23.07.2013

Marc Ziegler über das Karriereende und seine Zukunftspläne

»Wenn ich gebraucht wurde, war ich da«

Marc Ziegler war lange der Inbegriff des Ersatztorhüters: stets zuverlässig, äußerst integer und hochgradig professionell. Jetzt hat er seine Karriere beendet und zieht hier sein Karriereresümee.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago

Marc Ziegler, was halten Sie von der Aussage: »Sportler fallen nach ihrer Profikarriere zunächst in ein tiefes Loch«?
Gibt es das tatsächlich? (lacht) Oder dient dieser Satz nicht eher als Alibi? Im Ernst: Mir geht es zurzeit richtig gut. Das ist aber auch nicht sonderlich überraschend, schließlich habe ich mich lange auf den neuen Abschnitt vorbereitet.

Sie haben mal gesagt, sie würden nach dem Karriereende gern studieren – ist das noch immer eine Option? 
Auf jeden Fall. Da mich derzeit allerdings viele Gedankenspiele beschäftigen, wäre es falsch, würde ich jetzt eine Option hervorheben. Klar ist, dass noch nichts klar ist. Weshalb sollte ich nun in Hektik verfallen? Ich spüre keinerlei Zeitdruck, im Gegenteil, ich will mir zunächst eine Auszeit gönnen, eine Auszeit, auf die sich meine Frau und die Kinder schon lange freuen. Wir wollen reisen, uns die Welt anschauen, neue Eindrücke aufsaugen. Erst danach rückt das Thema »Neue Herausforderung« in den Vordergrund.

Und wohin geht die Reise?
Ob Sie es glauben oder nicht: Ich komme gerade aus dem Reisebüro! (lacht) Erstes Ziel: USA. Später geht es dann nach Südafrika. Die Vorfreude ist riesig. Für solche Touren hatte ich bislang nie Zeit, obwohl ich sie mir schon zu Abizeiten fest vorgenommen hatte. Bereits damals ist mir stets der Fußball in die Quere gekommen.

Ihre Karriere begann 1995 spektakulär: Ihr damaliger Trainer beim VfB Stuttgart, Rolf Fringer, sortierte Ex-Nationalkeeper und VfB-Idol Eike Immel aus und schenkte Ihnen sein Vertrauen. Wie haben Sie den Karrieresprung erlebt?
Ich trainierte damals mit den Profis, es hieß, ich solle mir das alles einfach mal anschauen, nach dem Motto: Anschließend sehen wir weiter. Die Saisonvorbereitung lief aus meiner Sicht ideal, plötzlich sagte der Trainer: »Marc, du spielst.« Das ging alles sehr, sehr schnell.

Für Eike Immel war die Degradierung - nach eigener Aussage - der schlimmste Moment seiner Karriere. Er habe bis heute nicht verstanden, weshalb er damals aussortiert wurde. Waren Sie zu jener Zeit ebenfalls überrascht?
Dass es so schnell ging, nun ja, damit konnte ich nicht rechnen. Wenn man lediglich davon ausgeht, reinzuschnuppern, das Ziel hat, einen guten Eindruck zu hinterlassen ...(Pause)... und dann plötzlich die Nummer eins wird, ist das schon ein ganz spezieller Augenblick. Die anderen Begleiterscheinungen möchte ich jetzt nicht kommentieren.

Mit anderen Worten: Eine große Überraschung?
Hätte ich nicht eine derart überragende Vorbereitung absolviert, wäre der Trainer wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, einen unerfahrenen Torhüter zur Nummer eins zu machen. Ein junger, ehrgeiziger Profi sagt nicht »Nein«, wenn man ihn befördert.

Die damalige VfB-Mannschaft war verunsichert, die Abwehr wackelte – Sie spürten gleich in Ihrer ersten Saison heftigen Gegenwind...
Trotzdem spielte ich in Stuttgart eine gute Runde, laut Statistik zählte ich zu den fünf, sechs besten Torhütern der Liga. Aber es stimmt, unsere Mannschaft war nicht gefestigt, wir liefen unseren Ansprüchen hinterher und wurden am Ende nur Zehnter. Insofern war es auch keine Überraschung, dass ich als Newcomer nicht in jeder Partie geglänzt habe. Apropos: Wissen Sie, was mir in den vergangenen Jahren aufgefallen ist?

Verraten Sie es uns.
Heutzutage dürfen junge Bundesliga-Torhüter mehr Fehler machen als wir damals. Das ist eine positive Entwicklung. Inzwischen setzen die Klubs verstärkt auf Nachwuchskräfte. Vor 15, 20 Jahren  hatten es Torwart-Talente unheimlich schwer, oben reinzustoßen.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden