08.05.2010

Marc Oechler über den Club

»Bloß keine Dummheiten!«

Club-Legende Marc Oechlerwar dabei, als der 1. FC Nürnberg 1999 in einem dramatischen Saisonfinale doch noch absteigen musste. Als aktuelles Aufsichtsratsmitglied hofft er nun, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago
Marc Oechler, nach der 0:4-Niederlage gegen den HSV droht dem 1. FC Nürnberg der achte Bundesliga-Abstieg in der Vereinsgeschichte.

Ich habe irgendwie schon damit gerechnet, dass in Hamburg nichts zu holen ist. Das war so ein Gefühl. Aber die Mannschaft hat es immerhin noch selbst in der Hand, sich den Relegationsplatz zu sichern.



Gegner in der Relegation wäre dann der FC Augsburg.

Das ist sicher eine gute Mannschaft. Die große Stärke des FC Augsburg liegt darin, dass das Kollektiv funktioniert.

Das war beim Club zuletzt nicht der Fall. Der Auftritt in Hamburg wirkte seltsam blutleer.

Ich kann die Enttäuschung all der Leute verstehen, die mit dem Club fiebern. Das 0:4 drückt natürlich auch auf die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Jetzt müssen sich die Jungs zusammenreißen und am Samstag mit einem Sieg gegen Köln den ersten Schritt Richtung Klassenerhalt machen.

Sie haben zehn Jahre lang als Profi beim Club gespielt und kennen sich deshalb mit dem Thema Abstiegskampf bestens aus. Auf was kommt es in so einer Situation an?

Man muss hellwach sein und darf keine dummen Fehler machen. Wichtig ist auch, dass man seinem Nebenmann hilft. Eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt, braucht keine Einzelkämpfer, sondern Teamplayer, die miteinander sprechen und sich gegenseitig unterstützen. Und natürlich muss man die Sache optimistisch angehen.

Im Club-Team 2010 stehen viele jungen Spieler. Ist das ein Nachteil in der jetzigen Lage?

Es heißt ja, es gibt nur gute oder schlechte Spieler, unabhängig vom Alter. Aber als älterer Spieler hat man im Abstiegskampf schon einen gewissen Vorteil. Weil man die verschiedensten Situationen durchlebt hat und daher weiß, auf was es ankommt. Junge Spieler haben dafür andere positive Eigenschaften, die sie in die Waagschale werfen können. Sie müssen forsch nach vorne spielen, gleichzeitig aber aufpassen, dass sie wenig Fehler machen.

Passt die Mischung beim Club?

Das wird man sehen. Aber ich bin zuversichtlich.

Das waren Sie vor elf Jahren wahrscheinlich auch. Doch dann geschah am 29. Mai 1999 Unglaubliches.

Eine ganz bittere Erfahrung. Die Erinnerungen an diesen Tagen holen einen immer wieder ein. Die Situation war damals von allen im Club und auch von den Leuten im Umfeld komplett unterschätzt worden. Wir hatten als Tabellenzwölfter vor dem letzten Bundesliga-Spieltag drei Punkte und fünf Tore Vorsprung auf den Abstiegsplatz. Jeder dachte, da kann nichts mehr schief gehen.

Ein Trugschluss.

Allerdings. So ein Vorsprung kann ganz schnell dahin schmelzen. Frankfurt hat gegen Kaiserslautern 5:1 gewonnen und wir haben zu Hause gegen Freiburg 1:2 verloren. Das war’s dann.

Punktgleich und dieselbe Tordifferenz, Frankfurt hatte aber mehr Saisontreffer erzielt und zog deshalb wie drei andere Vereine am Club vorbei.

Der unglücklichste Mensch von allen war Frank Baumann. Der hat kurz vor Schluss gegen Freiburg den Ball nicht über die Linie bekommen. Das wäre der Klassenerhalt gewesen. Den Frank hat das sehr lange beschäftigt.

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