Marc Keller über den AS Monaco

»Prinz Albert ist unser größter Fan«

Seit 2004 hat der AS Monaco einen einzigartigen Absturz erlebt. In Frankreichs Eliteklasse kämpft der Klub aus dem Steuerparadies ums Überleben. Sportdirektor Marc Keller über Winnie Schäfer und Prinz Albert. Marc Keller über den AS MonacoImago

Marc Keller, 2006 hatten Sie ein Angebot vom Karlsruher SC, wechselten dann aber zum AS Monaco. Was war ausschlaggebend für Ihren Wechsel in das Fürstentum?

Ganz ehrlich: Es gab nie ein Angebot aus Karlsruhe. Monaco hatte sich, während meiner Zeit als Manager bei Racing Straßburg, intensiv um mich bemüht. Sie wollten mich schon 2004 holen, aber da war ich vertraglich noch gebunden. 2006 hat dann alles gepasst, ich konnte gehen.

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Seit der 0:3 Niederlage gegen den FC Porto im Champions-League Finale 2004 ist Monaco international von der Bildfläche verschwunden. Warum?

Seit 2004 ist unser Etat peu-a-peu geschrumpft. Heute beträgt er 47 Millionen Euro. Im Vergleich mit den anderen französischen Erstligisten sind wir damit ins finanzielle Mittelmaß gerutscht. Wir mussten unser Konzept ändern. Wir wollen ein Ausbildungsverein werden, anstatt auf teure Ausländer zu setzen. Jungen Afrikanern und Talenten aus der Region wollen wir die Möglichkeit geben, sich bei uns zu entwickeln.

Das klingt durchaus löblich, aber die aktuelle Situation ist sehr bedenklich: Nach 17 Spieltagen hat die Mannschaft erst zweimal gewonnen und steht auf Platz 17 – punktgleich mit zwei Teams aus der Abstiegszone. Was ist passiert?  

Diese Saison hatten wir sehr viel Pech mit Verletzungen. Unser Mittelfeld-Talent Lukmen Haruna verletzte sich während der Saisonvorbereitung und fiel vier Monate aus. Bei unserem Stürmer Daniel Niculae war es ähnlich. Nach dem Länderspiel Frankreich gegen Rumänien Anfang Oktober, verletzte er sich schwer, erst jetzt ist er wieder ins Training eingestiegen.  

Vergangene Saison ging einer ihrer Besten, Nènè, zu Paris St. Germain. Diese Saison wird Park Chu-Young bereits mit mehreren Vereinen in Verbindung gebracht. Wie schwer ist es für Sie, diese erfolgreichen Spieler langfristig zu halten?  

Sehr schwer. Um einen Spieler zu halten, brauchst du auch eine Kulisse, ein Stadion, in dem die Fußballer gerne Fußball spielen wollen. Das können wir unseren Jungs momentan nicht bieten. Im Schnitt haben wir 9.000 Zuschauer. Weil die Zuschauer ausblieben, fehlen uns entsprechende Mehreinnahmen. Sie sehen: Die Situation ist kritisch. Aber deshalb fangen wir nicht gleich an zu heulen! (lacht)  

Eigentlich dürften Sie doch keine Probleme haben gute Spieler anzuwerben...  

Weshalb?  

Das Fürstentum Monaco gilt schließlich – auch unter Fußballern – als Steuerparadies.  

Klar, das ist unser kleiner Vorteil, aber wir können nicht nur mit Ausländern spielen. Wir spielen auch für unser Fürstentum.


Hat das Fürstentum, speziell Prinz Albert, auch einen Finanziellen Einfluss auf den Klub?  

Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage. Nur so viel: Prinz Albert ist unser größter Fan, er kommt zu fast allen Heimspielen und hat natürlich auch ein Interesse daran, dass der Verein in der ersten Liga spielt. Verstehen Sie?

Von 1996 bis 1998 spielten Sie in einer völlig prinzenfreien Zone: Beim Karlsruher SC...  

Dafür hatten wir unseren König: Winnie Schäfer!
 
Schäfer soll viel dafür getan haben, dass Sie zum KSC gekommen sind.  

Das stimmt. Er wollte mich schon 1994 nach Karlsruhe holen, aber ich zog mir einen Kreuzbandriss zu und hing plötzlich in der Luft. Winnie aber rief mich an uns sagte: »Mach dir keine Sorgen, ich will dich haben. Wenn du wieder fit bist, kommst du zu uns!« Was dann tatsächlich auch so passierte. Das hat mir confidence geben..., wie sagt man auf Deutsch?

Das nötige Selbstbewusstsein?

Genau. Winnie war ein sehr wichtiger Trainer in meiner Karriere. Unter ihm wurde ich französischer Nationalspieler. Er war ein verrückter Typ, aber so einen braucht jeder Verein. Es war einfach eine tolle Zeit damals beim KSC. Mit Icke Häßler, Sean Dundee, dem Russen Kirjakow und dem großartigen Claus Reitmeier hatten wir eine wunderbare Mannschaft.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren alten Kollegen?

Natürlich, speziell zu Thorsten Fink. Sie werden sich wundern, wie viel Deutschland noch in mir ist! Ich nehme extra die »Sportschau« auf, um sie mir dann am Sonntag anzuschauen. Samstag spielen wir ja meist selber. Ich liebe die Bundesliga, sie ist einfach fantastisch!

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