Marc Arnold über Braunschweigs Weg ins Oberhaus

»Hauptsache Aufstieg!«

Nach 28 Jahren ist Eintracht Braunschweig wieder erstklassig. Wir sprachen mit dem sportlichen Leiter Marc Arnold über Aufstiegszigarren, einen neuen Superstar und unpassende Fürth-Vergleiche.

Marc Arnold, haben sie den Aufstiegs-Brummschädel langsam verkraftet?
Es geht langsam wieder, auch wenn die letzten Tage schon sehr feucht-fröhlich waren.

Bekam Damir Vrancic eine ordentliche Schelte, als er am Freitag in der Nachspielzeit zum 1:0 in Ingolstadt traf? Der Aufstieg im eigenen Stadion, wie es Hertha BSC erlebte, wäre doch sicherlich schöner gewesen.
Völlig egal, Hauptsache Aufstieg! Uns war es sehr wichtig, dass wir dieses Ziel schnellstmöglich umsetzen. Gegen den sensationell getretenen Freistoß hatten wir also nichts einzuwenden. Gerade, da wir über die Saison hinweg schon so lange mit dem Aufstieg konfrontiert wurden.

Erinnern Sie sich noch an die ersten Minuten nach dem Schlusspfiff?
Die Jungs sind übereinander hergefallen. Wem ich da als erstes umarmt habe, weiß ich gar nicht mehr.

Keine einsame Aufstiegszigarre nach dem Abpfiff?
Zwei Stunden nach dem Spiel habe ich eine im Spielertunnel genossen. Da trockneten langsam auch meine Klamotten von den Sekt- und Bierduschen.

Wie ging es danach weiter?
Wir hatten im kleinen Kreis abends in Nürnberg gefeiert, da die Rückreise sinnlos gewesen wäre. Samstag erwarteten uns die zahlreichen Fans bei strömenden Regen im Stadion. Ich glaube, den Empfang hatten wir uns so nicht ausgerechnet. Am Montag war dann natürlich trainingsfrei.

Wird die Aufstiegsmannschaft jetzt eigentlich mit der legendären Breitner-Truppe verglichen?
Eher mit der Meistermannschaft von 1966/67, die ebenfalls ohne die ganz großen Namen auskam. Das betrifft auch die sonstigen Eigenschaften und Spielertypen der beiden Teams.

Hat aus dieser Meistermannschaft schon jemand persönlich gratuliert?
Da wird sicherlich die ein oder andere E-Mail ihren Weg in die Pressestelle gefunden haben. Aber beim nächsten Heimspiel gegen Cottbus wird es genügend Gelegenheit geben, um das persönlich nachzuholen.

Sie sind als Herbstmeister in die Rückrunde gestartet und ließen sich kurz darauf von Hertha BSC die Tabellenführung nehmen. Wann war Ihnen trotzdem klar, dass Sie aufsteigen?
Das an einem Moment festzumachen, ist sehr schwierig. Wir hatten die ersten fünf Saisonspiele, auch gegen namhafte Gegner, gewonnen und standen seit dem zweiten Spieltag auf einem Aufstiegsplatz. Wir sind weder durch Verletzungen, Winterpause oder Niederlagen langfristig aus der Bahn geworfen worden. Am ehesten hat der 1:0-Sieg in Bochum im März, nach drei sieglosen Spielen in Folge, die Aufstiegshoffnungen wiederbelebt.


Beim 0:3 gegen Berlin vor drei Wochen spielte die Eintracht durchwachsenen, abwartenden Fußball. Erinnern Sie sich noch an die Stimmung in der Kabine nach dem Spiel?
Es war eher eine seltsame Stimmung in der Heimat, denn das 0:3 war viel zu hoch ausgefallen. Wir hatten durch zwei Standardsituationen das Spiel verloren, wofür die Mannschaft aus meiner Sicht zu drastisch kritisiert wurde.

Zweifelte zu diesem Zeitpunkt jemand an dem Aufstieg?
Nein, innerhalb der Mannschaft hat niemand gezweifelt. Wir wussten, dass es eine der wenigen Niederlagen war und haben mit dem 3:1-Sieg in Sandhausen die passende Reaktion gezeigt.

Daniel Davari verlor nach dem Hertha-Duell seinen Platz im Tor. Eben dort soll keine Verstärkung geholt werden. Wie sieht die Lösung aus?
Zusammen mit Marjan Petkovic haben wir zwei hervorragende Torhüter, die, wie schon in diesem Jahr, zur neuen Saison um einen Stammplatz kämpfen werden. Wer die bessere Vorbereitung zeigt, wird dann auch im ersten Pokalspiel zwischen den Pfosten stehen.

Im kommenden Jahr wird Ihr Etat auf 37 Millionen Euro aufgestockt. Das ist genau ein Mario Götze. Welchen Superstar dürfen wir an der Hamburger Straße erwarten?
Jemanden, den die Öffentlichkeit bisher nicht als Superstar wahrgenommen hat. So viel dürfte bereits klar sein.

Bisher gaben Sie laut einigen Spekulationen etwa 300.000 Euro für neue Spieler aus. Können Sie die neuen Summen bereits realisieren?
Für uns ist das ein Lernprozess, den wir zügig annehmen wollen. Völlig gleichgültig, ob dies finanzielle, mediale oder sportliche Fragen betrifft.

Wurden Ihnen seit Freitagabend bereits die ersten Spieler angeboten?
(grinst) Nein, seit dem Wochenende hat sich da nichts getan. Aber den seriösen Spielerberatern dürfte bewusst sein, dass wir nicht erst seit Freitag in der neuen Saisonplanung stecken.

Zumindest besitzen Sie jetzt einen kleinen Zeitvorsprung. Wie soll der genutzt werden?
Grundsätzlich haben wir eine bestehende Mannschaft, die mit punktuellen Verstärkungen bereichert werden soll. Das ist aber ein Ablauf, der sich unabhängig des Aufstiegs sowieso vollzieht. Es steigert aber die Zeit, um charakterlich passende Spieler für den Verein zu finden.

Im vergangenen Jahr wurde die SpVgg Greuther Fürth als Aufsteiger mit relativ unbekannten Spielern gefeiert. Wieso erleidet die Eintracht im kommenden Jahr nicht das selbe Schicksal im Oberhaus?
Diese Frage kommt tatsächlich in jedem Interview und ich frage mich, weshalb wir nur mit Fürth verglichen werden. Wir können doch auch Erfolgsgeschichten wie der SC Freiburg oder FSV Mainz schreiben. Uns unterscheiden genügend Dinge, um uns nicht allein mit Fürth vergleichen zu lassen.

Torsten Lieberknecht bezeichnete einen möglichen Klassenerhalt als »Wunder«.
Natürlich wissen wir, dass wir bezüglich infrastruktureller und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen gegenüber der hochkarätigen Vereine eher Nachteile haben. Der Klassenerhalt ist keine Selbstverständlichkeit. Um das auszugleichen, werden wir ums letzte Hemd kämpfen und unseren Weg gehen. 

Ist das der oftmals deklarierte »romantische Weg«?
Für uns war es vor einigen Jahren der alternativlose Weg. Wir wollen daher geschlossen als Eintracht im eigentlichen Sinne auftreten.

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