Diese Spieler haben Sie sich schon zwei, drei Mal in der Saison geschnappt und zurecht gewiesen.Wenn man Leute nicht alarmiert, dann ändert sich vielleicht gar nichts. Man muss miteinander reden, wenn Fehler passieren und wenn diese drei Mal passieren, dann muss man eben deutlicher werden. Wir sprechen in der Mannschaft und das ist enorm wichtig. Ich meine das nie böse. Das wissen vor allem die, die mich schon länger kennen. Man muss sich nur nachher in der Kabine wieder die Hand geben können, das ist wichtig. Ich verlange übrigens auch von meinen Mitspielern, dass sie dazwischenhauen, wenn ich Fehler mache. Wir hatten vergangenes Jahr auch schlechtere Phasen, es ist ja nicht so, dass die Saison am Schnürchen verlief. Aber wenn es schlecht läuft, interpretiert man diese Reibereien in der Presse natürlich etwas anders.
Wie viel Psychologe steckt in Borussias Trainer Lucien Favre?Sehr viel. Er zeigt uns ganz klar die Fakten auf und bringt uns damit auf den Stand der Dinge. Es ist wichtig, dass in guten Zeiten keine unrealistischen Erwartungen geweckt werden und genau so wichtig, dass in schlechten Zeiten kein Harakiri erfolgt.
Wird der Lohn des vergangenen Jahres, der Europapokal, vielleicht zur Last, weil Sie weniger trainieren können. Fehler abzustellen, müssen Sie in Pflichtspielen trainieren.Auf der einen Seite sind viele Spiele gut und machen den Kopf frei. Aber natürlich gibt es auch die negativen Seiten eines solchen Terminplans. Dazu gehört sicherlich, dass wir weniger trainieren und aufarbeiten können. Aber durch Spielpraxis lernt man umso besser. Wir wissen ja, was wir falsch machen. Es ist zwar nicht einfach, das direkt abzustellen, wir müssen es nur kontinuierlich angehen.
In der Nationalelf gibt es die Führungsspieler-Debatte. Gibt es bei Borussia Mönchengladbach eine klare Hierarchie?Wir haben mit Martin Stranzl, Filip Daems und Juan Arango hervorragende Leader und Führungsspieler. Das wird man nicht durch Reden und Interviews, sondern auf und neben dem Platz und in der Kabine. Das muss man nicht sagen, sondern leben und ausfüllen. Diese Personen haben wir. Aber keiner stellt sich bei uns im Team vor die anderen uns sagt: ‚Ich bin der Größte‘. Wir haben eine gute Mischung. Die einen sprechen Dinge an, ohne ihre Leistung auf dem Platz zu vernachlässigen und die anderen reden nicht viel, führen die Mannschaft aber auf dem Platz.
Zeigt die Borussia in dieser Saison ihr wahres Gesicht? Einige sprechen über das Erfolgsjahr als »Ausrutscher nach oben«.Wir haben letztes Jahr eine hervorragende Saison gespielt und uns das Glück erarbeitet. Wir wollten in jedem Spiel auf die drei Punkte gehen und waren so erfolgreich. Wir versuchen das in dieser Spielzeit natürlich auch, aber wir bewahren selten die Ruhe, wenn wir hinten liegen. Wir versuchen, den Rückstand direkt aufzuholen und zu kompensieren und verlieren dann die Kompaktheit. In der Ruhe liegt die Kraft und wir müssen uns nach Gegentoren in Ruhe wieder aufrappeln und wieder sicher stehen. Dass mit dem Ausrutscher sehe ich ein bisschen anders. Aber jeder darf seine Meinung haben und sie vertreten. Meine Meinung ist das nicht.
Werden die Fans am Niederrhein langsam ungeduldig?Natürlich sind dadurch die Erwartungen bei den Fans gestiegen. Wir alle wollen erfolgreich sein und hervorragenden Fußball spielen und sehen. Ich bin auch Fan, wenn ich auf dem Platz stehe. Wir müssen alle zusammenstehen und keiner sollte verblendet sein.
Kommen die Pfiffe, weil die Fans verblendet sind?Wenn man 0:5 in Dortmund und 0:4 in Bremen untergeht, dürfen die Fans auch pfeifen. Wir haben zweifelsohne hervorragende Fans, die die Lage richtig einschätzen und uns in knappen Spielen immer unterstützen. Gerade jetzt, in dieser schweren Phase, brauchen wir unsere Fans.
Einige Fans befürchten, Sie könnten den Verein am Saisonende verlassen. In den Medien wurde der FC Barcelona kolportiert .Für mich ist es wichtig, dass wir aus dieser Situation zusammen rauskommen und endlich wieder Spiele gewinnen. Das hat für mich oberste Priorität. Alles, was am Ende der Saison passiert und alles, was geschrieben wird, sollte man erst mal außen vor lassen. Ich kann nicht alles kommentieren, was in den Medien steht und manchmal sollte man Dinge auch nicht kommentieren, weil sie einfach Unsinn sind. Ich habe einen Vertrag bis 2015 und bin glücklich in meiner Geburtsstadt.