23.03.2008

Marc van Bommel im Interview

»Ich bin nicht bösartig«

Mark van Bommel spielt bereits seine zweite Saison für die Bayern. Wäre Schwiegervater van Marwijk bald Nationaltrainer, spielte er auch wieder für die Elftal. Der Holländer über saure Milch, Kindererziehung und bedauernswerte Momente.

Interview: Andreas Burkert und Klaus Hoeltzenbein Bild: Imago
Marc van Bommel im Interview
Spielertypen wie Sie einer sind, nennt man dort mariscal, den Marschall.

Oder mala leche. Schlechte Milch. Oder besser noch: saure Milch. Gemeint sind Spieler, die, wenn es mal nicht so läuft, ein Zeichen setzen. Die ein Spiel drehen können.

Davon gibt es nicht viele.

Ja, genau. Und wenn die da sind, ist es auch wieder nicht gut (lacht).

Der Mann fürs Grobe aus Holland. Normalerweise sind dort die Super-Techniker zu Hause.


Moment mal, meine Technik ist nicht so schlecht. Holländer haben einfach eine gute Technik, das ist die Schule dort. Das Passspiel ist fast immer schnell und sauber. Wichtig ist etwa, dass Franck Ribéry der Ball mit Tempo auf den richtigen Fuß gespielt wird. Manchmal können die Leute auf der Tribüne nicht so richtig honorieren, was so ein präziser Pass aus der Tiefe wert ist.

Vor wenigen Tagen, beim 0:2 der Bayern in Cottbus, haben die Leute aber schon gesehen, dass Mark van Bommel nicht gespielt hat.

Gegen Schalke und Karlsruhe war ich auch nicht dabei, und die Spiele haben wir gewonnen.

Sie waren gesperrt. Drei Spiele lang, weil Sie sich auf dem Platz danebenbenommen hatten. Haben Sie das Cottbus-Spiel am Fernseher gesehen?

Sah ein bisschen müde aus von uns. Es sah aus, als ob man immer einen Schritt zu spät kam. Manchmal hat man solche Spiele, aber dann muss man etwas anderes probieren. Dann muss einer böse werden, wachrütteln. Aber am Fernsehen bekam man nicht richtig mit, was da passiert ist.

Was haben Sie beim Cottbus-Spiel Ihren Kindern erzählt, als sie gefragt haben: Papa, warum hast du frei?


Zwei, drei Wochen hintereinander habe ich das erzählen müssen! Warum spielst du nicht? Warum bist du zu Hause? Und ich musste sagen: Papa war - nicht böse, sondern... Wie heißt das richtige Wort auf Deutsch?

Unartig?

Genau. Ich habe einen Jungen und ein Mädchen von fünf sowie einen Jungen von drei. Und der Fünfjährige, der verfolgt alles, der weiß alles. Der spielt das Fifa-Spiel auf seinem Computer auf der Playstation, der kennt jeden Spieler, also fragt er: Papa, hast du eine gelbe Karte gekriegt? Ja, zwei. Okay, und dann darfst du nicht spielen! Das weiß der schon. Das ist am Computer auch so: gelbe Karte. Noch eine gelbe. Rote Karte! Zum Glück hatten sie es im Stadion nicht gesehen, was passiert war.

Warum nicht?

Sie waren im Legoland. In der Kinderbetreuung.

Sie holen Ihre Kinder ja auch vom Kindergarten ab. Kinder, heißt es, tragen die Wahrheit auf der Zunge. Heißt es da nicht auch mal: Schau, da kommt der böse van Bommel?

Bisher nicht, aber man denkt darüber nach. Das ist natürlich ein schlechtes Vorbild für die Kinder. Es darf nicht so weit kommen, dass die Kinder auf dem Trainingsplatz das Gleiche machen. Da denkt man in der Hektik auf dem Platz nicht drüber nach. Aber es ist nicht gut so, das geht nicht: Das sind obszöne Gesten, die du auf der Straße auch nicht machen kannst. Und man bekommt sehr schnell einen Stempel verpasst, Rüpel oder so, obwohl ich noch nie einen aus den Socken getreten habe.

Auf der Bayern-Homepage sagen Sie über Ihre Eigenschaften: sehr ruhig. Aber Sie fügen den Nachsatz an: außerhalb des Fußballplatzes.

Ich bin kein bösartiger Spieler. Aber es gab Momente, Emotionen, die sind im Nachhinein nicht schönzureden.

Und jetzt? Was kann man tun, um den Stempel wegzubekommen?

Ich versuche es, natürlich, aber es ist schwierig. Damit muss man jetzt leben.

Zumal Sie aus Ihrer Rolle kaum rauskommen. Trainer Hitzfeld wird Sie in den kommenden Wochen, da jetzt die wichtigen Spiele kommen, sicher nicht aus dem Amt des Agressiv-Leaders, wie er Sie einmal nannte, entlassen.

Der Begriff hat ja zwei Seiten. Man kann ihn positiv erklären oder negativ. Er hat ihn positiv gemeint, und jetzt ist es negativ geworden. Mein eigener Fehler. Aber meine Kollegen und der Verein sind mit mir, so weit ich das beurteilen kann, sehr zufrieden. Und das ist das Wichtigste. Meist sind Spieler wie Basler oder Effenberg nicht beliebt beim Gegner, aber die Kollegen sind froh, dass sie auf dem Platz stehen. Und so muss man einen solchen Stempel auch erklären. In jeder Mannschaft gibt es zwei, drei Spieler, die den Gegner verunsichern. Hier ist es Ribéry, der dafür sorgen kann, dass der Gegner verliert. Und dann sind es diejenigen, die irritieren. Da gehören Olli Kahn oder ich dazu. Das ist einfach unsere Ausstrahlung.

Es heißt, Sie seien schon als Kind ein Bayern-Fan gewesen. Ist das Wahrheit oder Legende?

Immer schon. Im holländischen Fernsehen gibt es ein Sportprogramm, in dem steht jetzt ein Nachttisch. Ein altes Ding, aus der Zeit, als ich klein war. Und da ist ein Aufkleber des FC Bayern drauf. Die haben so ein kleines Museum im Studio, und jeden Montag, wenn sie Sendung haben, wird von einem Spieler etwas hineingestellt. Da stehen auch schon meine Kinderfußballschuhe. Und wenn die Serie fertig ist, nach zwanzig Sendungen, wird alles für zwölf Wochen in einem Museum ausgestellt.


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