15.10.2013

Marc-André ter Stegen über seine Zukunft

»Ich bin hier die Nummer eins«

Immer wieder kursieren Gerüchte um Marc-André ter Stegen von Borussia Mönchengladbach. Der Torwart der deutschen U21-Nationalmannschaft spricht im Interview über seine Zukunft, Roman Weidenfeller und den BVB und seine Karriere in Deutschlands U-Team.

Interview: David Nienhaus Bild: Imago

Marc-André ter Stegen, Ihr Kollege Roman Weidenfeller bekommt von Bundestrainer Joachim Löw in Aussicht gestellt, bald für die Nationalmannschaft spielen zu dürfen. Er wäre damit ein weiterer Konkurrent für Sie.
Ich kann Manuel Neuer nur beipflichten, der gesagt hat, dass Roman Weidenfeller in den vergangenen beiden Jahren bei Borussia Dortmund gute Leistungen gebracht hat. Er ist eine wichtige Figur, wenn es um den Erfolg des BVB geht und hat wirklich super gespielt. Der Bundestrainer entscheidet, wer in der Nationalmannschaft spielt. So ist das.

Sie sind seit über zwei Jahren unangefochtener Stammkeeper bei Borussia Mönchengladbach – in den Nationalmannschaften herrscht ein wesentlich größerer Konkurrenzkampf ums Tor.
Wir haben viele gute Torhüter in Deutschland, keine Frage. Ich glaube, dass ich in den vergangenen Jahren meine Leistung stabilisiert habe und an den Rückschlägen, die ich auch in der Nationalmannschaft erfahren durfte, gewachsen bin.

Trotzdem spielen Sie nun bei der U21 und nicht mehr im Team von Joachim Löw – einige sprachen davon, man haben Sie degradiert.
Nein. Das wurde so entschieden und ich habe es akzeptiert. Jetzt will ich natürlich die Nummer eins bei der U21 sein und mich darüber auch für die A-Nationalmannschaft empfehlen. Wenn man mich braucht, bin ich da.

Allerdings ist durch Bernd Leno und Timo Horn der Konkurrenzdruck bei der U21 auch erwähnenswert. Wo sehen Sie sich in der Reihenfolge?
Ich bin hier die Nummer eins und glaube, dass ich mir den Stammplatz bei der U21 durch gute Leistung verdient habe. Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft zeigen kann, dass ich zu Recht im Tor stehe.

Wie viel Psychologie steckt in dieser Konkurrenzsituation?
Der Konkurrenzdruck ist hoch, und zwei Torhüter müssen in der Regel auf der Bank Platz nehmen. Ich denke aber, dass meine Kollegen damit gut umgehen können. Auch für mich ist das kein Thema, mal nicht zu spielen. Am Ende entscheidet die Leistung.

Vergleichen Sie mal das Torwarttraining bei der Nationalmannschaft und im Verein.
Bei der Nationalmannschaft ist der Erfolgsdruck immens, aber im Vergleich ist die Zeit, sich auf ein Spiel einzustellen, sehr kurz. Beim DFB können wir uns nicht tage- oder wochenlang auf eine Partie vorbereiten, und die Lehrgänge sind relativ selten. Deshalb ist es enorm wichtig, dass sich die Mannschaft immer schnell findet, um ein tolles Spiel abzuliefern.

Im Verein gab es nach dem 2:0-Sieg im Borussia-Duell eine Standpauke von Trainer Lucien Favre, der die Mannschaft in der Pressekonferenz kritisiert hatte .
Nein, wir haben das Spiel ganz normal analysiert. Die Ansprache dabei war aber ganz normal. Ebenso normal wie die Tatsache, dass Fehler aufgezeigt werden. Auch wenn wir kein richtig gutes Spiel gemacht haben, sind die drei Punkte in Mönchengladbach geblieben. Das zählt.

Trotzdem: Ein gutes Spiel war es nicht.
Wir standen in der Defensive kompakt, haben zu Null gespielt und haben uns dafür belohnt, dass wir auf unsere Chance gewartet haben. Bei Spielen gegen Borussia Dortmund kann man von uns nicht erwarten, dass wir das gleiche Tempo mitgehen.

Warum?
Wenn man sieht was Borussia Dortmund für ein Pressing spielt – dauerhaft, und das trotz eines Champions-League-Spiels in den Knochen, dann ist das einfach stark. Deshalb sind wir besonders froh über den Dreier gegen den BVB.

Kann man sagen, zwischen dem Leistungsniveau des BVB und Gladbach liegen noch ein paar Stufen?
Der BVB hat genauso wie Bayern München ganz andere Möglichkeiten als wir in Gladbach. Wenn ich unseren Kader mit dem von Dortmund vergleiche, muss man konstatieren, dass deren Spieler alle internationale Klasse haben – ohne uns abstufen zu wollen.

Das heißt?
Der BVB hat internationales Top-Niveau. Bis dahin ist es für uns ein großer Sprung. Aber Borussia Dortmund hat das auch nicht von jetzt auf gleich geschafft, sondern diesen Erfolgsweg bis zu einem Spitzenklub kontinuierlich beschritten.

Mögen Sie lieber Spiele mit unzähligen Torabschlüssen des Gegners oder Spiele, in denen Sie kaum gefordert werden?
Ter Stegen: Wenn wir gewinnen, ist mir das vollkommen egal. Wir hatten auch schon Spiele, in denen wir total dominant waren und nach 90 Minuten mit leeren Händen da standen.

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