erst beim FC St. Pauli bekommen. In dem Klub geht es zwar professionell um Fußball, und das ist wichtig, aber jeder Spieler hat dennoch die Möglichkeit, seine anderen Ichs ein bisschen zu beschäftigen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es bei anderen Vereinen nicht so ist. Die Entscheidung zum FC St. Pauli zu gehen, war insofern eine der besten meines Lebens. Denn heute steht Fußball bei mir an erster Stelle – direkt nach Familie und Freunden. Aber ganz ehrlich: Ich habe in meiner Jugend niemals daran gedacht, eines Tages Interviews zu geben und darüber zu sprechen, wie meine Karriere gelaufen ist.



