11.01.2008

Marcel Eger im Interview

„Boah, was für coole Typen!“

Marcel Eger besuchte ein Hippie-Gymnasium, skatete und interessierte sich für Mädels. Fußball? Ein Hobby für den Lebemann. Bis er bei einem Spiel in Nürnberg die Fans des FC St. Pauli sah. Da wurde ihm klar: Für diesen Club will ich spielen!

Interview: Jens Kirschneck Bild: Imago
Marcel Eger, wann haben Sie zum ersten Mal St. Pauli als »anderen« Verein wahrgenommen?

Als Jugendlicher beim 1. FC Nürnberg. Ich habe darauf geachtet: Welche Liga spielen die jetzt? Sind sie schon wieder abgestiegen? Die waren alle ein bisschen verrückt, das war auch alles etwas anders dort. Das erste, was ich dann konkret von St. Pauli mitbekommen habe, war das Spiel 2001, als sie in Nürnberg aufgestiegen sind.



Waren Sie im Stadion?

Ja, allerdings als Club-Fan. Dadurch, dass ich damals dort spielte, war ich dem Verein natürlich verbunden. Aber ich habe mich eine Zeitlang auch gar nicht für Fußball interessiert. Da habe ich nur ein bisschen gekickt...

Das ist so ein wenig das Manuel-Friedrich-Syndrom. Selbst hochklassig spielen, sich aber abgesehen davon nicht für den Fußball interessieren.


Nicht ganz so krass. Aber ich werde immer noch ab und zu damit aufgezogen, dass ich nicht weiß, wo genau die berühmten europäischen Stars spielen.

Bis heute?

Ja. Es gibt einfach andere Dinge, die mich mehr interessieren. Zum Beispiel jegliche Art von Indie-Musik, Konzerte und sowas.

Wer sind denn Ihre Lieblingsbands?

Arctic Monkeys, wenn es abgehen soll, und Damien Rice zum Kuscheln. Die Shout Out Louds sind die beste Band, die ich in letzter Zeit live gesehen habe. Die Erweiterung meiner iTunes-Bibliothek ist so gesehen auch eines meiner größten Hobbys.

Prädestiniert Sie das auch, für diesen Verein zu spielen?


Gute Frage. Über den Verein habe ich auch Leute kennen gelernt, die mit der Musik verbunden sind und die Konzerte veranstalten. Die hätte ich bei einem anderen Verein nicht so schnell kennen gelernt, weil die Möglichkeit, mit Fans einen ganz normalen, freundschaftlichen Kontakt zu haben, hier eher gegeben ist. Bei anderen Vereinen wird man gleich auf eine Ebene gehoben, auf der man für andere unerreichbar ist. Hier dagegen habe ich schnell Freunde gefunden, die mir auch mal Freikarten besorgen oder mich auf die Gästeliste schreiben.

Hamburg ist auch eine Stadt, in der Sie Ihre Liebe zur Musik ausleben können.

Das auf jeden Fall. Die Dichte an Locations und Konzerten und auch die Tatsache, dass alle Bands, die nach Deutschland kommen, einen Abstecher nach Hamburg machen, ist schon sehr praktisch.

Zurück zum Spiel in Nürnberg gegen St. Pauli.

Da gibt es ein Bild in dem Buch über den „Fanladen“: Die St. Pauli-Fans stehen in ihrer Kurve, das Spiel wurde gerade abgepfiffen. St. Pauli ist zusammen mit dem Club aufgestiegen. Club-Fans haben den Platz gestürmt, stehen auf dem Rasen, aber die St. Pauli-Fans dürfen nicht raus und werden abgeschottet von der Polizei. Die Clubfans wenden alle ihren Blick in eine Richtung und denken: »Boah, was sind das für coole Typen?«. Genau so habe ich es auch damals empfunden. Die sind verrückt, die sind anders, die feiern und lassen sich auch von der Polizei nicht abschrecken.

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